Die Meiose (griechisch: meiosis = Verminderung) ist eine besondere Form der Zellteilung, bei der aus einer diploiden Ausgangszelle (2n) vier haploide Tochterzellen (n) entstehen. Sie wird deshalb auch als Reduktionsteilung bezeichnet, weil der Chromosomensatz halbiert wird. Die Meiose ist essenziell für die sexuelle Fortpflanzung, da sie die Bildung von Keimzellen (Gameten) ermöglicht. Bei der Befruchtung verschmelzen dann zwei haploide Gameten zu einer diploiden Zygote (n + n = 2n), wodurch der artspezifische Chromosomensatz wiederhergestellt wird.
Ein weiterer zentraler Aspekt der Meiose ist die Erzeugung genetischer Vielfalt durch drei Mechanismen: Crossing-over, zufällige Verteilung der homologen Chromosomen (interchromosomale Rekombination) und zufällige Kombination der Gameten bei der Befruchtung.
Übersicht der Meiose. Oben: Meiose I (Reduktionsteilung) mit Trennung der homologen Chromosomen. Unten: Meiose II (Äquationsteilung) mit Trennung der Schwesterchromatiden. Ergebnis: vier haploide, genetisch unterschiedliche Tochterzellen.
Die Meiose I wird als eigentliche Reduktionsteilung bezeichnet, da hier die homologen Chromosomenpaare getrennt werden und der Chromosomensatz von diploid (2n) auf haploid (n) reduziert wird. Sie gliedert sich in vier Phasen:
Die Prophase I ist die längste und komplexeste Phase der Meiose. Sie wird in fünf Unterphasen gegliedert (Leptotän, Zygotän, Pachytän, Diplotän, Diakinese). Für das Abitur sind folgende Vorgänge entscheidend:
In der Metaphase I ordnen sich die Bivalente (Paare homologer Chromosomen) in der Äquatorialebene an. Die Ausrichtung jedes Bivalents erfolgt zufällig – das heißt, ob das väterliche oder mütterliche Chromosom zum einen oder anderen Pol zeigt, ist dem Zufall überlassen. Dies ist die Grundlage der interchromosomalen Rekombination. Beim Menschen mit 23 Chromosomenpaaren ergeben sich 223 = 8.388.608 verschiedene mögliche Kombinationen – allein durch die zufällige Verteilung der Chromosomen.
In der Anaphase I werden die homologen Chromosomen voneinander getrennt und zu den entgegengesetzten Zellpolen gezogen. Im Unterschied zur Mitose werden hier nicht die Schwesterchromatiden getrennt, sondern die Bivalente aufgelöst: Jedes Chromosom eines homologen Paares wandert zu einem anderen Pol. Die Chromosomen liegen weiterhin als Zweichromatid-Chromosomen vor. Am Ende der Anaphase I befinden sich an jedem Pol n Zweichromatid-Chromosomen (beim Menschen: 23).
In der Telophase I bilden sich neue Kernmembranen um die Chromosomensätze an den beiden Polen. Die Chromosomen dekondensieren teilweise. Es folgt die erste Zytokinese, bei der die Zelle in zwei haploide Tochterzellen geteilt wird. Jede dieser Zellen enthält nun einen haploiden Satz aus Zweichromatid-Chromosomen (n/2C → genau genommen n Chromosomen mit je 2 Chromatiden, also DNA-Gehalt 2C).
Wichtig: Zwischen Meiose I und Meiose II findet keine erneute DNA-Replikation statt (Interkinese).
Die Meiose II verläuft im Prinzip wie eine Mitose, jedoch mit haploiden Zellen. Sie wird als äquationale Teilung bezeichnet, weil der Ploidiegrad nicht weiter reduziert wird – es werden die Schwesterchromatiden getrennt.
Die Chromosomen kondensieren erneut (falls sie in der Interkinese dekondensiert waren). Ein neuer Spindelapparat bildet sich aus, und die Kernmembran löst sich auf.
Die Zweichromatid-Chromosomen ordnen sich in der Äquatorialebene an. Die Kinetochore der Schwesterchromatiden sind mit Spindelfasern der entgegengesetzten Pole verbunden.
Die Schwesterchromatiden werden am Centromer getrennt und als Einchromatid-Chromosomen zu den entgegengesetzten Zellpolen gezogen – genau wie bei der Anaphase der Mitose.
Um die Chromosomensätze bilden sich neue Kernmembranen. Die Chromosomen dekondensieren. Nach der zweiten Zytokinese liegen insgesamt vier haploide Tochterzellen mit je n Einchromatid-Chromosomen vor (DNA-Gehalt = 1C).
Das Crossing-over in der Prophase I ist einer der wichtigsten Mechanismen zur Erzeugung genetischer Vielfalt. Der Ablauf im Detail:
Durch Crossing-over können Gene, die auf demselben Chromosom liegen (gekoppelte Gene), neu kombiniert werden. Die Rekombinationsfrequenz zwischen zwei Genloci ist ein Maß für deren Abstand auf dem Chromosom und bildet die Grundlage der Genkartierung.
Die folgende Gegenüberstellung fasst die wesentlichen Unterschiede zusammen:
Eine Non-Disjunction (Nicht-Trennung) liegt vor, wenn Chromosomen während der Meiose nicht korrekt getrennt werden. Dies kann sowohl in der Meiose I (Nicht-Trennung homologer Chromosomen) als auch in der Meiose II (Nicht-Trennung der Schwesterchromatiden) auftreten.
Die Folge ist eine Aneuploidie – eine Abweichung von der normalen Chromosomenzahl:
Die Häufigkeit von Non-Disjunction steigt mit dem Alter der Mutter, insbesondere bei der Oogenese, da die Eizellen bereits vor der Geburt in der Prophase I arretiert werden und erst Jahrzehnte später die Meiose vollenden.
Abitur-Tipp: Aufgaben zur Meiose verlangen häufig den Vergleich mit der Mitose. Präge dir die zentralen Unterschiede ein und achte besonders auf: (1) In welcher Phase werden welche Strukturen getrennt (homologe Chromosomen vs. Schwesterchromatiden)? (2) Wie verändert sich der DNA-Gehalt (2C → 4C → 2C → 1C)? (3) Welche Mechanismen sorgen für genetische Vielfalt? Außerdem solltest du Non-Disjunction anhand eines Schemas erklären und die Folgen ableiten können (z. B. Trisomie 21).