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    • Q3 - The Media / Utopia and Dystopia

Macbeth – Characters

Macbeth – The Tragic Hero

Macbeth ist die titelgebende Hauptfigur und ein klassischer tragic hero im aristotelischen Sinne. Zu Beginn des Stücks wird er als tapferer und loyaler Feldherr eingeführt, der für König Duncan kämpft.

Hamartia: Ambition

Macbeths tragischer Fehler (hamartia) ist sein übersteigerter Ehrgeiz (“vaulting ambition, which o’erleaps itself”, I.7). Die Prophezeiung der Hexen weckt in ihm eine bereits vorhandene Sehnsucht nach Macht, die er zuvor unterdrückt hat.

Inner Conflict

Macbeth ist keine eindimensionale Bösewichtfigur. Er durchlebt einen intensiven inneren Konflikt zwischen seinem Ehrgeiz und seinem Gewissen:

  • Vor dem Mord: Im berühmten Monolog “If it were done when ’tis done” (I.7) wägt er die moralischen Konsequenzen ab. Er erkennt, dass Duncan ein guter König ist und er als Gastgeber und Verwandter eine besondere Treuepflicht hat.
  • Die Dolch-Vision: “Is this a dagger which I see before me?” (II.1) – ein halluzinierter Dolch symbolisiert seinen zerrissenen Geisteszustand.
  • Nach dem Mord: “Will all great Neptune’s ocean wash this blood / Clean from my hand?” (II.2) – unmittelbare Reue und Entsetzen.

Moral Decline

Im Verlauf des Stücks durchläuft Macbeth einen moralischen Verfall (moral decline / moral deterioration):

  • Akt I–II: Noch zögerlich, braucht Überzeugung durch Lady Macbeth, leidet unter Schuldgefühlen.
  • Akt III: Lässt eigenständig Banquo ermorden – ohne Lady Macbeths Einfluss. Beginnt, proaktiv zu handeln: “Things bad begun make strong themselves by ill” (III.2).
  • Akt IV: Lässt Macduffs gesamte Familie töten – eine Tat ohne strategischen Nutzen, reine Grausamkeit.
  • Akt V: Gleichgültigkeit und Nihilismus: “Life’s but a walking shadow” (V.5). Trotzdem zeigt er zuletzt Tapferkeit im Kampf.

Klausurrelevant: Macbeths Entwicklung lässt sich als Peripetie beschreiben: vom gefeierten Helden zum verhassten Tyrannen. Er erfüllt die Merkmale des tragic hero (hoher Stand, hamartia, Anagnorisis, Katharsis beim Publikum).

Lady Macbeth – Driving Force

Lady Macbeth ist eine der komplexesten weiblichen Figuren in Shakespeares Werk. Sie fungiert als treibende Kraft hinter dem Königsmord und durchläuft eine der dramatischsten Entwicklungen des Stücks.

“Unsex me here”

In ihrem zentralen Monolog (I.5) ruft Lady Macbeth die Geister an, sie zu “entweiblichen”:

“Come, you spirits / That tend on mortal thoughts, unsex me here, / And fill me from the crown to the toe top-full / Of direst cruelty”

Diese Passage ist zentral für die Analyse von Gender-Rollen im Stück: Lady Macbeth assoziiert Weiblichkeit mit Schwäche und Mitgefühl, Männlichkeit mit Entschlossenheit und Härte. Sie manipuliert Macbeth, indem sie seine Männlichkeit infrage stellt: “When you durst do it, then you were a man” (I.7).

Madness, Guilt and Sleepwalking

Die Schlafwandelszene (V.1) markiert Lady Macbeths vollständigen psychischen Zusammenbruch:

  • “Out, damned spot! out, I say!” – Sie versucht obsessiv, imaginäres Blut von ihren Händen zu waschen.
  • “All the perfumes of Arabia will not sweeten this little hand” – Kontrastiert mit Macbeths früherer Aussage über Neptuns Ozean.
  • Ihr anfänglicher Pragmatismus (“A little water clears us of this deed”, II.2) erweist sich als tragische Selbsttäuschung.

Lady Macbeths Entwicklung verläuft spiegelverkehrt zu Macbeths: Während er immer skrupelloser wird, bricht sie unter der Schuld zusammen. Ihr Tod (vermutlich Suizid) geschieht offstage – Macbeth kommentiert ihn mit dem nihilistischen “She should have died hereafter” (V.5).

Banquo – Foil to Macbeth

Banquo fungiert als Kontrastfigur (foil) zu Macbeth. Beide hören die Prophezeiung der Hexen, doch Banquo reagiert völlig anders.

Loyalty and Moral Integrity

  • Banquo erhält ebenfalls eine Prophezeiung (“Thou shalt get kings, though thou be none”, I.3), handelt aber nicht danach.
  • Er warnt Macbeth: “The instruments of darkness tell us truths, / Win us with honest trifles, to betray’s / In deepest consequence” (I.3).
  • Seine Loyalität zum König und sein moralischer Kompass bleiben intakt – er repräsentiert den Weg, den Macbeth hätte gehen können.

The Ghost as Symbol of Guilt

Banquos Geist erscheint Macbeth beim Bankett (III.4) und fungiert als Symbol für Macbeths Schuld und schlechtes Gewissen. Nur Macbeth kann den Geist sehen – ähnlich wie den Dolch zuvor. Der Geist ist gleichzeitig:

  • Ein Zeichen des Übernatürlichen (supernatural element)
  • Eine Manifestation von Macbeths Schuld (psychological reading)
  • Ein dramaturgisches Mittel, das Macbeths Fassade vor den Adligen zerstört

Historischer Kontext: Shakespeare stellte Banquo positiv dar, da er als Vorfahre von James I. galt. In Holinsheds Chronicles war Banquo tatsächlich Macbeths Komplize beim Königsmord.

Macduff – The Avenger

Macduff ist Macbeths Antagonist und der Rächer, der die natürliche Ordnung wiederherstellt.

Family Sacrifice

Macduffs Entscheidung, nach England zu fliehen, um Malcolm zu unterstützen, hat einen tragischen Preis: Macbeth lässt seine gesamte Familie ermorden (IV.2). Die Nachricht von ihrer Tötung führt zu einer der emotionalsten Szenen des Stücks:

“All my pretty ones? / Did you say all? O hell-kite! All?” (IV.3)

Macduff wird von Malcolm aufgefordert, seinen Schmerz in Wut umzuwandeln: “Dispute it like a man”, worauf Macduff antwortet: “I shall do so; / But I must also feel it as a man” – eine wichtige Stelle für die Masculinity-Thematik, da Macduff Männlichkeit nicht mit Gefühllosigkeit gleichsetzt.

“Not of Woman Born”

Die Hexenprophezeiung, dass Macbeth von niemandem getötet werden kann, der “of woman born” ist, erweist sich als Equivocation (Doppeldeutigkeit): Macduff wurde per Kaiserschnitt entbunden (“from his mother’s womb / Untimely ripp’d”, V.8). Dies illustriert ein zentrales Thema: Die Hexen lügen nicht – sie formulieren Wahrheiten so, dass sie in die Irre führen.

Duncan – The Benevolent King

König Duncan repräsentiert das Ideal des guten, gottgesandten Herrschers (Divine Right of Kings).

Trust and Divine Right

  • Duncan ist großzügig, vertrauensvoll und gerecht. Er belohnt Treue (ernennt Macbeth zum Thane of Cawdor) und wird von seinen Untertanen respektiert.
  • Sein Vertrauen ist zugleich seine Schwäche: “There’s no art / To find the mind’s construction in the face” (I.4) – ironischerweise sagt er dies über den früheren Thane of Cawdor, bevor er dem neuen (Macbeth) vertraut.
  • Sein Mord verstößt gegen drei heilige Prinzipien: die Loyalität eines Untertanen, die Pflicht eines Gastgebers und die göttliche Ordnung (Great Chain of Being).

Dramaturgische Funktion: Duncan erscheint nur in den ersten beiden Akten, aber sein Tod ist der Katalysator für das gesamte Geschehen. Die Unnatur seines Mordes wird durch pathetic fallacy unterstrichen: In der Mordnacht tobt ein Sturm, Eulen schreien, Pferde fressen sich gegenseitig.

Malcolm – True Heir and Restoration of Order

Malcolm, Duncans älterer Sohn, repräsentiert die Wiederherstellung der legitimen Ordnung.

Testing Macduff

In der Prüfungsszene (IV.3) testet Malcolm Macduffs Loyalität, indem er sich als noch schlechter als Macbeth darstellt. Als Macduff entsetzt reagiert, offenbart Malcolm, dass er gelügt hat – Macduff hat den Test bestanden. Diese Szene zeigt:

  • Malcolms politische Klugheit und Vorsicht (im Gegensatz zu seinem vertrauensseligen Vater)
  • Die Atmosphäre des Misstrauens, die Macbeths Tyrannei geschaffen hat
  • Das Thema Appearance vs. Reality: Auch positive Täuschung ist möglich

Restoration of Order

Malcolm erfüllt am Ende die strukturelle Funktion der Ordnungswiederherstellung, die für Shakespeares Tragödien typisch ist. Sein Schlusswort verspricht eine neue, gerechte Herrschaft. Der Kreis schließt sich: Ein legitimer, tugendhafter König ersetzt den Tyrannen.

The Witches (Weird Sisters) – Catalysts and Equivocation

Die drei Hexen (Weird Sisters) sind eine der ikonischsten Figurengruppen in Shakespeares Werk und zentral für das Thema Fate vs. Free Will.

Fate vs. Free Will

Die Kernfrage lautet: Verursachen die Hexen Macbeths Verbrechen, oder offenbaren sie nur, was bereits in ihm angelegt ist?

  • Fate-Perspektive: Die Hexen setzen eine unausweichliche Kette von Ereignissen in Gang. Macbeth ist Opfer übernatürlicher Mächte.
  • Free-Will-Perspektive: Die Hexen machen keine Handlungsanweisungen. Macbeth wählt, zu morden. Die Prophezeiung ist ein Katalysator, keine Ursache.
  • Self-fulfilling prophecy: Die Prophezeiung erfüllt sich nur, weil Macbeth danach handelt. Hätte er nichts getan, wäre er vielleicht trotzdem König geworden.

Equivocation

Die Hexen sind Meisterinnen der Doppeldeutigkeit (equivocation). Ihre Prophezeiungen sind technisch wahr, aber bewusst irreführend:

  • “None of woman born shall harm Macbeth” – Macduff wurde per Kaiserschnitt entbunden.
  • “Macbeth shall never vanquish’d be until / Great Birnam Wood to high Dunsinane Hill / Shall come against him” – Malcolms Soldaten tarnen sich mit Zweigen.

Dies verbindet sich mit dem Appearance-vs.-Reality-Thema und dem historischen Kontext der Jesuitischen Equivocation (der Gunpowder Plot).

Catalysts

Dramaturgisch fungieren die Hexen als Katalysatoren: Sie eröffnen und strukturieren das Stück, schaffen die unheimliche Atmosphäre und treiben die Handlung voran, ohne selbst direkt einzugreifen. Ihr Eröffnungssatz “Fair is foul, and foul is fair” (I.1) etabliert die zentrale Paradoxie des gesamten Stücks.

Figurenkonstellation

Die Figurenkonstellation in Macbeth ist von Kontrastpaaren und Spiegelungen geprägt:

Übersicht der zentralen Beziehungen

  • Macbeth ↔ Lady Macbeth: Komplementäre Entwicklung – er wird härter, sie zerbricht. Zu Beginn ist sie die treibende Kraft, später verliert sie jeden Einfluss.
  • Macbeth ↔ Banquo (Foil): Beide hören die Prophezeiung, aber nur Macbeth handelt. Banquo repräsentiert den moralisch integren Weg.
  • Macbeth ↔ Macduff (Antagonist): Macduff ist Macbeths Nemesis und das Instrument der poetischen Gerechtigkeit.
  • Duncan ↔ Macbeth (als Könige): Der gute König vs. der Tyrann. Duncans Herrschaft bringt Ordnung, Macbeths Chaos.
  • Malcolm ↔ Macbeth: Der legitime Erbe vs. der Usurpator. Malcolms Aufstieg spiegelt Macbeths Fall.
  • Lady Macbeth ↔ Lady Macduff: Die Frau, die zur Gewalt anstiftet vs. die Frau, die Opfer der Gewalt wird.
  • Die Hexen ↔ alle Figuren: Sie stehen außerhalb der menschlichen Ordnung und wirken als übernatürliche Kraft auf alle Beziehungen ein.

Machtstruktur

Die Machtdynamik verschiebt sich im Verlauf des Stücks:

  • Akt I–II: Lady Macbeth dominiert die Beziehung, Macbeth ist der Zögernde.
  • Akt III: Macbeth handelt eigenständig (Banquos Ermordung), Lady Macbeth wird marginalisiert.
  • Akt IV–V: Macbeth ist isoliert, Lady Macbeth verfällt dem Wahnsinn. Die Gegenkräfte (Malcolm, Macduff) gewinnen an Macht.

Klausurtipp: In einer Charakterisierung sollte immer die Funktion der Figur im Gesamtwerk und ihre Beziehung zu anderen Figuren herausgearbeitet werden. Belege durch Zitate (mit Akt- und Szenenangabe) sind essenziell.