Macbeth – Themes & Interpretation
Ambition and Power
Ehrgeiz und Macht sind das zentrale Thema von Macbeth. Shakespeare zeigt, wie unkontrollierter Ehrgeiz einen an sich tugendhaften Menschen korrumpiert und zerstört.
Corrupting Influence of Ambition
Macbeths Ehrgeiz wird von den Hexen geweckt, existiert aber bereits latent in ihm. Shakespeare stellt dar, dass Ehrgeiz an sich nicht böse ist – es ist der unkontrollierte, moralisch enthemmte Ehrgeiz, der zerstörerisch wirkt:
- “I have no spur / To prick the sides of my intent, but only / Vaulting ambition, which o’erleaps itself / And falls on the other” (I.7) – Macbeth erkennt, dass sein einziges Motiv der nackte Ehrgeiz ist.
- Jeder Mord führt zum nächsten: Duncan → Banquo → Macduffs Familie. Die Macht korrumpiert progressiv.
- Lady Macbeths Ehrgeiz ist zunächst stärker als Macbeths, doch gerade sie zerbricht an den Konsequenzen.
Klausurrelevant: Der Begriff “vaulting ambition” ist ein Schlüsselzitat. Ehrgeiz wird hier als Pferd-Metapher dargestellt, das über das Ziel hinausschießt und stürzt – eine Vorausdeutung auf Macbeths Untergang.
Guilt and Conscience
Schuld und Gewissen durchziehen das gesamte Stück als zentrales Motiv. Shakespeare zeigt, dass Schuld nicht unterdrückt werden kann – sie manifestiert sich physisch und psychisch.
The Blood Motif
Blut ist das wichtigste Leitmotiv (recurring motif) in Macbeth:
- Macbeth nach dem Mord: “Will all great Neptune’s ocean wash this blood / Clean from my hand? No, this my hand will rather / The multitudinous seas incarnadine” (II.2) – Er fürchtet, das Blut werde die Meere rot färben.
- Lady Macbeth: “A little water clears us of this deed” (II.2) – Anfangs scheint sie pragmatisch und unangreifbar.
- Später: “Out, damned spot!” (V.1) und “All the perfumes of Arabia will not sweeten this little hand” – Die Schuld hat sie eingeholt.
Sleepwalking and “Out, Damned Spot”
Lady Macbeths Schlafwandelszene (V.1) ist der dramatische Höhepunkt des Schuldmotivs. Im Schlaf – also im Zustand des unkontrollierten Unterbewusstseins – offenbart sich die Schuld, die sie im Wachzustand unterdrückt. Die Szene ist auch ein Beispiel für dramatische Ironie: Der Arzt und die Kammerfrau hören Geständnisse, die sie nicht verstehen.
Das Motiv des gestörten Schlafs betrifft auch Macbeth: “Macbeth does murder sleep” (II.2). Schlaf repräsentiert Unschuld und inneren Frieden – beides hat Macbeth zerstört.
Fate vs. Free Will
Die Frage, ob Macbeth durch das Schicksal (fate) oder durch seinen freien Willen (free will) zum Mörder wird, ist die zentrale philosophische Frage des Stücks.
The Witches’ Prophecy
Die Hexen prophezeien Macbeth, er werde Thane of Cawdor und König werden. Die entscheidende Frage:
- Ist die Prophezeiung eine Beschreibung einer unausweichlichen Zukunft? Dann wäre Macbeth ein Opfer des Schicksals.
- Oder ist sie ein Anstoß, der Macbeths eigene Entscheidungen erst in Gang setzt? Dann trägt er die volle Verantwortung.
Self-Fulfilling Prophecy
Die überzeugendste Lesart ist die der sich selbst erfüllenden Prophezeiung (self-fulfilling prophecy):
- Die Hexen befehlen Macbeth nicht zu handeln – sie stellen nur fest.
- Macbeth wählt, den Mord zu begehen. Banquo erhält eine ähnliche Prophezeiung und handelt nicht.
- Die zweiten Prophezeiungen (Akt IV) wiegen Macbeth in falscher Sicherheit und führen so zu seinem Untergang.
Klausurrelevant: Die Fate-vs.-Free-Will-Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten – und das ist Absicht. Shakespeare präsentiert die Ambiguität als dramatisches Prinzip. In der Klausur sollte man beide Perspektiven darstellen und begründet Position beziehen.
Appearance vs. Reality
Das Thema Schein und Sein (Appearance vs. Reality) wird bereits im Eröffnungssatz der Hexen etabliert: “Fair is foul, and foul is fair” (I.1).
“Fair is Foul”
Dieses Paradoxon durchzieht das gesamte Stück:
- Macbeth: Erscheint als loyaler Untertan, ist aber ein Mörder. “Look like th’ innocent flower, / But be the serpent under’t” (I.5) – Lady Macbeths Rat an Macbeth.
- Die Hexen: Ihre Prophezeiungen klingen positiv, führen aber ins Verderben.
- Duncan: Vertraut dem äußeren Schein: “There’s no art to find the mind’s construction in the face” (I.4).
- Das Schloss Inverness: Duncan lobt die angenehme Atmosphäre des Schlosses (“This castle hath a pleasant seat”, I.6) – ironisch, da er dort ermordet wird.
Masks and Deception
Fast alle Figuren tragen im Verlauf des Stücks Masken:
- Macbeth und Lady Macbeth spielen die trauernden Untertanen nach Duncans Mord.
- Malcolm täuscht Lasterhaftigkeit vor, um Macduff zu testen (IV.3).
- Nur Banquo und Macduff agieren authentisch – und bezahlen dafür (Banquo mit dem Tod, Macduff mit dem Verlust seiner Familie).
Masculinity
Das Thema Männlichkeit (masculinity) wird in Macbeth kritisch hinterfragt. Verschiedene Figuren definieren Männlichkeit unterschiedlich.
Lady Macbeths Challenge: “Too Full of the Milk of Human Kindness”
Lady Macbeth manipuliert Macbeth, indem sie sein Männlichkeitsbild angreift:
- “Yet do I fear thy nature; / It is too full o’ the milk of human kindness” (I.5) – Mitgefühl wird als Schwäche dargestellt.
- “When you durst do it, then you were a man; / And to be more than what you were, you would / Be so much more the man” (I.7) – Männlichkeit wird mit Gewaltbereitschaft gleichgesetzt.
- Sie selbst ruft die Geister auf, sie zu “unsex” (I.5) – sie muss ihr Geschlecht überwinden, um zur Tat fähig zu sein.
Alternative Masculinity: Macduff
Macduff bietet ein Gegenmodell: Als er vom Tod seiner Familie erfährt und Malcolm ihn auffordert, wie ein Mann zu reagieren (“Dispute it like a man”), antwortet er:
“I shall do so; / But I must also feel it as a man” (IV.3)
Macduff definiert Männlichkeit als Verbindung von Tatkraft und emotionaler Tiefe – im Gegensatz zu Lady Macbeths toxischer Definition.
The Supernatural
Das Übernatürliche (the supernatural) ist in Macbeth allgegenwärtig und erfüllt mehrere dramaturgische Funktionen.
The Witches
Die Hexen sind die offensichtlichste Manifestation des Übernatürlichen. Sie existieren an der Grenze zwischen Realität und Illusion: Banquo fragt: “Are ye fantastical, or that indeed / Which outwardly ye show?” (I.3). Ihre Natur bleibt bewusst ambig.
The Ghost, the Dagger, and Darkness
- Der Dolch (II.1): “Is this a dagger which I see before me, / The handle toward my hand?” – Halluzination oder übernatürliches Zeichen? Die Ambiguität ist zentral.
- Banquos Geist (III.4): Nur für Macbeth sichtbar. Symbolisiert Schuld und die Unmöglichkeit, die Tat ungeschehen zu machen.
- Dunkelheit (darkness): Fast alle bösen Taten geschehen bei Nacht. Macbeth ruft die Dunkelheit an: “Stars, hide your fires; / Let not light see my black and deep desires” (I.4). Dunkelheit = Verborgenheit der Sünde.
Historischer Kontext: Für das jakobinische Publikum war das Übernatürliche real. James I. glaubte an Hexen und hatte die Hexenverfolgung unterstützt. Die Hexenszenen waren daher keine bloße Fiktion, sondern hatten eine unmittelbare Wirkung auf das zeitgenössische Publikum.
Order and Disorder
Macbeth behandelt den Zusammenbruch und die Wiederherstellung der natürlichen Ordnung – ein zentrales Thema der elisabethanischen und jakobinischen Weltsicht.
Great Chain of Being
Die Great Chain of Being war das vorherrschende Weltbild der Zeit: Eine göttliche Hierarchie, in der jedes Wesen seinen festen Platz hat – Gott → König → Adel → Mensch → Tier → Pflanze → Stein. Ein Königsmord verstößt gegen diese göttliche Ordnung und stürzt die gesamte Welt ins Chaos.
Pathetic Fallacy
Shakespeare nutzt pathetic fallacy (die Natur spiegelt menschliche Handlungen wider), um die Zerstörung der Ordnung darzustellen:
- Mordnacht: Sturm, Eulen schreien, Pferde werden wild und fressen sich gegenseitig (II.4).
- Allgemeines Chaos: “By the clock, ’tis day, / And yet dark night strangles the travelling lamp” (II.4) – Die Sonne scheint nicht mehr.
- Die natürliche Ordnung wird erst durch Macbeths Tod und Malcolms Krönung wiederhergestellt.
Die Struktur des Stücks folgt dem Muster: Ordnung → Störung → Wiederherstellung. Dies entspricht der typischen Struktur von Shakespeares Tragödien und der politischen Botschaft, dass illegitime Macht letztlich scheitert.
Interpretationsansätze
Für das Abitur ist es wichtig, verschiedene Interpretationsansätze zu kennen und anwenden zu können.
Historischer Ansatz
Macbeth wird im Kontext seiner Entstehungszeit gelesen:
- Gunpowder Plot (1605): Königsmord war ein aktuelles Thema. Macbeth als Warnung vor Hochverrat.
- James I.: Banquo als Vorfahre des Königs, die Hexenthematik als Hommage an James’ Interesse an Dämonologie.
- Divine Right of Kings: Der Königsmord als Sünde gegen die göttliche Ordnung.
Psychologischer Ansatz
Macbeth und Lady Macbeth werden als psychologische Fallstudien gelesen:
- Macbeths innerer Konflikt zwischen Gewissen und Ehrgeiz als Darstellung einer gespaltenen Psyche.
- Lady Macbeths Verdrängung und psychischer Zusammenbruch (Schlafwandeln, Halluzinationen).
- Die übernatürlichen Elemente (Dolch, Geist) als Projektionen des Unterbewusstseins.
- Sigmund Freuds Analyse von Macbeth als Beispiel für “die am Erfolg Scheiternden”.
Feministischer Ansatz
Macbeth wird auf seine Darstellung von Geschlechterrollen hin untersucht:
- Lady Macbeths “unsex me”-Rede als Ausdruck der Einschränkungen weiblicher Handlungsmacht in einer patriarchalen Gesellschaft.
- Die Gleichsetzung von Männlichkeit mit Gewalt als kritische Reflexion toxischer Männlichkeit.
- Lady Macbeths Bestrafung (Wahnsinn, Tod) als Disziplinierung der machtbewussten Frau durch die patriarchale Ordnung.
- Lady Macduffs Rolle als passives Opfer im Kontrast zu Lady Macbeths Aktivität.
Postkolonialer Ansatz
Ein neuerer Interpretationsansatz untersucht Machstrukturen und Herrschaft in Macbeth:
- Schottland als Peripherie, England (Edward der Bekenner) als zivilisatorisches Zentrum, von dem die Rettung kommt.
- Die Legitimierung englischer Herrschaft über Schottland durch die Darstellung schottischer “Barbarei”.
- Die Hexen als Repräsentantinnen des “Anderen”, das ausgegrenzt und dämonisiert wird.
Klausurtipp: Im Abitur wird häufig nach einem bestimmten Interpretationsansatz gefragt (“Discuss from a feminist/psychological perspective”). Wichtig ist, den gewählten Ansatz konsequent durchzuhalten und mit Textstellen zu belegen.