Blutpuffer – Kohlensäure-Hydrogencarbonat-Puffer im Blut
Bedeutung der pH-Regulation im Blut
Der pH-Wert des Blutes liegt physiologisch in einem sehr engen Bereich von 7,35–7,45. Schon geringe Abweichungen können lebensgefährlich sein, da die Funktion von Enzymen, Proteinen und Zellmembranen pH-abhängig ist.
Um diesen Wert trotz ständig anfallender Säuren (aus dem Stoffwechsel) aufrechtzuerhalten, verfügt das Blut über mehrere Puffersysteme:
- Kohlensäure-Hydrogencarbonat-Puffer (wichtigstes System, ca. 75 % der Pufferkapazität im Plasma)
- Hämoglobin-Puffer (in den Erythrozyten)
- Phosphat-Puffer (v.a. intrazellulär und in der Niere)
- Proteinat-Puffer (Plasmaproteine)
Das Kohlensäure-Hydrogencarbonat-Puffersystem
Das zentrale Puffersystem des Blutes beruht auf dem Gleichgewicht:
CO2 + H2O ⇌ H2CO3 ⇌ H+ + HCO3−
Bestandteile:
- Säure: Kohlensäure (H2CO3) bzw. gelöstes CO2
- Konjugierte Base: Hydrogencarbonat (HCO3−)
Normalwerte im arteriellen Blut:
- c(HCO3−) ≈ 24 mmol/L
- pCO2 ≈ 40 mmHg (entspricht c(CO2) ≈ 1,2 mmol/L)
- Verhältnis HCO3− : CO2 ≈ 20 : 1
Anwendung der Henderson-Hasselbalch-Gleichung (pKS der Kohlensäure = 6,1):
pH = 6,1 + lg(24 / 1,2) = 6,1 + lg(20) = 6,1 + 1,3 = 7,4
Besonderheit: Offenes Puffersystem
Der Blutpuffer ist ein offenes System, das sich fundamental von einem geschlossenen Puffer (z.B. im Reagenzglas) unterscheidet:
- Lunge (Abatmung von CO2): Überschüssiges CO2 wird über die Lunge abgeatmet. Dadurch wird die Säurekomponente aus dem System entfernt und der pH-Wert kann effektiv reguliert werden.
- Niere (HCO3−-Resorption und -Neubildung): Die Niere reguliert die Hydrogencarbonat-Konzentration, indem sie HCO3− rückresobiert oder H+-Ionen ausscheidet.
Vorteil des offenen Systems: Die Pufferkapazität ist wesentlich größer als bei einem geschlossenen Puffer, weil die Konzentrationen beider Pufferkomponenten aktiv reguliert werden. Deshalb funktioniert der Kohlensäure-Hydrogencarbonat-Puffer trotz eines pKS von 6,1 (weit entfernt vom Blut-pH 7,4) hervorragend.
CO2-Transport im Blut
CO2 entsteht als Endprodukt der Zellatmung und muss von den Geweben zur Lunge transportiert werden. Der Transport erfolgt auf drei Wegen:
- Physikalisch gelöst im Plasma: Ca. 5–10 % – direkt als CO2-Moleküle.
- Als Hydrogencarbonat (HCO3−): Ca. 70 % – CO2 diffundiert in die Erythrozyten, wird dort durch das Enzym Carboanhydrase rasch zu H2CO3 umgesetzt, das in H+ und HCO3− dissoziiert. Das HCO3− wird im Austausch gegen Cl− ins Plasma transportiert (Chlorid-Shift). Die freigesetzten H+-Ionen werden vom Hämoglobin gepuffert.
- An Hämoglobin gebunden (Carbaminohämoglobin): Ca. 20–25 % – CO2 bindet direkt an Aminogruppen des Hämoglobins.
In der Lunge laufen alle Prozesse in umgekehrter Richtung ab: CO2 wird freigesetzt und abgeatmet.
Klinische Bedeutung: Azidose und Alkalose
Störungen des Säure-Base-Haushalts werden nach Ursache und Richtung klassifiziert:
Azidose (pH < 7,35):
- Respiratorische Azidose: Ursache ist eine Hypoventilation (z.B. COPD, Asthma, Atemdepression). CO2 wird nicht ausreichend abgeatmet → pCO2 steigt → pH sinkt.
Kompensation: Niere steigert HCO3−-Rückresorption (langsam, Stunden bis Tage). - Metabolische Azidose: Ursache ist ein Überschuss an Stoffwechselsäuren oder ein Verlust von HCO3− (z.B. diabetische Ketoazidose, Nierenversagen, Durchfall).
Kompensation: Vertiefte Atmung (Kussmaul-Atmung) senkt den pCO2.
Alkalose (pH > 7,45):
- Respiratorische Alkalose: Hyperventilation (z.B. Angst, Schmerz, Höhe) → zu viel CO2 abgeatmet → pCO2 sinkt → pH steigt.
Kompensation: Niere scheidet mehr HCO3− aus. - Metabolische Alkalose: Verlust von H+ (z.B. Erbrechen) oder Überschuss an HCO3− (z.B. Antazida).
Kompensation: Flache Atmung erhöht pCO2.
Zusammenfassung: Regulation auf drei Ebenen
Der Körper reguliert den pH-Wert des Blutes auf drei zeitlich gestaffelten Ebenen:
- Chemische Puffer (Sekunden): Sofortige Abfederung durch Kohlensäure-Hydrogencarbonat-, Hämoglobin-, Phosphat- und Proteinat-Puffer.
- Lunge (Minuten): Anpassung der Atemfrequenz und -tiefe reguliert den pCO2.
- Niere (Stunden bis Tage): Rückresorption bzw. Ausscheidung von HCO3− und H+ für die langfristige Feinregulation.
Alle drei Ebenen arbeiten zusammen und ergänzen sich. Fällt eine Ebene aus (z.B. Lungenerkrankung), versuchen die anderen zu kompensieren.
Abitur-Tipp: Der Blutpuffer ist ein Standardthema im Chemie- und Biologieabitur. Präge dir die Henderson-Hasselbalch-Berechnung mit den Blut-Normalwerten ein (pKS = 6,1; Verhältnis 20:1 → pH = 7,4). Erkläre, warum das offene System funktioniert, obwohl pKS und pH weit auseinanderliegen. Bei Aufgaben zu Azidose/Alkalose: Bestimme zuerst die Ursache (respiratorisch vs. metabolisch), dann den Kompensationsmechanismus. Die Henderson-Hasselbalch-Gleichung zeigt dir, welche Größe sich wie ändern muss.