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Konjunkturanalyse

Der Konjunkturzyklus

Unter Konjunktur versteht man die zyklischen Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität um den langfristigen Wachstumstrend. Ein idealtypischer Konjunkturzyklus besteht aus vier Phasen: Aufschwung (Expansion), Hochkonjunktur (Boom), Abschwung (Rezession) und Tiefstand (Depression). Die Dauer eines Zyklus beträgt typischerweise 4–8 Jahre.

Im Aufschwung steigen Produktion, Beschäftigung und Investitionen. Die Kapazitätsauslastung nimmt zu, die Arbeitslosigkeit sinkt. Im Boom ist die Wirtschaft überausgelastet, es drohen Preissteigerungen und Arbeitskräftemangel. Im Abschwung geht die Nachfrage zurück, Investitionen werden zurückgestellt, die Arbeitslosigkeit steigt. In der Depression ist die Kapazitätsauslastung am niedrigsten, Insolvenzen häufen sich.

Konjunkturindikatoren

Konjunkturindikatoren werden nach ihrem zeitlichen Bezug unterteilt: Frühindikatoren zeigen die künftige Entwicklung an (z. B. ifo-Geschäftsklimaindex, Auftragseingänge, Baugenehmigungen, Aktienkurse). Präsensindikatoren beschreiben die aktülle Lage (z. B. BIP, Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion). Spätindikatoren reagieren verzögert (z. B. Arbeitslosenquote, Insolvenzen, Preisentwicklung).

Der ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigster deutscher Frühindikator. Er basiert auf einer monatlichen Befragung von ca. 9.000 Unternehmen zu ihrer aktüllen Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Weitere wichtige Indikatoren sind der ZEW-Konjunkturerwartungsindex und der Einkaufsmanagerindex (PMI).

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Land innerhalb eines Jahres hergestellt werden (Inlandskonzept). Es kann auf drei Wegen berechnet werden: Entstehungsrechnung (Produktionswert minus Vorleistungen), Verwendungsrechnung (Konsum + Investitionen + Staatsausgaben + Nettoexporte: Y = C + I + G + (X-M)) und Verteilungsrechnung (Arbeitnehmerentgelt + Unternehmensgewinne + Vermögenseinkommen).

Man unterscheidet zwischen nominalem BIP (zu laufenden Preisen) und realem BIP (preisbereinigt, um die Inflation herauszurechnen). Nur das reale BIP zeigt die tatsächliche Mengenveränderung. Das BIP als Wohlstandsindikator wird kritisiert, weil es Umweltschäden, unbezahlte Arbeit, Einkommensverteilung und Lebensqualität nicht erfasst.

Konjunkturtheorien

Verschiedene Theorien erklären die Ursachen konjunktureller Schwankungen: Exogene Theorien sehen die Ursachen außerhalb des Wirtschaftssystems (z. B. technologische Innovationen nach Schumpeter, politische Schocks). Endogene Theorien erklären Zyklen aus dem Wirtschaftssystem selbst (z. B. Überinvestitionstheorie, Unterkonsumtionstheorie).

Der Sachverständigenrat (die „Fünf Weisen“) erstellt jährlich ein Gutachten zur wirtschaftlichen Lage und gibt Prognosen ab. Die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute liefert zwei Mal jährlich Konjunkturprognosen für die Bundesregierung.

Abitur-Tipp: Lerne die vier Phasen des Konjunkturzyklus mit ihren jeweiligen Merkmalen und ordne die Konjunkturindikatoren korrekt zu. Beherrsche die BIP-Berechnung nach der Verwendungsrechnung (Y = C + I + G + NX) und diskutiere die Grenzen des BIP als Wohlstandsmaß.