Die Bergpredigt (Matthäus 5–7) ist die zentrale ethische Rede Jesu im Matthäusevangelium. Sie wird auf einem Berg gehalten – eine bewusste Parallele zu Mose, der das Gesetz auf dem Sinai empfing. Jesus erscheint hier als der neue Gesetzgeber, der die Tora nicht aufhebt, sondern radikalisiert und verinnerlicht: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen“ (Mt 5,17).
Die Seligpreisungen (Makarismen) bilden den Auftakt der Bergpredigt. Jesus preist Menschen selig, die nach weltlichen Maßstäben als benachteiligt gelten:
Die Seligpreisungen sind Zuspruch (Gott wendet sich den Leidenden zu) und Anspruch (sie fordern ein Leben in Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden) zugleich.
In sechs Antithesen stellt Jesus der alttestamentlichen Weisung („Ihr habt gehört, dass gesagt ist…“) seine eigene, radikalisierte Forderung gegenüber („Ich aber sage euch…“):
Die Antithesen zeigen: Jesus geht es nicht um äußere Regelbeachtung, sondern um die innere Haltung des Herzens. Die Gerechtigkeit der Jünger soll die der Pharisäer übertreffen (Mt 5,20).
Die Feindesliebe ist das radikalste Gebot der Bergpredigt. Jesus fordert:
Die Feindesliebe ist keine passive Hinnahme von Unrecht, sondern die aktive Entscheidung, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen.
Obwohl nicht Teil der Bergpredigt, fasst das Doppelgebot der Liebe die gesamte Ethik Jesu zusammen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen … Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Mt 22,37–40).
Das Doppelgebot verbindet:
Durch die Gleichrangigkeit beider Gebote zeigt Jesus: Wer Gott liebt, muss auch den Menschen lieben – und umgekehrt.
In der Theologiegeschichte gibt es verschiedene Deutungsansätze der Bergpredigt:
Abitur-Tipp: Im Abitur werden häufig die Seligpreisungen oder eine Antithese zur Analyse vorgelegt. Achte darauf, sowohl den Zuspruch als auch den Anspruch der Bergpredigt herauszuarbeiten. Die verschiedenen Deutungsansätze (Luther, Schweitzer, Sölle) sind beliebte Vergleichsthemen. Das Doppelgebot der Liebe ist die hermeneutische Klammer, mit der die gesamte jesuanische Ethik zusammengefasst werden kann.
Carl Blochs Gemälde der Bergpredigt zeigt Jesus bei seiner zentralen Rede über die Seligpreisungen und die Ethik des Gottesreiches.