Kreuz und Auferstehung
Die Kreuzigung Jesu
Die Kreuzigung Jesu ist das zentrale Ereignis der christlichen Heilsgeschichte. Alle vier Evangelien berichten ausführlich davon (Mk 15; Mt 27; Lk 23; Joh 19). Die historischen Umstände:
- Jesus wird nach dem letzten Abendmahl im Garten Gethsemane verhaftet (Mk 14,43–50).
- Er wird vor dem Hohen Rat (Sanhedrin) angeklagt und wegen Gotteslästerung verurteilt (Mk 14,61–64).
- Der römische Präfekt Pontius Pilatus verurteilt ihn zum Tod am Kreuz (Mk 15,15).
- Die Kreuzigung findet auf Golgatha („Schädelstätte“) statt.
- Am Kreuz hängt die Inschrift INRI („Jesus von Nazaret, König der Juden“).
Die Kreuzigung (Grünewald, Isenheimer Altar)
Die Darstellung der Kreuzigung Christi auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald (um 1515).
Deutungen des Kreuzestodes
Bereits im Neuen Testament finden sich verschiedene Deutungen des Kreuzestodes Jesu:
- Sühnetod/Stellvertretung: Jesus stirbt „für unsere Sünden“ (1Kor 15,3). Sein Tod ist das Opfer, das die Schuld der Menschen tilgt (Jes 53: der leidende Gottesknecht).
- Lösegeld: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele“ (Mk 10,45).
- Neuer Bund: Beim Abendmahl deutet Jesus seinen Tod als Begründung eines neuen Bundes (Lk 22,20; vgl. Jer 31,31–34).
- Solidarität Gottes: Im Kreuz zeigt sich Gottes Solidarität mit den Leidenden. Der Schrei Jesu am Kreuz („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, Mk 15,34 / Ps 22,2) zeigt die volle Menschlichkeit Jesu.
- Jürgen Moltmann: Der „gekreuzigte Gott“ – Gott selbst leidet am Kreuz und solidarisiert sich mit allen Leidenden.
Die Auferstehung: Biblische Zeugnisse
Die Auferstehung Jesu wird nicht als beobachtbares Ereignis beschrieben, sondern durch verschiedene Zeugnisformen bezeugt:
- Das leere Grab (Mk 16,1–8): Die Frauen finden das Grab leer und treffen einen Engel, der sagt: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“
- Erscheinungen des Auferstandenen: Jesus erscheint Maria Magdalena (Joh 20,14–18), den Emmausjüngern (Lk 24,13–35), den Elf (Lk 24,36–49) und weiteren.
- 1. Korinther 15,3–8: Die älteste schriftliche Auferstehungsüberlieferung. Paulus zitiert eine frühchristliche Bekenntnisformel: „Christus ist gestorben für unsere Sünden nach der Schrift; und er ist begraben worden; und er ist auferstanden am dritten Tage nach der Schrift; und er ist gesehen worden von Kephas, danach von den Zwölfen.“
Bedeutung der Auferstehung
Die Auferstehung ist das Fundament des christlichen Glaubens:
- Paulus: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich“ (1Kor 15,14).
- Die Auferstehung bestätigt Jesu Sendung und seine Botschaft vom Reich Gottes.
- Sie begründet die christliche Hoffnung auf ewiges Leben (1Kor 15,20–22).
- Sie ist der Sieg über Tod und Sünde – der Tod hat nicht das letzte Wort.
Wichtig: Die Auferstehung ist kein „Beweis“ im naturwissenschaftlichen Sinne, sondern ein Glaubenszeugnis. Sie lässt sich weder beweisen noch widerlegen – sie ist Gegenstand des Glaubens und der Hoffnung.
Abitur-Tipp: Die Bekenntnisformel 1Kor 15,3–8 ist die wichtigste Textstelle zum Thema Auferstehung. Präge dir ein, dass sie älter ist als alle Evangelienberichte und bereits eine Zeugenliste enthält. Im Abitur wird oft gefragt, wie sich die verschiedenen Deutungen des Kreuzestodes unterscheiden (Sühne, Stellvertretung, Solidarität). Achte darauf, dass Auferstehung nicht mit Wiederbelebung verwechselt wird – es geht um eine neue Wirklichkeit.