Christologie ist die theologische Reflexion über die Person und Bedeutung Jesu Christi. Die zentrale Frage lautet: Wer ist Jesus Christus? Dabei gibt es zwei grundlegende Ansätze:
Das Neue Testament verwendet verschiedene Hoheitstitel, um die Bedeutung Jesu auszudrücken:
Das Konzil von Chalcedon (451 n. Chr.) formulierte die klassische christologische Definition: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch – in einer Person vereint, unvermischt, unverwandelt, ungetrennt, ungesondert (die vier negativen Bestimmungen). Diese Formel bildet bis heute die Grundlage der kirchlichen Christologie und versucht, zwei Extreme abzuwehren:
In der modernen Theologie werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt:
Die historisch-kritische Christologie entwickelt sich in drei Quests: Die Old Quest beginnt mit Hermann Samuel Reimarus (Vom Zwecke Jesu und seiner Jünger, postum 1778) und endet mit Albert Schweitzers Geschichte der Leben-Jesu-Forschung (1906), die zeigt, wie jede Epoche ihren eigenen Jesus zeichnete. Die No Quest-Phase prägt Bultmann: Der historische Jesus sei kaum greifbar, theologisch zähle nur der Christus des Kerygmas. Die New Quest startet mit Ernst Käsemanns Vortrag Das Problem des historischen Jesus (1953) und führt zur Third Quest ab den 1980er Jahren (E. P. Sanders, John P. Meier, Gerd Theissen), die Jesus konsequent in seinen jüdischen Kontext stellt.
Eine reformierte Tradition fasst die Christologie unter dem munus triplex – den drei Ämtern Christi – zusammen, klassisch formuliert von Johannes Calvin in Institutio Christianae Religionis (Buch II, Kap. 15, 1559): Christus ist Prophet (er verkündet Gottes Wort), Priester (er bringt sich selbst als Opfer dar) und König (er regiert seine Gemeinde). Calvin schreibt: „Auf daß uns der Glaube in Christus festen Halt finde, müssen wir folgendes Prinzip festhalten: Das Amt, das ihm vom Vater übertragen ist, besteht aus drei Teilen.“ (Calvin, Institutio, II.15.1) Die Drei-Ämter-Lehre ist bis heute auch in der lutherischen und orthodoxen Christologie präsent.
Karl Barth hat die christliche Theologie konsequent christologisch zentriert. In Kirchliche Dogmatik IV/1 (1953) formuliert er: „Jesus Christus ist die Offenbarung Gottes – und nichts anderes.“ (Barth, KD IV/1) Damit wird jede natürliche Theologie ausgeschlossen: Es gibt keinen Zugang zu Gott außerhalb der Selbstmitteilung Gottes in Christus. Wolfhart Pannenberg hat dem in Grundzüge der Christologie (1964) widersprochen und mit der Auferstehung als historischem Präjudiz argumentiert: Wenn die Auferstehung wirklich geschah, dann ist Jesus tatsächlich der erwartete Messias – eine objektive Offenbarungstheologie ohne Sprung in den blinden Glauben.
Abitur-Tipp: Die Unterscheidung Christologie von oben (Joh 1: Logos wird Fleisch) und Christologie von unten (vom historischen Jesus her) ist ein Schlüsselthema. Im Abitur wird oft verlangt, beide Ansätze zu vergleichen und ihre jeweiligen Stärken/Schwächen zu diskutieren. Die Hoheitstitel (Christus, Sohn Gottes, Menschensohn, Kyrios) solltest du definieren und biblisch belegen können. Das Chalcedon-Bekenntnis ist die dogmatische Grundformel.