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Gottesbilder in der Bibel

JHWH – der Name Gottes

Der zentrale Gottesname im Alten Testament ist JHWH (das Tetragramm). In der Offenbarung am brennenden Dornbusch gibt Gott sich Mose zu erkennen: „Ich bin, der ich bin“ (hebr. Ehjeh ascher ehjeh, Ex 3,14). Dieser Name drückt aus:

  • Gottes Freiheit: Gott lässt sich nicht festlegen oder verfügbar machen.
  • Gottes Gegenwart: „Ich werde sein, der ich sein werde“ – Gott verspricht, bei seinem Volk zu sein.
  • Gottes Unergründlichkeit: Der Name entzieht sich einer endgültigen Definition.

Aus Ehrfurcht wird der Gottesname im Judentum nicht ausgesprochen, sondern durch Adonaj („Herr“) ersetzt.

Die Erschaffung Adams (Michelangelo)

Die Erschaffung Adams (Michelangelo)

Michelangelos berühmtes Fresko in der Sixtinischen Kapelle zeigt Gott als Schöpfer, der Adam zum Leben erweckt.

Gott als Schöpfer

In den Schöpfungserzählungen (Gen 1–2) erscheint Gott als der souvräne Schöpfer:

  • Gen 1 (Priesterschrift): Gott schafft durch sein Wort („Und Gott sprach…“). Die Schöpfung ist gut („Und siehe, es war sehr gut“, Gen 1,31). Der Mensch wird als Ebenbild Gottes (Imago Dei) geschaffen (Gen 1,27).
  • Gen 2 (Jahwist): Gott formt den Menschen persönlich aus Erde und haucht ihm den Lebensatem ein (Gen 2,7) – ein nahes, fürsorgliches Gottesbild.
  • Psalmen: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ (Ps 19,2). Die Schöpfung als Ausdruck der Herrlichkeit Gottes.
Gott als Befreier

Das zentrale Heilsereignis des Alten Testaments ist der Exodus – die Befreiung Israels aus Ägypten. Gott offenbart sich als der, der Unterdrückung sieht und befreiend handelt:

  • „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen … und bin herabgekommen, um es zu erretten“ (Ex 3,7–8).
  • Der Dekalog beginnt: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe“ (Ex 20,2) – Gottes Gebote basieren auf seiner befreienden Tat.
  • Die Propheten (Amos, Jesaja, Micha) fordern im Namen Gottes soziale Gerechtigkeit: „Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (Am 5,24).
Gott als Geist (Ruach)

Der Geist Gottes (hebr. Ruach, griech. Pneuma) ist eine weitere zentrale Gottesvorstellung:

  • In der Schöpfung: „Der Geist Gottes schwebte über dem Wasser“ (Gen 1,2).
  • Bei den Propheten: Der Geist Gottes befähigt Menschen zu prophetischer Rede (Jes 61,1).
  • Im Neuen Testament: Der Heilige Geist wird an Pfingsten ausgegossen (Apg 2) und wirkt in der Gemeinde.
  • Ruach ist im Hebräischen weiblich – ein Hinweis darauf, dass biblische Gottesrede über männliche Bilder hinausgeht.
Martin Luther: Der gnädige Gott

Martin Luther (1483–1546) rang mit der Frage: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Seine Erfahrung:

  • Luther erlebte Gott zunächst als strafenden Richter, vor dem er als Sünder nicht bestehen konnte.
  • Durch das Studium des Römerbriefs (Röm 1,17) entdeckte er die Gerechtigkeit Gottes als geschenkte Gerechtigkeit: Gott macht den Menschen nicht aufgrund seiner Werke gerecht, sondern allein aus Gnade (sola gratia) durch den Glauben (sola fide).
  • Luthers Turmerlebnis: Die reformatorische Erkenntnis, dass Gottes Gerechtigkeit keine strafende, sondern eine rettende Gerechtigkeit ist.
Dorothee Sölle: Gott in der Welt

Dorothee Sölle (1929–2003) kritisierte ein Gottesbild, das Gott als allmächtigen Herrscher versteht („theologischer Sadismus“). Stattdessen:

  • Gott ist nicht der allmächtige Lenker, sondern der mitleidende und ohnmächtige Gott, der auf die Mitwirkung der Menschen angewiesen ist.
  • „Stellvertretung“: Gott wirkt in der Welt durch Menschen – wir sind „Gottes Hände“.
  • Mystik und Widerstand: Sölle verbindet mystische Gotteserfahrung mit politischem Engagement für Gerechtigkeit und Frieden.
  • Kritik am theistischen Gottesbild: Gott ist kein „Oberaufseher“, sondern die Kraft der Liebe in der Welt.

Abitur-Tipp: Präge dir die vier zentralen biblischen Gottesbilder ein: JHWH (der sich offenbarende Gott), Schöpfer, Befreier, Geist. Im Abitur wird häufig ein Vergleich zwischen Luther (gnädiger Gott, Rechtfertigung) und Sölle (ohnmächtiger, mitleidender Gott) verlangt. Achte auf die Bibelstellen: Ex 3,14 (JHWH), Gen 1,27 (Imago Dei), Ex 20,2 (Befreier).