Die biblische Schöpfungsethik gründet in zwei zentralen Texten:
Beide Texte zusammen ergeben: Der Mensch ist Verwalter (Steward) der Schöpfung, nicht ihr Besitzer. Er hat die Aufgabe, sie zu nutzen (bebauen) und zugleich zu schützen (bewahren).
Aus christlicher Sicht ist die Schöpfung:
Die Klimakrise ist aus theologischer Sicht eine fundamentale ethische Herausforderung:
Die evangelische Kirche hat sich wiederholt zur ökologischen Verantwortung geäußert:
Die christliche Schöpfungstheologie steht nicht im Widerspruch zur Evolutionsbiologie. Schon Friedrich Schleiermacher hat in der Glaubenslehre (1821/22) den Schöpfungsbegriff als Ausdruck der schlechthinnigen Abhängigkeit verstanden, nicht als Aussage über den Weltentstehungsprozess: „Sich seiner selbst als schlechthin abhängig bewusst sein und sich seiner selbst als in Beziehung mit Gott bewusst sein, ist eines und dasselbe.“ (Schleiermacher, Der christliche Glaube, 1821) Die sieben Tage von Gen 1 sind theologische Strukturen, kein naturkundliches Protokoll. Damit ist der christliche Schöpfungsglaube kompatibel mit Evolution und Urknall: Gott ist nicht eine Ursache neben anderen, sondern der Grund, dass überhaupt etwas ist.
Der elsaessische Theologe und Arzt Albert Schweitzer (1875–1965) entwickelte in Kultur und Ethik (1923) die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Sein Grundsatz: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ (Schweitzer, 1923) Daraus folgt: Gut ist, Leben erhalten und fördern, böse ist, Leben zerstören oder hemmen. Schweitzers Ethik war eine frühe, biozentrische Erweiterung der christlichen Schöpfungsethik und hat die heutige Ökobewegung tief geprägt.
In der Umweltethik unterscheidet man drei Grundpositionen: Anthropozentrik (nur Menschen sind moralische Subjekte; Natur hat instrumentellen Wert – Kant), Pathozentrik (alle leidensfähigen Wesen zählen – Singer, Bentham), Biozentrik (alles Lebendige – Schweitzer, Taylor) und Physiozentrik / Holismus (das ganze Ökosystem – Aldo Leopold). Die christliche Schöpfungsethik ist nicht eindeutig einer Position zuzuordnen: Sie betont die Sonderstellung des Menschen (Imago Dei), schreibt aber zugleich der gesamten Schöpfung einen Eigenwert zu, weil Gott sie „gut“ nennt. So entsteht eine relative Anthropozentrik mit biozentrischer Verantwortung.
Abitur-Tipp: Im Abitur wird oft Gen 1,28 und Gen 2,15 gegenübergestellt. Präge dir ein: Der Herrschaftsauftrag meint nicht Ausbeutung, sondern verantwortliche Verwaltung. Beziehe aktülle Themen wie den Klimawandel ein und zeige, wie sich aus dem Schöpfungsauftrag konkrete ethische Forderungen ableiten lassen (Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Konsumverzicht). Die Enzyklika „Laudato si’“ ist ein guter ökumenischer Bezugspunkt.