Die Passionserzählung (lat. passio = Leiden) bildet den dramatischen Schluss aller vier Evangelien. Sie umfasst Jesu Einzug in Jerusalem (Palmsonntag), das letzte Abendmahl, Gethsemane, Verhaftung, Verhör vor dem Hohen Rat, Verurteilung durch Pontius Pilatus, Kreuzigung auf Golgota und Grablegung. Historisch wird die Hinrichtung Jesu auf den 14. oder 15. Nisan des Jahres 30 n. Chr. datiert. Der Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger sieht in der Passion das älteste durchgängig erzählte Stück der Jesusüberlieferung.
Die Evangelisten deuten Jesu Tod im Licht des Alten Testaments: als Erfüllung des leidenden Gottesknechts (Jes 53), des Psalm 22 („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“) und des Paschalammes (Ex 12). Mk 15,34 zitiert das Psalmwort hebräisch als Jesu letzten Schrei: „Eloi, Eloi, lema sabachthani?“
Schon Paulus deutet das Kreuz als Heilsereignis. In 1 Kor 15,3 zitiert er ein vorpaulinisches Bekenntnis aus den 30er Jahren: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäss den Schriften.“ Vier klassische Deutungen haben sich entwickelt:
1. Stellvertretung (Anselm von Canterbury, Cur Deus homo, 1098): Christus leistet als Gottmensch Genugtuung (satisfactio) für die Sünde der Menschheit.
2. Liebes-Modell (Petrus Abaelard, 1079–1142): Das Kreuz offenbart die unendliche Liebe Gottes und bewegt zur Umkehr.
3. Sieg über die Mächte (Christus Victor): Am Kreuz besiegt Christus Tod und Teufel (Kol 2,15).
4. Solidarität (Jürgen Moltmann, Der gekreuzigte Gott, 1972): Gott solidarisiert sich am Kreuz mit allen Leidenden.
Die Auferstehung Jesu (griech. anastasis, lat. resurrectio) am dritten Tag (Ostersonntag) ist nach Paulus das Fundament des christlichen Glaubens. 1 Kor 15,14: „Ist Christus aber nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“ Das älteste Auferstehungszeugnis steht ebenfalls in 1 Kor 15,3–8 (um 35 n. Chr.): Christus erschien Kephas, den Zwölf, über 500 Brüdern, Jakobus, allen Aposteln und zuletzt Paulus.
Die Evangelien erzählen vom leeren Grab (Mk 16; Mt 28; Lk 24; Joh 20) und von Erscheinungen (Maria von Magdala, Emmausjünger, Thomas). Die Auferstehung ist nach katholischer Lehre keine Rückkehr in dieses Leben (wie bei Lazarus), sondern Eintritt in eine neue, verklärte Existenz. Der Katechismus (KKK 645) spricht vom „verklärten Leib“.
Rudolf Bultmann (1941) deutete die Auferstehung als „Aufgang des Osterglaubens in den Jüngern“ – ein subjektives Geschehen. Dagegen beharrt die katholische Theologie auf der objektiven Realität des Geschehens.
Karl Rahner (1976, Grundkurs des Glaubens): Auferstehung ist die endgültige „Annahme der menschlichen Existenz Jesu durch Gott“. Sie ist nicht historisch im üblichen Sinn, aber real.
Wolfhart Pannenberg (1928–2014, Grundzüge der Christologie, 1964) versuchte den historischen Nachweis: Das leere Grab und die Erscheinungen seien die einzige Erklärung für das Entstehen der Kirche.
Joseph Ratzinger (Jesus von Nazareth, Bd. 2, 2011): Auferstehung sei ein „evolutiver Sprung“, der Beginn einer neuen Schöpfungsdimension. Lateinisch: „mutationis genus“ – eine Art Verwandlung.
Fehler 1: Auferstehung mit Wiederbelebung verwechseln. Lazarus wurde wiederbelebt und starb wieder – Christus ist verklärt und stirbt nie mehr (Röm 6,9).
Fehler 2: Das Kreuz nur als „Strafe“ verstehen. Anselms satisfactio-Lehre wurde oft missverstanden – sie meint nicht einen zürnenden Vater, sondern einen Sohn, der die Ehre Gottes wiederherstellt.
Fehler 3: 1 Kor 15 unterschlagen. Das ist das älteste Zeugnis (um 35 n. Chr.) und sollte in jeder Klausur erwähnt werden.
Zusammenfassung:
• Passion: Verhaftung, Pilatus, Golgota, Karfreitag um 30 n. Chr.
• Mk 15,34: „Eloi, Eloi, lema sabachthani?“
• 1 Kor 15,3 (35 n. Chr.): ältestes Christusbekenntnis
• Deutungen: Anselm (satisfactio), Abaelard (Liebe), Moltmann (Solidarität)
• Auferstehung: leeres Grab + Erscheinungen
• Bultmann vs. Rahner/Pannenberg/Ratzinger
Abitur-Tipp: Lerne 1 Kor 15,3–5 als Kernzitat. Wenn du Anselms Cur Deus homo (1098) nennst und mit Moltmanns Der gekreuzigte Gott (1972) kontrastierst, hast du eine perfekte Klausurargumentation. Rahners These „real, aber nicht historisch im üblichen Sinn“ ist eine elegante Gegenposition zu Bultmann.