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Der Gott Israels

Der Name Gottes: JHWH

Der Gott Israels offenbart sich Mose am brennenden Dornbusch (Ex 3,14) mit dem geheimnisvollen Namen „Ich bin der Ich-bin“ (hebr. ehjeh ascher ehjeh). Die Konsonantenfolge JHWH (das sogenannte Tetragramm) wird im Judentum aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen, sondern durch Adonaj („Herr“) ersetzt. Die Septuaginta übersetzt mit kýrios, der lateinische Vulgata-Text mit Dominus. Die katholische Kirche hat 2008 (Liturgiekongregation) angeordnet, in liturgischen Übersetzungen das Tetragramm nicht auszuschreiben.

Der Name JHWH ist nicht ein Etikett, sondern eine Verheissung: Gott ist der, der mit den Seinen geht, der sich als gegenwärtig erweist. Er ist nicht der bewegungslose Gott der griechischen Philosophie, sondern der Bundesgott Israels.

Schma Israel und Monotheismus

Das Kernbekenntnis Israels steht in Dtn 6,4f: „Schma Israel: JHWH eloheinu, JHWH echad – Höre Israel: Der Herr unser Gott, der Herr ist einzig.“ Dieser Vers wird im Judentum täglich gebetet. Er formuliert den strengen Monotheismus: Es gibt nur einen Gott, und dieser Eine ist der Gott Israels.

Jesus zitiert das Schma Israel als das wichtigste Gebot (Mk 12,29) und verbindet es mit der Nächstenliebe (Lev 19,18). Die katholische Kirche bekennt sich nach Nostra Aetate (1965) ausdrücklich zur Verbundenheit mit dem jüdischen Volk: „Die Kirche kann nicht vergessen, dass sie über jenes Volk die Offenbarung des Alten Bundes empfangen hat“ (NA 4).

Exodus und Bund

Der Gott Israels offenbart sich vor allem in der Befreiungstat des Exodus aus Ägypten (ca. 13. Jh. v. Chr.). Ex 20,2: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“ Diese Befreiung ist die Grundgeschichte Israels und der Schlüssel zum Verständnis Gottes: Er ist der Gott, der die Versklavten herausholt und einen Bund mit ihnen schließt.

Am Sinai (Ex 19–24) schließt Gott den Bund (hebr. berit) mit Israel. Israel wird zu Gottes „heiligem Volk“ (Ex 19,6). Dieser Bund wird in der Geschichte mehrfach erneuert: mit Noach, Abraham, David. Das Christentum versteht sich als Erbe des Bundes – aber das II. Vatikanum (NA 4) betont, dass der Bund mit Israel nicht aufgekündigt wurde.

Theologen zum Gott Israels

Walther Eichrodt (1890–1978), Theologie des Alten Testaments (1933–1939), sieht den Bundesbegriff als Schlüssel des AT.

Gerhard von Rad (1901–1971), Theologie des Alten Testaments (1957–1960), betont das geschichtliche Handeln Gottes als Mitte der atl. Theologie.

Norbert Lohfink (geb. 1928, kath. Alttestamentler) hat die bleibende Bedeutung des Bundes mit Israel betont und das katholisch-jüdische Gespräch nach 1965 mitgeprägt.

Joseph Ratzinger hat in Die Vielfalt der Religionen und der Eine Bund (1998) klargestellt: Der Bund Gottes mit Israel ist „niemals widerrufen worden“. Das ist auch Aussage von Johannes Paul II. (Mainz 1980).

Eigenschaften des Gottes Israels

Das AT charakterisiert Gott als heilig (Lev 19,2), treu (chesed we'emet), barmherzig (rachum) und gerecht (tzedek). Ex 34,6f formuliert die berühmte „Gnadenformel“: „JHWH, JHWH, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue.“ Dieser Vers ist eine der zentralsten Selbstoffenbarungen Gottes und wird im AT mehrfach zitiert (Ps 86,15; Ps 103,8; Joel 2,13).

Häufige Fehler

Fehler 1: Das Tetragramm aussprechen („Jahwe“). Im Judentum wie heute auch in der katholischen Liturgie unzulässig.

Fehler 2: AT-Gott als „zürnenden“ und NT-Gott als „liebenden“ Gott darstellen. Das ist Marcionismus – im 2. Jh. von der Kirche verurteilt.

Fehler 3: Das „niemals aufgekündigt“ vom Bund mit Israel (NA 4) übergehen.

Zusammenfassung:

• Ex 3,14: ehjeh ascher ehjeh; Tetragramm JHWH
• Dtn 6,4: Schma Israel
• Exodus + Sinai: Befreiung und Bund (berit)
• Ex 34,6: Gnadenformel
• Eichrodt, von Rad, Lohfink, Ratzinger
Nostra Aetate 4 (1965): Bund nicht aufgekündigt

Abitur-Tipp: Schma Israel (Dtn 6,4) und die Gnadenformel (Ex 34,6) sind Klassiker. Wenn du Nostra Aetate 4 zitierst und Marcionismus als Fehler benennst, zeigst du historisches Bewusstsein. Eichrodts Bundesbegriff ist die wissenschaftlich saubere Klammer.