Das periphere Nervensystem übermittelt Informationen zwischen Körper und Zentralnervensystem (ZNS). Je nach Richtung des Signals unterscheidet man sensorische (afferente) und motorische (efferente) Nervenfasern. Beide arbeiten zusammen in Reflexbogen und komplexen Bewegungsabläufen.
Sensorische Nerven leiten Erregungen von Sinneszellen oder Rezeptoren in der Peripherie zum ZNS. Ihre Zellkörper liegen in Spinalganglien (Rückenmark) bzw. in den Hirnnervenganglien. Beispiele: Photorezeptoren der Retina → Sehnerv, Mechanorezeptoren der Haut → sensorischer Spinalnerv. Funktional unterscheidet man:
• Exterozeption: Reize aus der Umwelt (Sehen, Hören, Tasten).
• Propriozeption: Stellung und Spannung des eigenen Körpers (Muskelspindel, Sehnenorgan).
• Interozeption: innere Organe (z. B. Blutdruck, Dehnung des Magens).
Motorische Nerven leiten Befehle vom ZNS zu Effektoren (Muskeln, Drüsen). Ihre Zellkörper liegen im Vorderhorn des Rückenmarks. Endigungen erreichen die Muskelfaser an der motorischen Endplatte, einer spezialisierten cholinergen Synapse. Acetylcholin löst über nikotinische Rezeptoren ein Endplattenpotential aus, das die Muskelkontraktion startet.
Beim einfachen monosynaptischen Reflex (Patellarsehnenreflex):
1. Dehnung der Muskelspindel → sensorisches Neuron feuert.
2. Erregung gelangt über das Spinalganglion ins Rückenmark.
3. Direkte Synapse auf das α-Motoneuron im Vorderhorn.
4. Motoneuron erregt den Quadrizeps → Streckung.
Der Reflex läuft ohne Beteiligung des Gehirns ab und ist daher sehr schnell (ca. 30 ms).
Sensorische Fasern treten über die Hinterwurzel ins Rückenmark ein, motorische Fasern verlassen es über die Vorderwurzel (Bell-Magendie-Regel). Vor der Vereinigung zu einem gemischten Spinalnerv sind die beiden Faserarten getrennt.
Schädigungen der sensorischen Wurzel führen zu Gefühlsstörungen, während Schädigungen der motorischen Wurzel zu schlaffen Lähmungen führen. Bei der Polyneuropathie (z. B. bei Diabetes) sind oft beide Fasertypen betroffen.
Sensorisch ist nicht gleich sensorisch wahrnehmbar – auch unbewusste Signale (Blutdruck) sind sensorisch. Motorische Endplatten unterscheiden sich von zentralen Synapsen durch ihre Größe und ihre stets erregende Wirkung.
Zusammenfassung: Sensorische Nerven leiten Reize zum ZNS (afferent), motorische Nerven Befehle zum Effektor (efferent). Sensorische Fasern treten über die Hinterwurzel ein, motorische verlassen das Rückenmark über die Vorderwurzel.
Abitur-Tipp: Beim Reflexbogen immer Rezeptor → afferent → ZNS → efferent → Effektor durchgehen. Patellarsehnenreflex als Standardbeispiel parat haben.