Modelle der Ethik
Gewissen, Schuld und Vergebung
Das Gewissen ist in der katholischen Tradition die innerste Instanz sittlicher Erkenntnis. Das Zweite Vatikanische Konzil (Gaudium et spes, Nr. 16) definiert: Das Gewissen ist „die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in seinem Innersten zu hören ist“.
- Gewissensbildung: Das Gewissen ist nicht unfehlbar. Es muss gebildet werden durch Vernunft, Erfahrung und den Dialog mit der kirchlichen Lehre.
- Schuld: Wer gegen sein Gewissen handelt, wird schuldig. Schuld trennt den Menschen von Gott und von anderen.
- Vergebung: Im Sakrament der Bussse/Versöhnung erfährt der Mensch die bedingungslose Vergebung Gottes. Vorbild: Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn (Lk 15,11-32).
Eudaimonismus (Aristoteles)
Aristoteles (384-322 v.Chr.) begründete den Eudaimonismus (griech. eudaimonia = Glückseligkeit):
- Ziel allen Handelns: Die Glückseligkeit (eudaimonia) ist das höchste Gut.
- Glück ist nicht Lust (hedone), sondern die Verwirklichung der spezifisch menschlichen Fähigkeiten – vor allem der Vernunft.
- Tugend (arete) ist die Mitte zwischen zwei Extremen (mesotes-Lehre): z.B. Tapferkeit als Mitte zwischen Feigheit und Tollkühnheit.
- Das glückliche Leben gelingt in der Gemeinschaft (Polis). Der Mensch ist ein zoon politikon.
Utilitarismus
Der Utilitarismus (lat. utilitas = Nutzen) beurteilt Handlungen nach ihren Folgen:
- Jeremy Bentham (1748-1832): Eine Handlung ist moralisch gut, wenn sie das grösstmögliche Glück für die grösstmögliche Zahl bewirkt (greatest happiness principle).
- John Stuart Mill (1806-1873): Mill unterscheidet höhere und niedere Freuden – geistige Freuden sind wertvoller als körperliche.
- Kritik: Der Utilitarismus kann Minderheiten opfern, wenn es der Mehrheit nützt. Er kennt keine unantastbaren Rechte.
Kants Pflichtethik
Immanuel Kant (1724-1804) begründete eine deontologische Ethik (Pflichtethik):
- Kategorischer Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
- Menschheitsformel: „Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloss als Mittel brauchst.“
- Guter Wille: Nur der gute Wille ist ohne Einschränkung gut. Moralisch gut handelt, wer aus Pflicht handelt – nicht aus Neigung.
- Autonomie: Der Mensch gibt sich selbst das moralische Gesetz – er ist frei und selbstgesetzgebend.
Abitur-Tipp: Im Abitur werden die Modelle oft verglichen. Achte auf: Eudaimonismus = Zielethik (Glück), Utilitarismus = Folgenethik (Nutzen), Kant = Pflichtethik (kategorischer Imperativ). Zeige Stärken und Schwächen jedes Modells.