Bibliothek

Fach wählen

Themen

La mondialisation culturelle

Definition

Die mondialisation culturelle bezeichnet die weltweite Verbreitung kultureller Güter, Bilder, Musik, Filme und Ideen. Im Unterschied zur wirtschaftlichen Mondialisierung geht es nicht primär um Waren, sondern um Symbolik, Identität und Lebensstile. Die Frage für das Abitur lautet: Führt die Mondialisierung zu kultureller Vereinheitlichung (uniformisation) oder zu wachsender Vielfalt (diversité)?

In der französischen Diskussion taucht immer wieder der Begriff der américanisation auf: die Sorge, dass Hollywood, McDonald’s, Coca-Cola und Silicon-Valley-Plattformen die französische Kultur erdrücken könnten. Frankreich hat darauf mit der Doktrin der exception culturelle reagiert.

L’exception culturelle française

Die exception culturelle wurde 1993 im Rahmen der GATT-Verhandlungen (Vorläufer der OMC) durchgesetzt. Sie besagt, dass kulturelle Güter (Filme, Bücher, Musik) nicht wie gewöhnliche Waren behandelt werden dürfen, sondern besonderen Schutz- und Förderregeln unterliegen. Konkret bedeutet das: Quoten für französische und europäische Filme im Kino und Fernsehen, Subventionen für das nationale Kino über das CNC (Centre national du cinéma), festgesetzte Buchpreise (loi Lang 1981), Förderung der französischen Sprache über die loi Toubon (1994).

Dank dieser Politik ist Frankreich heute eines der wenigen Länder der Welt, in denen lokale Filme regelmäßig die Kämmernisse der amerikanischen Blockbuster überleben. Filme wie Intouchables, Les Misérables, Anatomie d’une chute beweisen die Vitalität.

Soft power und französische Kultur weltweit

Frankreich versteht sich als Kulturmacht. Die francophonie (220 Millionen Sprecher weltweit) ist ein zentraler Pfeiler dieser soft power. Hinzu kommen das Netz der Alliances françaises und Instituts français, das Festival von Cannes, die Pariser Modewochen, die Präsenz französischer Verlage in Afrika und Asien.

Gleichzeitig profitiert Frankreich auch von der Mondialisierung: Korean Pop, lateinamerikanische Literatur, japanisches Manga und afrikanische Musik sind in französischen Städten omnipräsent. Die Pariser Banlieues sind kulturelle Schmelzräume.

Originalzitate

Aus der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt (2005), an der Frankreich aktiv mitwirkte:
«La diversité culturelle constitue un patrimoine commun de l’humanité.»
(„Die kulturelle Vielfalt bildet ein gemeinsames Erbe der Menschheit.“)

Aus einer Rede von Jack Lang, Kulturminister 1981–1986 und 1988–1993:
«La culture n’est pas une marchandise comme les autres.»
(„Die Kultur ist keine Ware wie jede andere.“)

Bei Faye wird die kulturelle Hybridität persönlich erlebbar:

«Nous écoutions du zïk congolais, de la rumba, du rap français et des cassettes du pays.» (Faye 2016)
(„Wir hörten kongolesische Musik, Rumba, französischen Rap und Kassetten aus dem Land.“)

Vokabular und Stolperfallen

la mondialisation culturelle · l’uniformisation (Vereinheitlichung) · la diversité culturelle · l’exception culturelle · le soft power · l’américanisation · le métissage culturel · les industries culturelles · le patrimoine · le rayonnement (Ausstrahlung) · les quotas · la francophonie · les plateformes (Netflix, Disney+) · le streaming · la traduction

Stolperfallen: 1) Die exception culturelle nicht datieren (1993). 2) Verwechslung von uniformisation und universalisation. 3) Die französische Kultur als „reine“ Tradition vorstellen, statt ihre eigenen Hybriditäten zu zeigen.

Konkrete Beispiele und Daten

Konkrete Daten für die Klausur: Frankreich produziert pro Jahr etwa 300 Spielfilme, mehr als jedes andere europäische Land. Der französische Marktanteil im eigenen Kino liegt bei rund 35%, während in Deutschland deutsche Filme nur etwa 25% des Marktes erreichen. Die loi Lang von 1981 garantiert einheitliche Buchpreise und schützt unabhängige Buchhandlungen – in Frankreich gibt es bis heute über 3.000 unabhängige Buchläden. Kulturelle Schwergewichte aus der Francophonie: Maryse Condé (Guadeloupe), Tahar Ben Jelloun (Marokko), Alain Mabanckou (Kongo), Leïla Slimani (Marokko, Goncourt 2016). Diese Vielfalt zeigt, dass die französische Kultur selbst hybrid ist und die Entgegensetzung „französisch vs. global“ nicht trennscharf funktioniert.

Zusammenfassung:

• Spannung zwischen Uniformisierung und kultureller Vielfalt
• Frankreich: exception culturelle (1993), loi Lang, loi Toubon
• Soft power durch Francophonie, Cannes, Mode, Verlagswesen
• Faye zeigt kulturelles métissage als Lebensrealität
• UNESCO-Konvention 2005 zur kulturellen Vielfalt

Abitur-Tipp: Argumentiere mit der Doppelthese „Vereinheitlichung UND Vielfalt“. Das Jack-Lang-Zitat „La culture n’est pas une marchandise comme les autres“ ist klausurrelevant. Das Faye-Zitat zur kulturellen Mischung passt perfekt zum Konzept des métissage.