Bolivien – Gesellschaft und Kultur (Bolivia: sociedad y cultura)
Ethnische Vielfalt und Identität
Bolivien ist eines der ethnisch vielfältigsten Länder Lateinamerikas:
- Ca. 60–65 % der Bevölkerung identifizieren sich als indigenas (Quechua, Aymara, Guaraní u.a.)
- Ca. 30 % sind mestizos (gemischter Abstammung)
- Geringe Minderheiten: Weiße (blancos), Afrobolivianer (afrobolivianos)
- Die Verfassung von 2009 erkennt 36 indigene Nationen und ihre Sprachen offiziell an
Vocabulario:
- la diversidad étnica – die ethnische Vielfalt
- la identidad cultural – die kulturelle Identität
- el mestizaje – die Vermischung
- la cosmovisión – die Weltsicht/Weltanschauung
Soziale Herausforderungen
Trotz Fortschritten unter Morales bleibt Bolivien eines der ärmsten Länder Südamerikas:
- Armut: Ca. 35 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, auf dem Land deutlich mehr.
- Bildung: Zwar wurde die Analphabetenrate stark gesenkt (von 14 % auf unter 3 %), aber die Qualität des Bildungssystems ist v.a. im ländlichen Raum mangelhaft.
- Gesundheitsversorgung: Unzureichend, besonders in abgelegenen Regionen. Hohe Kinder- und Müttersterblichkeit.
- Land-Stadt-Gefälle (brecha urbano-rural): Die Städte (La Paz, Santa Cruz, Cochabamba) sind deutlich besser versorgt als ländliche Gebiete.
- Diskriminierung: Indigene Bevölkerung wird trotz gesetzlicher Gleichstellung oft diskriminiert (discriminación).
Kultur und Traditionen
Wichtige kulturelle Aspekte:
- Pachamama: Die „Mutter Erde“ (la Madre Tierra) ist ein zentrales Konzept der andinen Weltsicht. Bolivien hat 2010 ein Gesetz der Rechte der Mutter Erde (Ley de Derechos de la Madre Tierra) verabschiedet.
- Vivir bien / Sumak Kawsay: Indigenes Konzept des „guten Lebens“ als Alternative zum westlichen Wachstumsmodell. In der Verfassung verankert.
- Karneval von Oruro: UNESCO-Weltkulturerbe. Verbindung indigener und christlicher Traditionen (sincretismo).
- Koka (coca): Die Kokablatter haben in der andinen Kultur eine jahrtausendealte Tradition (gegen Höhenkrankheit, ritülle Bedeutung). Der „Krieg gegen Drogen“ (guerra contra las drogas) der USA kollidiert mit dieser Tradition.
- Cholitas: Indigene Frauen in traditioneller Kleidung (Bowlerhut, pollera-Rock) – ehemals diskriminiert, heute Symbol für indigenes Selbstbewusstsein.
Der Wasserkrieg von Cochabamba (2000)
Der Wasserkrieg (Guerra del Agua) von Cochabamba ist ein Schlüsselereignis und wird im Film „También la lluvia“ thematisiert:
- Hintergrund: Die Wasserversorgung von Cochabamba wurde an den US-Konzern Bechtel privatisiert. Die Preise stiegen um bis zu 200 %.
- Protest: Massive Volksproteste (protestas populares) führten zum Ausnahmezustand.
- Ergebnis: Bechtel zog sich zurück, die Wasserversorgung wurde wieder verstaatlicht.
- Bedeutung: Symbol für den Widerstand gegen Neoliberalismus und Privatisierung öffentlicher Güter in Lateinamerika. Brachte Evo Morales' Bewegung MAS national in den Fokus.
Abitur-Tipp: Der Wasserkrieg von Cochabamba ist ein perfektes Verknüpfungsthema: Kolonialgeschichte (Ausbeutung) → Neoliberalismus (Privatisierung) → indigener Widerstand → „También la lluvia“. Nutze die Begriffe privatización, resistencia, neoliberalismo.