Architektur der Renaissance
Dom von Florenz – Santa Maria del Fiore
Filippo Brunelleschis Kuppel (1420–1436) gilt als Geburtsstunde der Renaissance-Architektur. Die doppelschalige Konstruktion übertraf alle antiken Vorbilder und setzte neue Maßstäbe für Proportion und Ingenieurskunst.
Grundlagen der Renaissance-Architektur
Die Renaissance (ital. rinascita = Wiedergeburt, ca. 1420–1600) markiert in der Architekturgeschichte die Wiederentdeckung und Neuinterpretation antiker Bauformen. Ausgehend von Florenz verbreitete sich die Renaissance-Architektur über ganz Europa.
Ideale und Prinzipien:
- Harmonie und Proportion: Mathematische Verhältnisse bestimmen den Bau. Der Mensch als Mass aller Dinge (Vitruv'scher Mensch, Leonardo da Vinci).
- Symmetrie: Achsensymmetrische Fassaden und Grundrisse.
- Ordnung und Klarheit: Klare geometrische Formen (Kreis, Quadrat, Rechteck), übersichtliche Raumgliederung.
- Antikenbezug: Rückgriff auf die römische Architektur (Vitruv, „De architectura“) und die griechischen Saeulenordnungen.
Die Saeulenordnungen
Die fünf Saeulenordnungen bilden das zentrale Vokabular der Renaissance-Architektur:
- Dorische Ordnung: Schlicht, ohne Basis, Kapitell mit einfachem Echinus und Abakus. Wirkt männlich, streng, kräftig.
- Ionische Ordnung: Eleganter, mit Basis und Volutenkapitell. Wirkt weiblich, anmutig.
- Korinthische Ordnung: Reichstes Kapitell mit Akanthusblatt-Dekor. Wirkt prachtvoll, repräsentativ.
- Toskanische Ordnung: Vereinfachte dorische Ordnung mit Basis. Wirkt rustikal, kraftvoll.
- Komposite Ordnung: Kombination aus ionischen Voluten und korinthischem Akanthus. Wirkt imperial, ueppig.
In der Renaissance werden die Ordnungen oft übereinander gestaffelt (Kolossalordnung oder Superposition): unten dorisch/toskanisch, Mitte ionisch, oben korinthisch.
Zentrale Bauwerke und Architekten
Filippo Brunelleschi (1377–1446): Begründer der Renaissance-Architektur.
- Domkuppel von Florenz (1420–36): Doppelschalige Kuppel ohne Lehrgeruest – eine technische und ästhetische Meisterleistung.
- Ospedale degli Innocenti (1419): Arkadenreihe mit korinthischen Saeulen, klare Proportionen, Rundbogenarkaden – das erste Renaissance-Bauwerk.
Leon Battista Alberti (1404–1472): Theoretiker und Baumeister.
- „De re aedificatoria“ (1452): Die erste Architekturtheorie der Renaissance, basierend auf Vitruv.
- Palazzo Rucellai, Florenz: Pilastergliederung der Fassade nach den drei Saeulenordnungen.
Andrea Palladio (1508–1580): Spätrenaissance/Palladianismus.
- Villa Rotonda (1567): Idealer Zentralbau – quadratischer Grundriss, vier identische Tempelportiken, Kuppel. Wird zum Vorbild für Herrschaftsarchitektur in ganz Europa und Nordamerika.
Architekturanalyse: Renaissance-Bauten
Die Analyse eines Renaissance-Baus umfasst:
- Grundriss: Symmetrie, Achsen, Raumfolge, Zentralbau oder Langhausbau.
- Aufriss: Fassadengliederung, Geschossteilung, Saeulenordnung, Gesimse.
- Proportion: Verhältnisse der Bauteile zueinander, Modulor-Prinzip.
- Funktion: Praktische Nutzung, repräsentative Wirkung, symbolische Bedeutung.
- Bauplastik und Ornamentik: Dekorative Elemente und ihre Bedeutung.
Abitur-Tipp: Kenne die fünf Saeulenordnungen und ihre Merkmale – sie werden häufig als Zuordnungsaufgabe gestellt. Bei der Analyse eines Renaissance-Baus achte auf: Symmetrie, Proportion, Saeulenordnung, Bezug zur Antike. Vergleiche Renaissance-Architektur mit Moderne: Die Renaissance betont Ornament, Symmetrie und historische Zitate; die Moderne lehnt genau dies ab.