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Architektur der Moderne

Bauhaus-Gebäude Dessau, Walter Gropius, 1925-26

Bauhaus Dessau – Walter Gropius (1925/26)

Das Bauhaus-Gebäude in Dessau verkörpert die Prinzipien der modernen Architektur: Glasvorhangfassade, Flachdach, asymmetrische Komposition und die Einheit von Form und Funktion.

Grundprinzipien der Modernen Architektur

Die Moderne Architektur (auch: Neues Bauen, Internationaler Stil, ca. 1920–1970) bricht radikal mit den historistischen und ornamentalen Traditionen des 19. Jahrhunderts. Ihr Leitsatz lautet: „Form follows function“ (Louis Sullivan, 1896).

Kernprinzipien:

  • Funktionalismus: Die Form eines Gebaeudes ergibt sich aus seiner Funktion, nicht aus dekorativen Vorgaben.
  • Reduktion: Verzicht auf Ornament („Ornament und Verbrechen“, Adolf Loos, 1908). Klare, einfache Formen.
  • Neue Materialien: Stahlbeton, Stahl, Glas ermöglichen völlig neue Konstruktionen (freie Grundrisse, Skelettbau, große Glasflaechen).
  • Licht und Raum: Offene, fliessende Räume statt abgeschlossener Zimmer. Große Fensterflaechen, Dachterrassen.
  • Soziale Verantwortung: Architektur soll das Leben der Menschen verbessern – Wohnungsbau für breite Bevölkerungsschichten.
Le Corbusiers fünf Punkte

Le Corbusier (1887–1965) formulierte 1927 seine „Fünf Punkte einer neuen Architektur“, die zum Manifest der Moderne wurden:

  1. Pilotis (Stützen): Das Gebaeude steht auf Saeulen, der Erdboden bleibt frei – Durchlässigkeit, Gartenflaeche unter dem Haus.
  2. Freier Grundriss: Innere Wände sind nicht tragend und können frei angeordnet werden.
  3. Freie Fassade: Die Fassade ist nicht tragend und kann frei gestaltet werden (Fensterband, Glasflaechen).
  4. Langfenster (Fensterband): Horizontale Fensterstreifen bringen gleichmäßiges Licht und betonen die Horizontale.
  5. Dachgarten: Das Flachdach wird als Nutzflaeche zurückgewonnen.

Realisiert in der Villa Savoye (1929–31, Poissy bei Paris) – dem Ikone der modernen Architektur.

Bauhaus

Das Bauhaus (1919–1933, Weimar/Dessau/Berlin) war die einflussreichste Kunstschule des 20. Jahrhunderts:

  • Gründer: Walter Gropius. Idee der Einheit von Kunst, Handwerk und Technik.
  • Bauhaus-Gebaeude Dessau (Walter Gropius, 1925/26): Glasbandsfassade, asymmetrische Komposition, Stahlbetonkonstruktion, funktionale Raumgliederung – ein Manifest in gebauter Form.
  • Einfluss auf die Architektur: Funktionale Gestaltung, industrielle Fertigungsmethoden, Modulbauweise, Typung und Normung.
Mies van der Rohe

Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969) prägte den Leitsatz „Less is more“:

  • Barcelona-Pavillon (1929): Fliessender Raum, edle Materialien (Travertin, Onyx, Chrom), transparente und reflektierende Flaechen. Paradigma des fliessenden Raums.
  • Farnsworth House (1951): Maximale Reduktion – ein verglaster Stahlrahmen in der Landschaft. Die Grenze zwischen Innen und Aussen löst sich auf.
  • Seagram Building, New York (1958): Hochhaustypus mit vorgehängter Glasfassade und bronzefarbenen Stahlträgern. Prototyp des modernen Bueorochhauses.
Architekturanalyse: Moderne Bauten

Bei der Analyse moderner Architektur sind folgende Aspekte zu beachten:

  • Grundriss: Offener, fliessender Grundriss vs. konventionelle Raumaufteilung. Wie ist die Erschließung (Zugang, Wegeführung)?
  • Konstruktion: Skelettbau, Stahlbeton, Stützenkonstruktion. Welche technischen Innovationen ermöglichen die Form?
  • Fassade: Fensterflaechen, Verhältnis geschlossen/offen, Materialien, Tektonik.
  • Funktion: Praktische, ästhetische und symbolische Funktion des Gebaeudes.
  • Raumerfahrung: Wie erlebt der Mensch den Raum? Welche Atmosphaere entsteht?

Abitur-Tipp: Le Corbusiers fünf Punkte sind Pflichtswissen. Lerne sie auswendig und könnet sie an Beispielen illustrieren. Bei der Architekturanalyse nutze die Kategorien Grundriss, Aufriss, Konstruktion, Material, Funktion. Vergleiche Moderne und Renaissance: Moderne = Reduktion, Funktion, neue Materialien; Renaissance = Ornament, Proportion, Antikenbezug.