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Geldpolitik der EZB

Die EZB: Aufbau und Auftrag

Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Zentralbank der Eurozone (20 Länder, Stand 2024). Sie bildet zusammen mit den nationalen Zentralbanken das Europäische System der Zentralbanken (ESZB).

Primäres Ziel: Preisstabilität – definiert als Inflationsrate nahe 2 % mittelfristig (symmetrisches Inflationsziel seit 2021).

Sekundäre Ziele: Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik der EU, sofern das Primärziel nicht gefährdet wird.

Unabhängigkeit:

  • Institutionelle Unabhängigkeit: Keine Weisungen von Regierungen oder EU-Organen
  • Personelle Unabhängigkeit: Direktoriumsmitglieder auf 8 Jahre ernannt, nicht wiederwählbar
  • Finanzielle Unabhängigkeit: Eigener Haushalt

EZB-Rat: Oberstes Beschlussgremium, bestehend aus den 6 Direktoriumsmitgliedern und den 20 Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Eurozone.

Konventionelle geldpolitische Instrumente

Die EZB steuert die Geldmenge und die Zinsen im Euroraum durch folgende Instrumente:

1. Leitzinsen (Hauptrefinanzierungssatz):

  • Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB kurzfristig Geld leihen können
  • Senkung: Kredite werden billiger → mehr Investitionen und Konsum → Wirtschaft wächst
  • Erhöhung: Kredite werden teurer → weniger Investitionen → Inflationsbekämpfung

2. Offenmarktgeschäfte:

  • EZB kauft oder verkauft Wertpapiere am offenen Markt
  • Kauf: Geld fließt in den Markt → expansive Geldpolitik
  • Verkauf: Geld wird dem Markt entzogen → restriktive Geldpolitik

3. Mindestreserve:

  • Banken müssen einen Mindestprozentsatz ihrer Einlagen bei der Zentralbank hinterlegen
  • Erhöhung: Banken können weniger Kredite vergeben → restriktiv
  • Senkung: Banken können mehr Kredite vergeben → expansiv
Expansive vs. restriktive Geldpolitik

Expansive Geldpolitik (bei Rezession/Deflationsgefahr):

  • Ziel: Wirtschaft ankurbeln, Deflation verhindern
  • Maßnahmen: Leitzins senken, Wertpapiere kaufen, Mindestreserve senken
  • Wirkung: Mehr Geld im Umlauf → günstigere Kredite → mehr Investitionen und Konsum

Restriktive Geldpolitik (bei Überhitzung/Inflation):

  • Ziel: Inflation bekämpfen, Überhitzung verhindern
  • Maßnahmen: Leitzins erhöhen, Wertpapiere verkaufen, Mindestreserve erhöhen
  • Wirkung: Weniger Geld im Umlauf → teurere Kredite → weniger Investitionen und Konsum

Transmissionsmechanismus: Leitzinsänderung → Geldmarktzinsen → Bankzinsen für Kredite und Einlagen → Investitions- und Konsumentscheidungen → Gesamtwirtschaftliche Nachfrage → Preisniveau.

Unkonventionelle Maßnahmen: Quantitative Easing

Als die konventionellen Instrumente ausgeschöpft waren (Leitzins nahe 0 %), griff die EZB zu unkonventionellen Maßnahmen:

Quantitative Easing (QE) / Quantitative Lockerung:

  • Massiver Ankauf von Staatsanleihen und Unternehmensanleihen
  • EZB-Anleihekaufprogramm (APP) ab 2015: Kaufvolumen von über 2,5 Billionen Euro
  • Pandemie-Notfallkaufprogramm (PEPP) ab 2020: zusätzlich 1,85 Billionen Euro
  • Ziel: Langfristzinsen senken, Kreditvergabe ankurbeln, Deflation verhindern

Negativzinsen: Ab 2014 verlangte die EZB Strafzinsen auf Einlagen der Banken bei der EZB (bis -0,5 %), um Banken zur Kreditvergabe zu bewegen.

Kritik an QE: Förderung von Vermögenspreisblasen (Immobilien, Aktien), Benachteiligung von Sparern, Risiko der Staatsfinanzierung durch die Notenbank („monetäre Staatsfinanzierung“, Art. 123 AEUV verbietet dies eigentlich).

Abitur-Tipp: EZB und Geldpolitik

Abitur-Tipp: Erstelle eine Tabelle mit den drei Instrumenten (Leitzins, Offenmarktgeschäfte, Mindestreserve) und zeige für jedes die expansive und restriktive Variante. Zeichne den Transmissionsmechanismus als Wirkungskette. Im Abitur wird häufig gefragt: „Erläutern Sie, wie die EZB auf steigende Inflation reagieren würde.“ Nenne immer: Preisstabilität als Primärziel, Unabhängigkeit und die konkreten Instrumente.