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Einkommensverteilung und Gini-Koeffizient

Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland

In Deutschland zeigt sich eine deutliche Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen:

Einkommensverteilung:

  • Die oberen 10 % verdienen ca. 24 % des Gesamteinkommens
  • Die unteren 50 % verdienen zusammen ca. 17 %
  • Der Gini-Koeffizient für Einkommen (nach Steuern und Transfers) liegt bei ca. 0,29 – moderater als in den USA (0,39), aber höher als in Skandinavien (ca. 0,25)

Vermögensverteilung (noch ungleicher als Einkommen):

  • Die reichsten 10 % besitzen ca. 60 % des gesamten Nettovermögens
  • Die untere Hälfte besitzt nahezu nichts (ca. 1,3 %)
  • Gini-Koeffizient für Vermögen: ca. 0,78
Gini-Koeffizient und Lorenzkurve

Der Gini-Koeffizient ist das am häufigsten verwendete Maß für Ungleichheit:

  • Wertebereich: 0 (perfekte Gleichverteilung) bis 1 (maximale Ungleichheit – eine Person besitzt alles)
  • Berechnung aus der Lorenzkurve

Lorenzkurve:

  • Grafische Darstellung der Einkommens- oder Vermögensverteilung
  • x-Achse: Kumulierter Anteil der Bevölkerung (von arm nach reich sortiert)
  • y-Achse: Kumulierter Anteil am Gesamteinkommen/-vermögen
  • Diagonale (45°): Perfekte Gleichverteilung – jeder besitzt gleich viel
  • Lorenzkurve: Je weiter sie von der Diagonalen entfernt ist, desto ungleicher die Verteilung

Gini-Koeffizient = Fläche zwischen Diagonale und Lorenzkurve / Gesamtfläche unter der Diagonalen

Armut und Armutsgefährdung

Relative Armutsgefährdung: Personen gelten als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 % des Medianeinkommens verfügen.

  • In Deutschland: ca. 16,5 % der Bevölkerung armutsgefährdet
  • Besonders betroffen: Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose, Rentner, Menschen mit Migrationshintergrund

Absolute Armut: Nicht genügend Mittel für grundlegende Bedürfnisse (Nahrung, Wohnung). In Deutschland selten, weltweit betrifft sie ca. 700 Mio. Menschen (Weltbank-Grenze: unter 2,15 USD/Tag).

Verteilungsgerechtigkeit – verschiedene Positionen:

  • Leistungsgerechtigkeit: Wer mehr leistet, soll mehr verdienen
  • Bedarfsgerechtigkeit: Grundbedürfnisse aller müssen gedeckt sein
  • Chancengerechtigkeit: Gleiche Startchancen für alle (Bildung, Zugang)
Umverteilungsinstrumente

Der Staat greift mit verschiedenen Instrumenten in die Verteilung ein:

  • Progressiver Steuertarif: Höhere Einkommen werden mit höheren Steuersätzen besteuert (14 %–45 %)
  • Sozialleistungen: Bürgergeld, Wohngeld, Kindergeld, BAföG
  • Sozialversicherung: Solidaritätsprinzip (Beiträge nach Einkommen, nicht nach Risiko)
  • Mindestlohn: Untergrenze für Löhne

Wirkung: Der Gini-Koeffizient der Markteinkommen (vor Steuern/Transfers) liegt bei ca. 0,51, nach Umverteilung bei ca. 0,29 – der Staat reduziert die Ungleichheit also erheblich.

Abitur-Tipp: Verteilung

Abitur-Tipp: Zeichne eine Lorenzkurve und erkläre den Gini-Koeffizienten grafisch. Kenne den Unterschied zwischen Markt- und verfügbarem Einkommen (vor und nach Umverteilung). Die drei Gerechtigkeitsprinzipien (Leistung, Bedarf, Chancen) sind häufig Grundlage von Erörterungsaufgaben: „Welches Gerechtigkeitsprinzip sollte Priorität haben?“