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Europäische Sicherheitspolitik

GASP und GSVP

Die EU verfügt über zwei sicherheitspolitische Rahmen:

Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP):

  • Seit dem Vertrag von Maastricht (1992)
  • Ziel: Einheitliches außenpolitisches Auftreten der EU
  • Entscheidungen im Rat der EU in der Regel einstimmig
  • Hoher Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik (derzeit: Kaja Kallas) koordiniert die GASP

Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP):

  • Teil der GASP, seit dem Vertrag von Lissabon (2009)
  • Ermöglicht zivile und militärische Missionen der EU (z. B. Pirateriebekämpfung am Horn von Afrika, Ausbildungsmissionen in Mali)
  • Die EU hat keine eigene Armee, sondern ist auf Truppen der Mitgliedstaaten angewiesen
NATO und europäische Verteidigung

Die NATO bleibt der wichtigste Rahmen für die europäische Verteidigung:

  • Artikel 5: Beistandsklausel – Angriff auf einen ist Angriff auf alle
  • 2-Prozent-Ziel: NATO-Mitglieder sollen mindestens 2 % des BIP für Verteidigung ausgeben (viele europäische Staaten erreichten dies lange nicht)
  • 32 Mitglieder (Stand 2024, nach Beitritt Finnlands 2023 und Schwedens 2024)

Europäische Initiativen:

  • PESCO (Permanent Structured Cooperation): 2017 gestartet, vertiefte militärische Zusammenarbeit von 26 EU-Staaten
  • Europäischer Verteidigungsfonds: Finanziert gemeinsame Forschung und Entwicklung
  • Strategischer Kompass (2022): Erstes gemeinsames sicherheitspolitisches Strategiedokument der EU
Zeitenwende und neue Bedrohungen

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine (seit 24. Februar 2022) löste eine „Zeitenwende“ (Bundeskanzler Scholz) in der europäischen Sicherheitspolitik aus:

  • Sondervermögen Bundeswehr: 100 Mrd. € für die militärische Ausrüstung
  • Erhöhung der Verteidigungsausgaben: Deutschland strebt dauerhaft über 2 % des BIP an
  • NATO-Erweiterung: Finnland und Schweden traten der NATO bei (Ende jahrzehntelanger Neutralität)
  • EU-Sanktionen gegen Russland: Umfangreichste Sanktionspakete der EU-Geschichte

Neue Bedrohungen:

  • Hybride Kriegsführung: Cyberangriffe, Desinformation, wirtschaftlicher Druck
  • Terrorismus: Islamistischer und rechtsextremer Terrorismus
  • Chinas Aufstieg: Systemkonkurrenz und wirtschaftliche Abhängigkeiten
Debatte: Strategische Autonomie Europas

Die Frage der strategischen Autonomie Europas ist zentral:

Befürworter:

  • Europa muss eigenständig handlungsfähig sein, unabhängig von den USA
  • Die US-Politik ist unberechenbar geworden (z. B. NATO-Skepsis unter Trump)
  • Europa braucht eigene militärische Fähigkeiten und Rüstungsindustrie

Kritiker:

  • Europäische Armee ist unrealistisch (unterschiedliche Interessen, Souveränitätsbewusstsein)
  • NATO-Bindung bleibt unverzichtbar für die nukleare Abschreckung
  • Dopplungen und Ineffizienz statt echter Verstärkung
Abitur-Tipp: Sicherheitspolitik

Abitur-Tipp: Kenne den Unterschied zwischen GASP und GSVP, die Rolle der NATO (Art. 5, 2-%-Ziel) und die Zeitenwende seit 2022. Die Debatte über strategische Autonomie Europas ist ein aktülles Erörterungsthema. Verbinde mit den IB-Theorien: Realisten fordern militärische Stärkung, Institutionalisten betonen NATO und EU-Kooperation.