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Entwicklungspolitik und Zusammenarbeit

Entwicklung und Unterentwicklung

Die Welt ist von massiver Ungleichheit zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden geprägt:

  • BIP pro Kopf: Hocheinkommensländer (USA, Deutschland): über 40.000 USD; Niedrigeinkommensländer (Sub-Sahara-Afrika): unter 1.000 USD
  • Human Development Index (HDI): Kombiniert Lebenserwartung, Bildung und Einkommen (UNDP). Norwegen (∼0,96) vs. Niger (∼0,39)

Mehrdimensionaler Entwicklungsbegriff: Entwicklung umfasst nicht nur Wirtschaftswachstum, sondern auch Bildung, Gesundheit, politische Teilhabe, Umwelt und Menschenrechte (Amartya Sen: „Entwicklung als Freiheit“).

Entwicklungstheorien

Modernisierungstheorie (W.W. Rostow):

  • Alle Gesellschaften durchlaufen fünf Stufen der wirtschaftlichen Entwicklung (von traditionell bis Massenkonsum)
  • Unterentwicklung ist ein Rückstand, der durch Kapitaltransfer und Technologie überwunden werden kann
  • Kritik: Eurozentrismus, ignoriert koloniale Ausbeutung

Dependenztheorie (Raul Prebisch, Andre Gunder Frank):

  • Unterentwicklung ist Folge der Abhängigkeit des Südens vom Norden
  • Kolonialismus und ungleicher Tausch (Rohstoffexporte vs. Industrieimporte) perpetuieren die Armut
  • Lösung: Abkopplung vom Weltmarkt, eigenständige Industrialisierung

Institutionentheorie (Acemoglu/Robinson: „Why Nations Fail“):

  • Entscheidend sind inklusive politische und wirtschaftliche Institutionen (Eigentumsrechte, Rechtssicherheit, demokratische Kontrolle)
Sustainable Development Goals (SDGs)

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) wurden 2015 von der UN-Generalversammlung beschlossen (Agenda 2030):

  • SDG 1: Keine Armut
  • SDG 2: Kein Hunger
  • SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen
  • SDG 4: Hochwertige Bildung
  • SDG 5: Geschlechtergleichheit
  • SDG 10: Weniger Ungleichheiten
  • SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz
  • SDG 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen

Besonderheit: Die SDGs gelten für alle Länder (nicht nur Entwicklungsländer) und verbinden ökonomische, soziale und ökologische Dimensionen. Kritik: Zu viele Ziele, unverbindlich, Finanzierungslücke.

Deutsche und internationale Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland:

  • BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) koordiniert die Entwicklungspolitik
  • Durchführungsorganisationen: GIZ (technische Zusammenarbeit), KfW (finanzielle Zusammenarbeit)
  • ODA-Quote: Deutschland gibt ca. 0,7 % des BNE für Entwicklungszusammenarbeit aus (UN-Ziel: 0,7 %)

International:

  • Weltbank: Vergabe von Krediten und technischer Hilfe an Entwicklungsländer
  • IWF: Stabilitätskredite, aber Kritik an Strukturanpassungsprogrammen (Auflagen: Privatisierung, Sparmaßnahmen)
  • NGOs: Oxfam, Ärzte ohne Grenzen, Welthungerhilfe – oft bürgernäher als staatliche Akteure
Abitur-Tipp: Entwicklung

Abitur-Tipp: Vergleiche Modernisierungs- und Dependenztheorie – beide werden im Abitur gerne gegenübergestellt. Kenne die SDGs (zumindest die wichtigsten) und das 0,7-%-Ziel. Bei Erörterungen: Ist Entwicklungshilfe effektiv? Argumentiere differenziert (Eigenverantwortung vs. strukturelle Abhängigkeit).