Klimaabkommen und Klimapolitik
Das Pariser Abkommen (2015)
Das Pariser Klimaabkommen (COP 21, Dezember 2015) ist das wichtigste internationale Klimaabkommen:
- 195 Staaten verpflichten sich, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen
- Nationally Determined Contributions (NDCs): Jedes Land legt eigene Klimaziele fest und aktualisiert sie alle 5 Jahre (Ambitionssteigerung)
- Klimafinanzierung: Industrieländer sollen jährlich 100 Mrd. USD für Entwicklungsländer bereitstellen
- Kein Sanktionsmechanismus: Das Abkommen ist völkerrechtlich bindend, aber ohne Strafen bei Nichterreichung der Ziele
Kritik: Die bisherigen NDCs reichen nicht aus – sie führen zu einer Erwärmung von ca. 2,5–2,8 °C. Die „Ambitionslücke“ bleibt das zentrale Problem.
COP-Konferenzen und Meilensteine
COP (Conference of the Parties) der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC):
- Kyoto-Protokoll (1997, COP 3): Erstes verbindliches Abkommen mit Emissionsreduktionszielen für Industrieländer. Entwicklungsländer waren ausgenommen. USA ratifizierten nicht.
- Kopenhagen (2009, COP 15): Gescheiterter Versuch eines Nachfolgeabkommens
- Paris (2015, COP 21): Durchbruch – erstmals verpflichten sich alle Länder
- Glasgow (2021, COP 26): Verschärfung der NDCs, Kohleausstieg angestoßen, Methanversprechen
- Dubai (2023, COP 28): Erstmals Einigung auf „Abkehr von fossilen Energieträgern“ („transitioning away from fossil fuels“)
EU-Emissionshandel und CO2-Bepreisung
Der EU-Emissionshandel (EU ETS) ist das zentrale klimapolitische Instrument der EU:
- Cap-and-Trade-System: Eine Obergrenze (Cap) für Emissionen wird festgelegt. Unternehmen erhalten oder kaufen Emissionszertifikate.
- Wer weniger emittiert, kann überschüssige Zertifikate verkaufen. Wer mehr emittiert, muss zusätzliche kaufen.
- Der CO2-Preis entsteht durch Angebot und Nachfrage. Er lag 2023 zeitweise über 100 € pro Tonne.
- Seit 2024: ETS 2 für Gebäude und Verkehr
CO2-Steuer (Alternativmodell): Direkter Preis pro Tonne CO2, festgelegt durch den Staat. In Deutschland: CO2-Preis auf Heizen und Verkehr seit 2021 (2024: 45 €/t).
Vorteil Emissionshandel: Mengensteuerung (Cap garantiert Emissionsreduzierung). Vorteil CO2-Steuer: Preissicherheit für Unternehmen und Planbarkeit.
EU Green Deal und Klimaneutralität
Der European Green Deal (2019) ist das umfassendste Klimapaket der EU:
- Ziel: Klimaneutralität bis 2050
- Zwischenziel: Mindestens 55 % weniger Treibhausgase bis 2030 (gegenüber 1990)
- „Fit for 55“-Paket: Gesetzespaket zur Umsetzung: Verschärfung des ETS, Verbrenner-Aus 2035, Renovierungswelle, CBAM
Gerechte Transformation: Der Just Transition Fund unterstützt Regionen und Beschäftigte, die besonders vom Wandel betroffen sind (z. B. Kohleregionen).
Abitur-Tipp: Klimapolitik
Abitur-Tipp: Kenne das Pariser Abkommen (Ziele, NDCs, Kritik), den EU-Emissionshandel (Cap-and-Trade-Prinzip) und den Green Deal. Typische Aufgabe: „Vergleichen Sie Emissionshandel und CO2-Steuer als klimapolitische Instrumente.“ Oder: „Bewerten Sie die Wirksamkeit des Pariser Abkommens aus institutionalistischer Perspektive.“