Dietrich Bonhöffer (1906–1945) ist einer der bedeutendsten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Sein Leben und Werk sind untrennbar mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus verbunden:
Der evangelische Theologe Dietrich Bonhöffer, der sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagierte und im KZ Flossenbürg hingerichtet wurde.
In seinem Werk „Nachfolge“ (1937) entfaltet Bonhöffer die zentrale Unterscheidung zwischen billiger und teurer Gnade:
Bonhöffer kritisiert eine Kirche, die Gnade „verschleudert“ und den Ernst der Nachfolge vergisst.
In seinen Gefaengnisbriefen (1943/44) entwickelt Bonhöffer die provokante Idee eines religionslosen Christentums:
Bonhoeffers unvollendete Ethik (entstanden 1940–1943, posthum 1949 von Eberhard Bethge herausgegeben) ist sein zweites Hauptwerk. Im Zentrum steht die Frage, wie man als Christ in einem totalitären Staat handeln kann, ohne in Gesinnungspurismus oder Pragmatismus abzugleiten. Bonhoeffer entwickelt das Konzept der verantwortlichen Tat: Wer in der Nachfolge Jesu steht, kann in extremen Situationen gezwungen sein, scheinbar Unethisches (Täuschung, Tyrannenmord) zu tun – und muss diese Schuld vor Gott tragen. „Verantwortlich handeln heißt, sich der Wirklichkeit ohne Vorbehalt aussetzen und in ihr Schuld auf sich nehmen.“ (Bonhoeffer, Ethik, 1949) Damit weist Bonhoeffer einen mittleren Weg zwischen kantischer Pflichtethik und purer Folgenabwägung – eine christologisch fundierte Verantwortungsethik.
Im Untersuchungsgefängnis Berlin-Tegel verfasst Bonhoeffer ab April 1943 die Briefe an seinen Freund Eberhard Bethge, die nach dem Krieg unter dem Titel Widerstand und Ergebung (1951) berühmt wurden. Hier formuliert er seine berühmteste These: „Gott lässt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt, und gerade nur so ist er bei uns und hilft uns.“ (Bonhoeffer, Brief vom 16.7.1944) Dieses Bekenntnis zur Ohnmacht Gottes inspirierte später Dorothee Sölle, Jürgen Moltmann und die ganze post-Auschwitz-Theologie.
Bonhoeffer war Mitunterzeichner der Barmer Theologischen Erklärung (Mai 1934), die unter Federführung Karl Barths verfasst wurde. Sie weist die Vereinnahmung des Evangeliums durch die NS-hörigen „Deutschen Christen“ entschieden zurück. Bonhoeffer leitete bis 1937 das illegale Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde. Aus dieser Erfahrung gemeinschaftlichen Lebens entstand das schmale, aber wirkungsmächtige Buch Gemeinsames Leben (1939) über christliche Bruderschaft, gemeinsames Gebet und Beichte.
Abitur-Tipp: Bonhöffer ist ein Klassiker im Religions-Abitur. Lerne die Unterscheidung billige/teure Gnade mit Originalzitaten. Für Eroerterungsaufgaben eignet sich die Frage, ob Bonhöffers Konzept des „religionslosen Christentums“ für die Gegenwart tragfähig ist. Verkuepfe sein Denken mit seiner Biografie: Seine Theologie ist nicht graue Theorie, sondern gelebter Glaube bis zum Tod.