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Utilitarismus (Bentham & Mill)

Grundprinzip des Utilitarismus

Der Utilitarismus (lat. utilitas = Nutzen) ist eine konsequentialistische (folgenorientierte) Ethik. Nicht die Gesinnung oder Pflicht zählt, sondern das Ergebnis einer Handlung:

  • Grundprinzip: Eine Handlung ist moralisch richtig, wenn sie das größte Glück der größten Zahl (greatest happiness of the greatest number) hervorbringt.
  • Nutzenmaximierung: Moralisch geboten ist diejenige Handlung, die den Gesamtnutzen (total utility) aller Betroffenen maximiert.
  • Unparteilichkeit: Jeder zählt gleich – das eigene Glück wiegt nicht mehr als das Glück anderer („everybody to count for one, nobody for more than one“).
Jeremy Bentham (1748–1832)

Bentham begründete den klassischen Utilitarismus:

  • Hedonistisches Prinzip: „Die Natur hat die Menschheit unter die Herrschaft zweier souveraener Herren gestellt: Schmerz und Vergnuegen.“ Glück = Lust (pleasure), Unglück = Schmerz (pain).
  • Hedonistisches Kalkuel (felicific calculus): Bentham entwickelt sieben Kriterien, um Lust und Schmerz zu messen: Intensität, Dauer, Gewissheit, zeitliche Nähe, Folgentraechtigkeit, Reinheit, Ausdehnung (Anzahl der Betroffenen).
  • Quantitativer Utilitarismus: Für Bentham sind alle Arten von Lust gleichwertig – es zählt nur die Menge. „Pushpin is as good as poetry“ (ein Kinderspiel ist genauso wertvoll wie Dichtung, wenn es gleich viel Lust erzeugt).
John Stuart Mill (1806–1873)

Mill modifiziert Benthams Utilitarismus entscheidend:

  • Qualitativer Utilitarismus: Mill unterscheidet hoehere (geistige) und niedere (körperliche) Freuden. „Es ist besser, ein unzufriedener Sokrates zu sein als ein zufriedener Narr.“
  • Kompetente Richter: Über die Qualität von Freuden können nur diejenigen urteilen, die beide Arten kennen.
  • Regelutilitarismus: Nicht jede Einzelhandlung wird bewertet, sondern Regeln, deren Befolgung insgesamt den größten Nutzen bringt (z.B. „Halte Versprechen“ maximiert langfristig den Gesamtnutzen).
Kritik
  • Gerechtigkeit: Der Utilitarismus kann die Rechte von Minderheiten opfern, wenn es dem Gesamtglück dient (z.B. Folter eines Unschuldigen, um viele zu retten).
  • Messbarkeit: Glück lässt sich nicht exakt messen und vergleichen (interpersoneller Nutzenvergleich).
  • Überforderung: Ständig das Maximum an Gesamtglück anstreben zu müssen, ist überfordernd (Forderung der Unparteilichkeit).
  • Instrumentalisierung: Menschen könnten als blosse Mittel zum Zweck der Nutzenmaximierung missbraucht werden (Verstoss gegen Kants Menschenwürdeformel).

Abitur-Tipp: Der Vergleich Kant vs. Utilitarismus ist eine der häufigsten Abituraufgaben in Ethik. Erstelle eine Gegenuberstellung: Gesinnungsethik vs. Folgenethik, Pflicht vs. Nutzen, absolute Regeln vs. situative Abwaegung. Wende beide Ethiken auf ein konkretes Beispiel an (z.B. Sterbehilfe, Organspende) und zeige Stärken und Schwaechen beider Ansaetze.