Die ökologische Krise (Klimawandel, Artensterben, Umweltverschmutzung) stellt die christliche Ethik vor die Frage: Welche Verantwortung trägt der Mensch für die Schoepfung?
Papst Franziskus veröffentlichte 2015 die Enzyklika „Laudato si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“, die als Meilenstein der christlichen Umweltethik gilt:
Der reformierte Theologe Jürgen Moltmann (geb. 1926) legt mit Gott in der Schöpfung. Ökologische Schöpfungslehre (1985) eines der wichtigsten Werke der protestantischen Ökotheologie vor. Moltmann kritisiert das traditionelle Schöpfungsverständnis als zu anthropozentrisch und entwickelt eine trinitarische Schöpfungslehre: Gott ist nicht jenseits, sondern in seiner Schöpfung präsent. Er greift den jüdischen Schechina-Begriff auf und schreibt: „Wer Gott im Heiligen Geist findet, findet ihn in allen Dingen, in denen er wohnt.“ (Moltmann, Gott in der Schöpfung, 1985) Damit wird Naturzerstörung zur Gotteslästerung und der Ruhetag des siebten Schöpfungstages zum ökologischen Leitbild: Schöpfung ist nicht Produktion, sondern Sabbat.
Der amerikanische Mediaevist Lynn White Jr. veröffentlichte 1967 in Science den vielzitierten Aufsatz The Historical Roots of Our Ecologic Crisis. Sein Vorwurf: Das Christentum sei mit seiner anthropozentrischen Auslegung von Gen 1,28 die Hauptverantwortliche für die ökologische Krise. „Christianity is the most anthropocentric religion the world has seen.“ (White, 1967) Diese These hat eine ganze Generation christlicher Umweltethik provoziert. Carl Amery zog den Vorwurf in Das Ende der Vorsehung (1972) ins Deutsche und sprach von den „gnadenlosen Folgen des Christentums“. Die christliche Ökotheologie (Moltmann, Auer, Altner, Franziskus) versteht sich seither als Antwort auf diesen Einwand – sie zeigt, dass die anthropozentrische Lesart eine neuzeitliche Engführung ist, nicht der biblische Befund.
Die Evangelische Kirche in Deutschland hat seit den 1980er Jahren mehrere Öko-Denkschriften veröffentlicht, darunter Umkehr zum Leben. Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels (EKD 2009). Konkrete Konsequenzen: Klimaschutzgesetz der EKD 2022 (Klimaneutralität bis 2035), „Grüner Hahn“-Umweltmanagement in Gemeinden, fossile Divestment-Beschlüsse. Damit zeigt sich: Schöpfungsbewahrung ist nicht nur ethisches Postulat, sondern institutionelle Praxis.
Abitur-Tipp: Die ökologische Ethik ist hochaktüll und wird häufig geprüft. Lerne zentrale Aussagen von „Laudato si’“ und verbinde sie mit Jonas' Verantwortungsethik. Diskutiere kritisch: Reicht der Appell an individülle Umkehr, oder braucht es strukturelle Veränderungen (politisch, wirtschaftlich)? Zeige auch die Spannung zwischen Dominium terrae und Bewahrungsauftrag.