Toulouse-Lautrec, Sachplakat, Bauhaus-Typografie
Das Plakat ist eine der ältesten Formen der visüllen Massenkommunikation. Es muss in kürzester Zeit eine Botschaft übermitteln – an Passanten, die es im Vorbeigehen erfassen. Daher gelten besondere Gestaltungsprinzipien: Fernwirkung, Prägnanz, Reduktion. Die Geschichte des Plakats ist eng mit der Entwicklung der Drucktechnik, insbesondere der Lithografie (Steindruck), verbunden.
Jules Chéret (1836–1932) gilt als „Vater des modernen Plakats“. Ab den 1860er-Jahren entwickelte er in Paris die Farblithografie zu einem Medium für großformatige, farbintensive Werbeplakate. Seine heiteren, bewegten Fraünfiguren („Chérettes“) wurden zum Inbegriff der Pariser Belle Époque.
Toulouse-Lautrec erhob das Plakat zur anerkannten Kunstform. Seine Plakate für das Moulin Rouge, den Divan Japonais und andere Pariser Vergnügungslokale zeichnen sich aus durch:
Der Jugendstil verschmolz Kunst und Gebrauchsgrafik. Merkmale:
Wichtige Vertreter: Alfons Mucha (Plakatkunst für Sarah Bernhardt), Henry van de Velde, Peter Behrens (frühes Corporate Design für AEG).
Lucian Bernhard (1883–1972) revolutionierte die Plakatgestaltung mit dem Entwurf für Priester-Zündhölzer (1906): Nur das Produkt und der Markenname auf einfarbigem Hintergrund – radikal reduziert, maximal prägnant. Das Sachplakat (auch: Berliner Plakat) wurde zum Vorbild moderner Werbegrafik:
Weitere Vertreter: Ludwig Hohlwein (münchnerisch-dekorativ, stofflich-malerisch), Hans Rudi Erdt.
Am Bauhaus und in seinem Umfeld entstand eine radikal neue Plakatgestaltung:
Jan Tschichold systematisierte die Prinzipien in seinem Buch Die neue Typographie (1928): Funktionalität, Klarheit und Asymmetrie als Grundprinzipien.
In der Nachkriegszeit entstanden neue Strömungen: die Schweizer Grafik (International Typographic Style) mit ihrem Raster-System und klaren Strukturen (Josef Müller-Brockmann), das polnische Filmplakat mit expressiver, surrealer Bildsprache und die Psychedelic Posters der 1960er-Jahre in den USA.
Bei der Bilderschließung von Plakaten müssen zusätzlich kommunikationstheoretische Aspekte berücksichtigt werden: