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Corporate Design und Branding

Logo, Erscheinungsbild, visülle Identität

1. Begriffsklärung

Unter Corporate Design (CD) versteht man das einheitliche visülle Erscheinungsbild eines Unternehmens, einer Institution oder einer Marke. Es umfasst alle gestalterischen Elemente, die dafür sorgen, dass ein Unternehmen auf allen Kommunikationskanälen wiedererkennbar und konsistent auftritt. Das Corporate Design ist Teil der übergeordneten Corporate Identity (CI), die auch das Verhalten (Corporate Behaviour) und die Kommunikation (Corporate Communication) einschließt.

2. Elemente des Corporate Designs

2.1 Logo / Signet

Das Logo ist das zentrale Erkennungszeichen einer Marke. Es gibt verschiedene Logotypen:

  • Wortmarke: Der Name selbst wird typografisch gestaltet (z. B. Google, Coca-Cola).
  • Bildmarke: Ein abstraktes oder gegenständliches Symbol (z. B. Apple-Apfel, Mercedes-Stern).
  • Wort-Bild-Marke: Kombination aus Schrift und Symbol (z. B. Adidas, Lufthansa).
  • Monogramm/Buchstabenmarke: Initialen als Logo (z. B. VW, IBM, LV).

Qualitätskriterien eines guten Logos: Einprägsamkeit, Reduzierung, Skalierbarkeit (funktioniert in jeder Größe), Zeitlosigkeit, Unterscheidbarkeit, Reproduzierbarkeit (auch in Schwarz-Weiß).

2.2 Unternehmensfarbe (Corporate Colour)

Die Farbwahl ist entscheidend für die Wiedererkennung und Farbpsychologie: Blau signalisiert Vertrauen und Seriosität (Banken, Versicherungen), Rot Energie und Leidenschaft (Coca-Cola, Netflix), Grün Natur und Nachhaltigkeit (Starbucks, Bio-Marken). Die Farben werden in einem Styleguide exakt definiert (Pantone, CMYK, RGB, HEX).

2.3 Typografie (Corporate Font)

Eine einheitliche Schriftfamilie prägt den Charakter aller Texte – von der Visitenkarte bis zur Website. Große Unternehmen lassen eigene Corporate Fonts entwickeln (z. B. „Deutsche Bahn Sans“, „BMW Type“). Die Wahl zwischen Serifenschrift (traditionell, seriös) und serifenloser Schrift (modern, klar) ist eine bewusste Gestaltungsentscheidung.

2.4 Bildsprache

Ein konsistenter fotografischer oder illustrativer Stil: Farbstimmung, Lichtführung, Perspektive, Motivwahl. Die Bildsprache transportiert Werte und Emotionen der Marke.

2.5 Layout und Raster

Ein einheitliches Gestaltungsraster sorgt für die konsistente Anordnung von Text, Bild und Weißraum auf allen Medien. Das Rastersystem geht auf die Schweizer Grafik der 1950er-Jahre zurück (Josef Müller-Brockmann).

3. Historische Entwicklung

3.1 Frühe Markenzeichen

Schon im Mittelalter nutzten Handwerker Zunftzeichen und Meistermarken zur Kennzeichnung ihrer Produkte. Druckermarken (z. B. Aldus Manutius) gelten als frühe Logos.

3.2 Peter Behrens und die AEG (1907)

Peter Behrens gestaltete für die Allgemeine Electricitäts-Gesellschaft (AEG) erstmals ein umfassendes Erscheinungsbild: Logo, Schrifttype, Produktdesign, Architektur (AEG-Turbinenhalle) und Werbematerial – das erste Corporate Design im modernen Sinne.

3.3 Nachkriegsmoderne

In den 1950er–70er-Jahren entstanden prägende Corporate-Design-Systeme: Otl Aicher gestaltete das Erscheinungsbild der Olympischen Spiele München 1972 (Piktogramme, Farbsystem, Raster) und das CD der Lufthansa. Die gestalterischen Prinzipien – Klarheit, Systematik, Reduktion – gelten bis heute als vorbildlich.

4. Branding im digitalen Zeitalter

  • Responsive Logos: Logos, die sich in verschiedenen Größen vereinfachen (z. B. vom vollständigen Schriftzug zum Icon).
  • Motion Design: Animierte Logos und Markenelemente für digitale Medien.
  • Markenerlebnis (Brand Experience): Die Marke wird über alle Sinne und Kanäle konsistent erlebt – vom physischen Produkt über die App bis zum Social-Media-Auftritt.

5. Bildanalyse: Corporate Design beurteilen

Bei der Analyse eines Erscheinungsbildes im Kunstunterricht sind relevant:

  • Gestalterische Mittel: Welche Farben, Formen, Schriften werden eingesetzt? Wie wirken sie?
  • Konsistenz: Wird das CD konsequent auf allen Medien umgesetzt?
  • Zielgruppe: Welche Werte und Emotionen soll das Design transportieren? Passt es zur Zielgruppe?
  • Historischer Bezug: Lassen sich gestalterische Einflüsse (Bauhaus, Schweizer Grafik, Postmoderne) erkennen?