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Peak Oil und Energiewende

Hubbert-Kurve mit Fördermaximum Peak Oil

Die Hubbert-Kurve

Glockenförmiger Verlauf der Ölförderung mit Anstieg, Plateau (Peak Oil) und Niedergang.

Die Hubbert-Kurve und Peak Oil

Der US-amerikanische Geophysiker Marion King Hubbert stellte 1956 die These auf, dass die Ölförderung eines Landes oder der gesamten Welt einem glockenförmigen Verlauf folgt: Nach einem Anstieg wird ein Fördermaximum (Peak) erreicht, danach sinkt die Produktion unweigerlich. Diese Kurve wird als Hubbert-Kurve bezeichnet.

Hubbert sagte korrekt voraus, dass die US-amerikanische Ölförderung (konventionell, lower 48 states) ihren Peak um 1970 erreichen würde. Für die weltweite konventionelle Ölförderung wird der Peak – je nach Quelle – zwischen 2006 und 2030 angesetzt. Die Internationale Energieagentur (IEA) stellte 2010 fest, dass die konventionelle Ölförderung ihren Höhepunkt bereits 2006 erreicht hat.

Der Begriff „Peak Oil“ meint nicht, dass das Öl „ausgeht“, sondern dass die Förderrate nicht mehr gesteigert werden kann und ab dem Peak langsam zurückgeht. Die verbleibenden Reserven werden zunehmend schwerer und teurer zu fördern (unkonventionelle Quellen).

Debatte um Peak Oil

Die Peak-Oil-Debatte ist kontrovers. Optimisten argumentieren, dass technologische Innovationen (Fracking, Tiefseeöl, Ölsande) den Peak immer weiter in die Zukunft verschieben. Tatsächlich haben die USA durch die Shale-Revolution seit 2014 wieder mehr Öl gefördert als je zuvor und übertrafen 2018 sogar Saudi-Arabien und Russland.

Pessimisten (wie die Association for the Study of Peak Oil, ASPO) verweisen darauf, dass unkonventionelle Förderung nur bei hohen Preisen rentabel ist und schnell erschöpft: Shale-Oil-Bohrlöcher verlieren typischerweise 70 % ihrer Förderleistung in den ersten drei Jahren.

Ein neuer Aspekt ist „Peak Demand“: Durch Elektromobilität und erneuerbare Energien könnte die Nachfrage nach Öl sinken, bevor die geologischen Grenzen erreicht werden. Die IEA prognostiziert, dass die globale Ölnachfrage vor 2030 ihren Höhepunkt erreichen wird.

Energiewende und Energiemix der Zukunft

Die Energiewende bezeichnet den Übergang von fossilen Energieträgern und Kernenergie zu erneuerbaren Energien. Deutschland hat mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) seit 2000 eine Vorreiterrolle eingenommen. 2023 stammten bereits über 50 % der deutschen Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen (Wind, Solar, Biomasse, Wasserkraft).

Global liegt der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch jedoch erst bei ca. 14 % (inkl. traditioneller Biomasse). Die größten Herausforderungen der Energiewende sind:

Speicherproblematik: Wind und Solar sind fluktuierend; Batteriespeicher und Wasserstoff als Lösungen
Netzausbau: Windstrom aus dem Norden muss in den Süden transportiert werden (SüdLink, HVDC-Leitungen)
Kosten: Hohe Anfangsinvestitionen, aber sinkende Stromgestehungskosten (Solar: −90 % seit 2010)
Rohstoffbedarf: Lithium, Kobalt, Kupfer und Seltene Erden für Batterien und Windkraftanlagen

Das Pariser Abkommen und Klimaziele

Das Pariser Klimaabkommen von 2015 (COP 21) verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dafür müssen die globalen CO₂-Emissionen bis 2050 auf Netto-Null sinken.

Die EU hat sich im European Green Deal das Ziel gesetzt, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden. Deutschland strebt Klimaneutralität bis 2045 an. Dafür ist ein vollständiger Ausstieg aus Kohle (bis spätestens 2038, idealerweise 2030), Öl und Erdgas nötig.

Kritiker verweisen auf die Umsetzungslücke (Emissions Gap): Die bisher zugesagten nationalen Beiträge (NDCs) reichen laut UN-Berechnungen nur für eine Begrenzung auf ca. 2,5–2,9 °C.

Globale Energiewende: Länderbeispiele

Die Energiewende verläuft global sehr unterschiedlich. Dänemark deckte 2023 rund 67 Prozent seines Stromverbrauchs aus Windkraft – ein weltweiter Spitzenwert. Schon 1991 errichteten die Dänen vor Vindeby den ersten Offshore-Windpark der Welt. Der konsequente Ausbau hat zu einem starken Inlandsmarkt und zur Entstehung von Weltmarktführern wie Vestas und Ørsted geführt.

China ist seit Jahren der grösste Investor in erneuerbare Energien weltweit. 2023 wurden in China mehr Photovoltaik-Anlagen installiert als im gesamten Rest der Welt zusammen (rund 217 Gigawatt). Gleichzeitig betreibt China jedoch auch das grösste Kohlekraftwerk-System der Welt und genehmigte 2022/23 weitere Neubauten. Der chinesische Kohlestromanteil lag 2023 trotz Ausbau der Erneuerbaren noch bei rund 60 Prozent.

Marokko betreibt mit Noor Ouarzazate eines der grössten Solarkraftwerke Afrikas (580 MW). Das Land plant, bis 2030 rund 52 Prozent seiner Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Marokko ist außerdem ein wichtiger Partner für europäische Wasserstoff-Importprojekte.

Wasserstoff als Schlüsseltechnologie

Wasserstoff (H₂) gilt als Schlüsseltechnologie für jene Sektoren, die sich nur schwer direkt elektrifizieren lassen: Stahlindustrie, Chemie, Schwerlastverkehr, Luftfahrt und Hochtemperaturprozesse. Unterschieden werden vor allem grüner (aus Erneuerbaren via Elektrolyse), blauer (aus Erdgas mit CO₂-Abscheidung) und grauer Wasserstoff (aus Erdgas ohne CO₂-Abscheidung).

Die deutsche Nationale Wasserstoffstrategie sieht bis 2030 den Aufbau von 10 Gigawatt Elektrolysekapazität vor. Da Deutschland nicht genug erneuerbare Energie für den Eigenbedarf produzieren kann, sind Importpartnerschaften (Namibia, Australien, Marokko, Norwegen) zentral. Erste Pilotprojekte (z. B. HyDeal Ambition, H2Med-Pipeline) werden derzeit aufgebaut.

Zusammenfassung:

• Peak Oil (Hubbert-Kurve): Fördermaximum, danach sinkende Produktion
• Konventioneller Peak Oil vermutlich bereits 2006 erreicht
• Peak Demand: Nachfragerückgang durch E-Mobilität könnte vor Angebotsende kommen
• Energiewende: Übergang zu Erneuerbaren; Speicher und Netzausbau als Herausforderungen
• Pariser Abkommen: Netto-Null bis 2050; Deutschland bis 2045

Abitur-Tipp: Erkläre den Unterschied zwischen Peak Oil (Angebotsseite) und Peak Demand (Nachfrageseite). Beide Konzepte werden im Abitur häufig in Kombination mit der statischen Reichweite abgefragt.