Die globale Energiewende beschreibt den Übergang von einem auf fossilen Energieträgern basierenden Energiesystem zu einem System, das überwiegend auf erneuerbaren Energien beruht. Zu den erneuerbaren Energiequellen zählen Solarenergie (Photovoltaik und Solarthermie), Windenergie (onshore und offshore), Wasserkraft, Biomasse und Geothermie.
Die Kosten für erneuerbare Energien sind in den letzten Jahren dramatisch gesunken: Die Stromgestehungskosten für Photovoltaik fielen zwischen 2010 und 2023 um über 90 % auf durchschnittlich 4–5 US-Cent/kWh. Windenergie an Land kostet 3–6 Cent/kWh. Damit sind Erneuerbare in den meisten Regionen der Welt bereits die kostengünstigste Form der Stromerzeugung.
2023 wurden weltweit über 500 GW an neuer erneuerbarer Kapazität installiert – ein Rekord. China allein installierte mehr Solarkapazität als die gesamte Welt im Vorjahr. Dennoch liegt der Anteil der Erneuerbaren am globalen Primärenergieverbrauch (inkl. Wärme und Verkehr) erst bei rund 14 %.
Dekarbonisierung bedeutet die schrittweise Reduktion und letztlich Beseitigung von CO₂-Emissionen aus wirtschaftlichen Aktivitäten. Die drei Hauptsektoren der Dekarbonisierung sind:
• Stromerzeugung: Übergang zu 100 % erneuerbaren Energien (am weitesten fortgeschritten)
• Verkehr: Elektromobilität, Wasserstoff für Schwerlast/Luftfahrt, Ausbau des ÖPNV
• Industrie: Grüner Stahl (Wasserstoffreduktion), Grüner Zement, CO₂-Abscheidung (CCS/CCU)
Der Heizungssektor stellt eine besondere Herausforderung dar: In Deutschland heizen noch rund 50 % der Haushalte mit Gas und 25 % mit Öl. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) von 2024 schreibt vor, dass neue Heizungen zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen (Wärmepumpen, Fernwärme, Pellets).
Die Energiewende hat eine ausgeprägte Nord-Süd-Dimension. Rund 675 Millionen Menschen weltweit haben noch keinen Zugang zu Elektrizität (v.a. in Subsahara-Afrika), und über 2,3 Milliarden kochen mit festen Brennstoffen (Holz, Kohle, Dung), was zu massiver Luftverschmutzung in Innenräumen führt.
Das Konzept der Energiegerechtigkeit (Energy Justice) fordert:
• Distributive Gerechtigkeit: Gleicher Zugang zu sauberer und bezahlbarer Energie
• Prozedurale Gerechtigkeit: Beteiligung betroffener Gemeinschaften an Energieentscheidungen
• Historische Gerechtigkeit: Industrieländer tragen Hauptverantwortung für den Klimawandel und sollten Entwicklungsländer finanziell unterstützen
Der Green Climate Fund (GCF) der UN soll Entwicklungsländer beim Klimaschutz und bei der Anpassung unterstützen. Auf der COP28 in Dubai (2023) wurde ein Loss and Damage Fund für klimabedingte Schäden in verletzlichen Ländern eingerichtet.
Die globale Energiewende ist mit erheblichen Konflikten und Zielkonflikten verbunden:
• Rohstoffbedarf: Erneuerbare Energien benötigen Lithium, Kobalt, Kupfer und Seltene Erden – oft aus Ländern mit problematischen Abbaubedingungen (neuer Ressourcenfluch?)
• Flächenkonkurrenz: Solarparks und Windkraftanlagen konkurrieren mit Landwirtschaft und Naturschutz
• Soziale Kosten: Kohleausstieg bedroht Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen (Lausitz, Rheinland)
• Geopolitische Verschiebungen: Erdölstaaten verlieren an Bedeutung; China dominiert die Lieferketten für Solarpanele und Batterien
Zusammenfassung:
• Erneuerbare bereits kostengünstigste Stromquelle; PV-Kosten −90 % seit 2010
• Dekarbonisierung: Strom (am weitesten), Verkehr (E-Mobilität), Industrie (grüner H₂)
• Energiegerechtigkeit: 675 Mio. ohne Strom; historische Verantwortung des Nordens
• Konflikte: Rohstoffbedarf, Flächenkonkurrenz, soziale Kosten, Geopolitik
Abitur-Tipp: Die Energiewende verbindet viele Geographie-Themen (Rohstoffe, Nachhaltigkeit, Nord-Süd). Typische Aufgabe: Erörtere, ob die Energiewende den Ressourcenfluch verstärkt oder überwindet.