Der Begriff Nachhaltigkeit geht auf den sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz zurück, der 1713 forderte, dass in einem Wald nur so viel Holz geschlagen werden solle, wie nachwachsen kann. In der modernen Geographie wird Nachhaltigkeit durch das Drei-Säulen-Modell (auch: Nachhaltigkeitsdreieck) definiert:
• Ökologische Dimension: Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, Biodiversität, Klimaschutz, Ressourcenschonung
• Ökonomische Dimension: Langfristige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Beschäftigung, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit
• Soziale Dimension: Gerechtigkeit, Teilhabe, Chancengleichheit, Daseinsvorsorge, intergenerative Gerechtigkeit
Nachhaltige Entwicklung erfordert die gleichzeitige Berücksichtigung aller drei Dimensionen. In der räumlichen Planung bedeutet dies etwa: Ein Windpark (ökologisch positiv) darf nicht die Lebensqualität der Anwohner (sozial) zerstören oder ökonomisch unrentabel sein.
Der Brundtland-Bericht („Our Common Future“, 1987) der UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung definierte nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung, die „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ – das Prinzip der intergenerativen Gerechtigkeit.
Auf dem Erdgipfel von Rio de Janeiro (1992) wurde die Agenda 21 verabschiedet – ein globales Aktionsprogramm für nachhaltige Entwicklung. Kapitel 28 fordert jede Kommune auf, eine Lokale Agenda 21 zu erarbeiten: einen Handlungsplan für nachhaltige Entwicklung vor Ort, erarbeitet unter Beteiligung der Bürger.
In Deutschland haben Hunderte Kommunen Lokale-Agenda-21-Prozesse durchgeführt. Ergebnisse reichen von Klimaschutzkonzepten über Fair-Trade-Town-Zertifizierungen bis zu Bürgerbusse im ländlichen Raum. Die Dynamik hat allerdings seit den 2000er Jahren nachgelassen.
Die 2015 verabschiedeten Sustainable Development Goals (SDGs) der UN umfassen 17 Ziele und 169 Unterziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030. Mehrere SDGs haben direkten Raumbezug:
• SDG 6: Sauberes Wasser und Sanitärversorgung
• SDG 7: Bezahlbare und saubere Energie
• SDG 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur
• SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden (zentrales SDG für die Geographie!)
• SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz
• SDG 15: Leben an Land (Biodiversität, Desertifikation)
SDG 11 fordert u.a.: Zugang zu angemessenem Wohnraum, sicheren und bezahlbaren Verkehrssystemen, integrativer und nachhaltiger Urbanisierung und Reduktion der Umweltbelastung durch Städte.
Ein zentrales Problem nachhaltiger Raumentwicklung in Deutschland ist der Flächenverbrauch: Täglich werden rund 52 Hektar (2023) Freifläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt – das entspricht ca. 73 Fußballfeldern pro Tag.
Die Bundesregierung hat das Ziel, den Flächenverbrauch bis 2030 auf unter 30 Hektar/Tag zu senken („30-Hektar-Ziel“). Langfristig wird ein Netto-Null-Flächenverbrauch angestrebt (Flächenkreislaufwirtschaft). Instrumente sind:
• Innenentwicklung vor Außenentwicklung: Brachflächen, Baulücken und Leerstand nutzen statt auf der „grünen Wiese“ zu bauen
• Nachverdichtung: Dachaufstockungen, Anbauten, höhere Bebauungsdichte
• Flächenrecycling: Ehemalige Gewerbe- und Industrieflächen umnutzen
• Entsiegelung: Versiegelte Flächen renaturieren (z. B. Parkplätze zu Grünflächen)
Zusammenfassung:
• Drei-Säulen-Modell: ökologisch + ökonomisch + sozial gleichwertig
• Brundtland-Definition: Intergenerative Gerechtigkeit
• Agenda 21 (1992) → SDGs (2015); SDG 11 = nachhaltige Städte
• Flächenverbrauch ~52 ha/Tag; 30-Hektar-Ziel bis 2030
• Innenentwicklung, Nachverdichtung und Flächenrecycling als Lösungen
Abitur-Tipp: Das Drei-Säulen-Modell ist DAS Analyseraster im Geographie-Abitur. Wende es auf jede Raumanalyse an: Prüfe systematisch ökologische, ökonomische und soziale Aspekte und benenne Zielkonflikte.