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Segregation

Township Soweto in Südafrika
Definition und Formen

Segregation (lat. segregare = absondern) bezeichnet die räumliche Trennung von Bevölkerungsgruppen innerhalb einer Stadt. Verschiedene soziale Gruppen leben nicht gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt, sondern konzentrieren sich in bestimmten Vierteln. Man unterscheidet drei Hauptformen:

Soziale Segregation: Räumliche Trennung nach Einkommen und sozialem Status. Beispiel: Villenviertel vs. Großwohnsiedlung.
Ethnische Segregation: Räumliche Konzentration von Menschen mit Migrationshintergrund in bestimmten Stadtteilen. Beispiel: Türkische Community in Berlin-Kreuzberg, Chinatowns in US-Städten.
Demographische Segregation: Räumliche Trennung nach Alter oder Haushaltstyp. Beispiel: Junge Singles in der Innenstadt, Familien im Umland, Ältere in seniorengerechten Wohngebieten.

Segregation kann freiwillig sein (man möchte unter Gleichgesinnten leben) oder erzwungen (man kann sich nur bestimmte Viertel leisten oder wird durch Diskriminierung ausgeschlossen). In der Praxis überlagern sich häufig mehrere Segregationsformen.

Messung: Segregationsindex und Dissimilaritätsindex

Der Segregationsindex (IS) misst, wie stark sich die räumliche Verteilung einer Bevölkerungsgruppe von der Gesamtbevölkerung unterscheidet. Er liegt zwischen 0 (keine Segregation, gleichmäßige Verteilung) und 1 (vollständige Segregation, komplette räumliche Trennung).

Der Dissimilaritätsindex (ID) von Duncan & Duncan vergleicht die Verteilung zweier Gruppen (z. B. Deutsche und Ausländer) über alle Stadtteile. Er gibt an, welcher Prozentsatz einer Gruppe umziehen müsste, um eine Gleichverteilung herzustellen. Typische Werte für deutsche Großstädte liegen bei 0,25–0,40 für ethnische Segregation und bei 0,20–0,35 für soziale Segregation.

Im internationalen Vergleich ist die Segregation in deutschen Städten moderat. US-amerikanische Städte weisen deutlich höhere Werte auf (IS für Schwarze/Weiße: 0,50–0,80), ebenso Städte in Südafrika oder Lateinamerika.

Ursachen und Mechanismen

Segregation entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Mechanismen:

Wohnungsmarkt: Miet- und Kaufpreise sortieren Bevölkerungsgruppen nach Zahlungsfähigkeit. Gentrifizierung verstärkt die soziale Sortierung.
Diskriminierung: Vermieter bevorzugen bestimmte Mieter („statistische Diskriminierung“); Studien zeigen, dass Personen mit türkischen oder arabischen Namen seltener Wohnungsbesichtigungen erhalten.
Selbstselektion: Menschen ziehen bevorzugt dorthin, wo bereits ähnliche Personen leben („Gleich und Gleich gesellt sich gern“). Netzwerke, Infrastruktur (religiöse Einrichtungen, Geschäfte) und Sprache spielen eine Rolle.
Sozialer Wohnungsbau: Konzentration von Sozialwohnungen in bestimmten Vierteln (Großwohnsiedlungen der 1960er/70er Jahre).

Folgen und Bewertung

Negative Folgen von Segregation:

Benachteiligungseffekte (Neighbourhood Effects): Kinder in segregierten Armutsvierteln haben schlechtere Bildungschancen, da Schulen unter Ressourcenmangel leiden und positive Vorbilder fehlen.
Stigmatisierung: Bewohner bestimmter Viertel werden am Arbeitsmarkt benachteiligt („Postleitzahlen-Diskriminierung“).
Parallgesellschaften: Geringe Kontakte zwischen Gruppen erschweren Integration.
Soziale Spannungen: Sichtbare Ungleichheit zwischen benachbarten Vierteln kann zu Konflikten führen.

Differenzierte Betrachtung: Moderate ethnische Segregation kann auch positive Funktionen haben: Sie bietet Neuankömmlingen soziale Netzwerke, Anlaufstellen und kulturelle Identifikation („Ankunftsviertel“). Problematisch wird es erst, wenn Segregation mit dauerhafter Benachteiligung und fehlenden Aufstiegschancen verbunden ist.

Zusammenfassung:

• Segregation: räumliche Trennung nach sozialem Status, Ethnizität oder Alter
• Messung: Segregationsindex (0–1), Dissimilaritätsindex
• Ursachen: Wohnungsmarkt, Diskriminierung, Selbstselektion, Wohnungsbau
• Negative Folgen: Neighbourhood Effects, Stigmatisierung, Parallelgesellschaften
• Moderate ethnische Segregation kann auch Ankunftsfunktion erfüllen

Abitur-Tipp: Bei Segregation im Abitur immer differenziert argumentieren! Nenne nicht nur negative Folgen, sondern auch die Ankunftsfunktion. Nutze den Segregationsindex zur Quantifizierung.