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Musik und Film

Filmrolle als Symbol des Films
Was ist Filmmusik?

Die Filmmusik ist eine besondere Form der angewandten Musik: Sie wird nicht um ihrer selbst willen komponiert, sondern dient den Bildern und der Erzählung eines Films. Sie kann Stimmungen erzeugen, Charaktere kennzeichnen, Spannung aufbauen, Zeitsprünge überbrücken oder einfach das Geschehen emotional kommentieren.

Filmmusik ist seit Beginn des Tonfilms (1927, „The Jazz Singer“) ein eigenständiges Genre. Aber bereits zur Zeit des Stummfilms (1895–1927) wurde live im Kino musiziert – meist auf einer Klavierorgel oder mit einem kleinen Orchester. Es gab sogar gedruckte Notenbücher („cue sheets“) mit passenden Stimmungsstücken für jede Situation: Verfolgungsjagd, Liebesszene, Sterbeszene.

Für das hessische Abitur Musik ist die Filmmusik ein wichtiges Thema, weil sie zeigt, wie Musik und andere Künste (Film, Bild, Wort) aufeinander einwirken können.

Diegetisch vs. non-diegetisch

Die wichtigste Unterscheidung in der Filmmusiktheorie ist die zwischen diegetischer und non-diegetischer Musik:

Diegetische Musik (auch „Source Music“): Die Musik gehört zur Handlungswelt. Eine Figur singt, ein Radio spielt, eine Band tritt auf. Die Figuren des Films können die Musik hören.
Non-diegetische Musik (auch „Score“): Die Musik kommt von außerhalb der Filmwelt. Sie wird nur für den Zuschauer eingespielt; die Figuren können sie nicht hören. Das ist die typische „Hintergrundmusik“ eines Films.

Manche Filme spielen mit dieser Grenze. In Quentin Tarantinos „Kill Bill“ wechseln diegetische und non-diegetische Musik mehrfach. In „La La Land“ (2016) wird diegetische Musik (Jazzclub) zum tragenden Element des Films.

Das Leitmotiv

Das Leitmotiv stammt ursprünglich aus der Oper. Richard Wagner entwickelte es in seinen Musikdramen (vor allem im „Ring des Nibelungen“) zur kompositorischen Hauptmethode: Jede Figur, jeder Gegenstand und jede Idee bekommt ein eigenes Motiv, das immer wieder erklingt.

In der Filmmusik wurde das Leitmotiv zur Standardtechnik. Der Komponist John Williams ist dafür berühmt:

Star Wars (1977 ff.): Eigene Themen für Luke Skywalker, Darth Vader („Imperial March“), Prinzessin Leia und die „Force“
Indiana Jones (1981): Das berühmte Hauptthema, das mit Indiana Jones selbst verbunden ist
Harry Potter (2001): „Hedwig’s Theme“ als Erkennungsmotiv der Filmreihe
Schindler’s List (1993): Das melancholische Violinen-Hauptthema

Mickey Mousing

Unter Mickey Mousing versteht man die exakte Synchronisation von Musik und Bildbewegung. Der Begriff stammt aus den frühen Disney-Trickfilmen, in denen Musik jeden Schritt der Figur, jeden Schlag, jeden Sturz präzise illustriert. Wenn Mickey Mouse die Treppe herunterfällt, klingt jede einzelne Stufe in der Musik mit.

Mickey Mousing wirkt heute in „ernsten“ Filmen oft überladen oder kindlich; in Animationsfilmen ist es nach wie vor ein zentrales Stilmittel. Auch in Aktionssequenzen (z. B. bei den Indiana-Jones-Filmen) wird es eingesetzt: Eine schnelle Kamerafahrt wird durch einen rasanten Sechzehntellauf in den Streichern gespiegelt.

John Williams – der große Sinfoniker des Films

John Williams (geboren 1932) gilt als der wichtigste Filmkomponist der Gegenwart. Seine Musiken zu Star Wars, E.T., Indiana Jones, Jurassic Park, Schindler’s List, Harry Potter und vielen anderen Filmen haben Generationen geprägt. Er steht stilistisch in der Nachfolge der großen spätromantischen Komponisten (Wagner, Strauss, Mahler) und nutzt das volle sinfonische Orchester mit leitmotivischer Technik.

Williams hat über 100 Filmmusiken geschrieben, wurde 54-mal für den Oscar nominiert und gewann 5 Mal. Mit ihm wurde die sinfonische Filmmusik wieder etabliert, nachdem sie in den 1960er- und 70er-Jahren oft durch Pop-Soundtracks ersetzt worden war.

Hans Zimmer – Klangwelten und Sounddesign

Der deutsche Komponist Hans Zimmer (geboren 1957 in Frankfurt am Main) verkörpert eine modernere Schule der Filmmusik. Er kombiniert Orchester mit elektronischen Klängen, nutzt neue Aufnahmetechniken und arbeitet stärker mit Sounddesign als mit melodischen Themen.

Wichtige Zimmer-Soundtracks:

The Lion King (1994): Afrikanische Einflüsse, Oscar-prämiert
Gladiator (2000): Mischung aus Orchester und Weltmusik
Pirates of the Caribbean (2003 ff.)
Inception (2010): Der berühmte tiefe „BRAAAM“-Sound, der zum Markenzeichen wurde
Interstellar (2014): Orgel-basierte Musik, gewaltige Klangflächen
Dune (2021): Oscar-prämiert, experimentelle Klangwelten

Funktionen der Filmmusik

Die Filmmusiktheorie unterscheidet typische Funktionen, die Musik im Film übernehmen kann:

FunktionBeschreibung
AtmosphäreStimmung der Szene unterstreichen
CharakterisierungFigur durch Leitmotiv kennzeichnen
StrukturierungSzenen verbinden, Schnitte mildern
KommentarErzählerische Distanz, Ironie
AntizipationVorausdeuten auf das Kommende
KontrapunktBewusster Gegensatz zur Bildebene
Filmmusik und klassische Tradition

Bemerkenswert ist, wie stark die Filmmusik in der Tradition der Wiener Klassik und Romantik steht. Die Verwendung sinfonischer Orchester, leitmotivischer Strukturen, dramatischer Steigerungen und kontrapunktischer Verfahren zeigt die direkte Linie von Wagner und Strauss zu Williams und Zimmer. Der Filmkomponist ist gewissermaßen der Erbe des Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts.

Zusammenfassung:

• Diegetisch (in der Filmwelt) vs. non-diegetisch (Score)
• Leitmotiv: Erkennungsmotiv für Figur oder Idee (Wagner, John Williams)
• Mickey Mousing: exakte Synchronisation von Musik und Bild
• John Williams: Sinfonische Tradition (Star Wars, Indiana Jones)
• Hans Zimmer: Sounddesign, Elektronik (Inception, Interstellar, Dune)

Abitur-Tipp: Bei Filmmusik-Aufgaben in der Klausur wirst du oft eine Szene beschrieben bekommen. Achte darauf, ob die Musik diegetisch oder non-diegetisch ist, ob ein Leitmotiv verwendet wird und welche Funktion die Musik in der Szene hat. Konkrete Beispiele aus John Williams oder Hans Zimmer kannst du immer einbringen – sie sind den Prüfern bekannt.