Das Barock ist die musikgeschichtliche Epoche zwischen 1600 und 1750. Sie beginnt mit der Erfindung der Oper in Florenz und endet mit dem Tod von Johann Sebastian Bach. Der Begriff „Barock“ (vom portugiesischen „barroco“, eine unregelmäßig geformte Perle) wurde ursprünglich abwertend verwendet und bezeichnete den scheinbar überladenen Stil dieser Zeit.
Das Barock ist die Epoche der großen Gegensätze: Pracht und Innerlichkeit, Pomp und Tiefe, äußerster Affekt und höchste Form. In der Architektur denkt man an Versailles und Schloss Schönbrunn, in der Malerei an Rubens und Caravaggio, in der Literatur an Andreas Gryphius. Die Musik spiegelt diese Vielfalt: Sie reicht von der opernhaften Geste bis zur strengen Fuge, vom Concerto grosso bis zur Solokantate.
Drei Komponisten beherrschen das Barock: Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi. Daneben stehen Heinrich Schütz, Henry Purcell, Jean-Baptiste Lully und Jean-Philippe Rameau.
Das wichtigste musiktechnische Merkmal des Barock ist der Generalbass (italienisch „basso continuo“). In jeder Komposition läuft eine durchgehende Bassstimme, über der ein Akkordinstrument (Cembalo, Orgel, Theorbe) die Harmonien ergänzt. Die Akkorde werden als Ziffern unter der Bassstimme notiert – daher auch der Name „bezifferter Bass“. Das Barock ist gleichsam das „Zeitalter des Generalbasses“.
Inhaltlich bestimmend ist die Affektenlehre: Musik soll bestimmte Gefühlszustände (Affekte) auslösen – Freude, Trauer, Liebe, Zorn, Furcht. Für jeden Affekt gibt es musikalische Mittel: bestimmte Tonarten (D-Dur für Festlichkeit, c-Moll für Klage), bestimmte Rhythmen, bestimmte Figuren. Die Musik wirkt fast wie eine Sprache, in der die Affekte buchstabiert werden können.
Johann Sebastian Bach (1685–1750) ist die grösste Erscheinung der barocken Musik – und nach Meinung vieler die grösste Erscheinung der gesamten Musikgeschichte. Geboren in Eisenach, wirkte er als Organist und Kapellmeister in Arnstadt, Mühlhausen, Weimar, Köthen und schließlich von 1723 bis zu seinem Tod als Thomaskantor in Leipzig.
Sein Werk umfasst über 1100 Kompositionen (BWV-Nummern):
• Kantaten: über 200 Kirchenkantaten
• Passionen: Matthäus-Passion (BWV 244, 1727) und Johannes-Passion (BWV 245)
• h-Moll-Messe BWV 232
• Weihnachtsoratorium BWV 248
• Brandenburgische Konzerte BWV 1046–1051
• Wohltemperiertes Klavier BWV 846–893: zwei Bücher zu je 24 Präludien und Fugen in allen Tonarten
• Goldberg-Variationen BWV 988
• Die Kunst der Fuge BWV 1080
Georg Friedrich Händel (1685–1759) wurde im selben Jahr wie Bach geboren, schlug aber einen ganz anderen Lebensweg ein. Geboren in Halle, ging er später nach Italien und schließlich nach London, wo er als königlicher Komponist arbeitete. Händel war international, weltgewandt, ein Mann der großen Bühne.
Wichtige Werke:
• Wassermusik HWV 348–350 (1717): drei Suiten für Themse-Konzert
• Feuerwerksmusik HWV 351 (1749)
• Messiah HWV 56 (1741): bedeutendstes Oratorium, mit dem berühmten „Halleluja“-Chor
• Über 40 italienische Opern (z. B. „Rinaldo“, „Giulio Cesare“)
• Zahlreiche Concerti grossi und Orgelkonzerte
Antonio Vivaldi (1678–1741) war Priester (man nannte ihn „il prete rosso“, der rothaarige Priester) und Geigenlehrer am venezianischen Mädcheninstitut Ospedale della Pietà. Er schrieb über 500 Konzerte, in denen er die Form des dreisätzigen Solokonzerts (schnell-langsam-schnell) etablierte.
Sein bekanntestes Werk ist der Konzertzyklus „Le quattro stagioni“ (Die vier Jahreszeiten, op. 8, 1725) – vier Violinkonzerte, jeweils zu einer der vier Jahreszeiten, mit beigefügten Sonetten. Vivaldi malt darin Vogelgezwitscher („Frühling“), Sommerhitze, Erntedankfest und Wintersturm in der Musik.
Bach hat zahlreiche Konzerte Vivaldis bearbeitet und studiert – das macht den engen Zusammenhang der barocken Musik über Landesgrenzen hinweg deutlich.
Das Barock entwickelt eine ganze Reihe neuer Gattungen:
• Oper: Erfunden um 1600 in Florenz, entwickelt durch Monteverdi, dann in Italien (Cavalli), Frankreich (Lully), England (Purcell) und Deutschland (Hamburger Oper, später Händel)
• Oratorium: Geistliche Oper ohne Bühne (Händels Messiah)
• Kantate: Geistliche oder weltliche Vokalkomposition mit Soli und Chor (Bach)
• Passion: Vertonung der Leidensgeschichte Jesu (Bachs Matthäus-Passion)
• Concerto grosso: Solistengruppe vs. Orchester (Corelli, Bach Brandenburgische Konzerte)
• Solokonzert: Ein Solist gegen Orchester (Vivaldi)
• Suite: Folge von Tanzsätzen (Bach Cellosuiten)
• Fuge: Polyphone Form mit Themeneinsatz und Engführung (Bach)
Die Oper wurde um 1600 in Florenz geboren. Eine Gruppe von Dichtern, Musikern und Gelehrten, die Camerata fiorentina, wollte die antike griechische Tragödie wiederbeleben. Sie glaubten, dass diese ganz gesungen worden sei. Die Camerata schuf den Stile recitativo, einen Sprechgesang über Generalbass.
Die erste vollständig erhaltene Oper ist „Euridice“ von Jacopo Peri (1600). Das erste Meisterwerk der neuen Gattung ist Monteverdis „L’Orfeo“ (1607). Damit begann ein Siegeszug, der bis heute anhält.
Die Wiener Klassik baut direkt auf dem Barock auf. Die Sonatenhauptsatzform entwickelt sich aus der barocken zweiteiligen Tanzform. Die motivisch-thematische Arbeit hat ihre Wurzel in der Fuge Bachs. Mozart und Beethoven studierten Bachs Wohltemperiertes Klavier; Haydn besuchte sogar Ämter, um Werke von Händel zu hören.
Im hessischen Abiturerlass spielt das Barock eine zentrale Rolle. Bach (insbesondere die Matthäus-Passion und das Wohltemperierte Klavier) und Vivaldi (Vier Jahreszeiten) sind feste Bestandteile.
Zusammenfassung:
• Barock 1600–1750
• Generalbass und Affektenlehre als Hauptmerkmale
• Hauptkomponisten: Bach, Händel, Vivaldi
• Bach: Matthäus-Passion, Wohltemperiertes Klavier, h-Moll-Messe, Goldberg-Var.
• Händel: Messiah, Wassermusik, Opern in London
• Vivaldi: 4 Jahreszeiten, über 500 Konzerte
• Geburt der Oper um 1600 in Florenz
Abitur-Tipp: Wenn du das Barock charakterisieren sollst, denke immer an drei Schlagworte: Generalbass, Affektenlehre und Polyphonie. Nenne die drei Hauptkomponisten und mindestens je ein Hauptwerk. Für die Prüfung solltest du Bachs Matthäus-Passion und Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ sicher kennen.