Eine Tonleiter ist eine geordnete Reihe von Tönen innerhalb einer Oktave. Die beiden wichtigsten Tongeschlechter der abendländischen Musik sind Dur und Moll. Sie unterscheiden sich vor allem durch die Lage der Halbtonschritte.
Die Dur-Tonleiter hat das Halbtonschema 1–1–½–1–1–1–½. Beispiel C-Dur: c – d – e – f – g – a – h – c. Die Halbtöne liegen zwischen e–f und h–c. Dur klingt durch seine große Terz im Grundakkord traditionell hell und freundlich.
Die natürliche Moll-Tonleiter hat das Schema 1–½–1–1–½–1–1. Beispiel a-Moll: a – h – c – d – e – f – g – a. Daneben gibt es harmonisches Moll (mit erhöhter siebter Stufe, z. B. gis statt g) und melodisches Moll (mit erhöhter sechster und siebter Stufe aufwärts). Moll klingt durch seine kleine Terz dunkler, melancholischer.
Der Quintenzirkel ordnet alle 24 Tonarten (12 Dur- und 12 Moll-Tonarten) in einem geschlossenen Kreis. Bewegt man sich im Kreis nach rechts (im Uhrzeigersinn), kommt jeweils ein Kreuz hinzu, bewegt man sich nach links, ein Be.
Reihenfolge im Uhrzeigersinn: C – G – D – A – E – H – Fis – Cis. Gegen den Uhrzeigersinn: C – F – B – Es – As – Des – Ges – Ces. Jede Dur-Tonart hat eine Paralleltonart in Moll, die dieselben Vorzeichen besitzt: C-Dur und a-Moll, G-Dur und e-Moll usw.
Der Quintenzirkel ist nicht nur Lernhilfe, sondern auch ein Modell für harmonische Verwandtschaft. Tonarten, die im Zirkel benachbart sind, klingen verwandt. Bei einer Modulation wählen Komponisten oft die Dominante (eine Quint höher) oder die Subdominante (eine Quint tiefer).
Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen. Die Bezeichnung gibt die Anzahl der Stufen an, die zwischen den beiden Tönen liegen:
• Prime (1 Ton, kein Abstand)
• Sekunde (klein 1 Halbton, groß 2 Halbtöne)
• Terz (klein 3 Halbtöne, groß 4 Halbtöne)
• Quarte (rein 5 Halbtöne)
• Quinte (rein 7 Halbtöne)
• Sexte, Septime, Oktave (12 Halbtöne)
Man unterscheidet zwischen reinen Intervallen (Prime, Quarte, Quinte, Oktave) und großen/kleinen Intervallen (Sekunde, Terz, Sexte, Septime). Reine Intervalle können vermindert oder übermäßig werden, große/kleine Intervalle ebenfalls.
Ein Dreiklang besteht aus drei Tönen, die in Terzschichtung aufeinander aufgebaut sind. Es gibt vier Grundtypen:
• Dur-Dreiklang: große Terz + kleine Terz (z. B. c–e–g) – klingt hell, stabil
• Moll-Dreiklang: kleine Terz + große Terz (z. B. a–c–e) – klingt dunkel, melancholisch
• Verminderter Dreiklang: kleine Terz + kleine Terz (z. B. h–d–f) – instabil, spännungsvoll
• Übermäßiger Dreiklang: große Terz + große Terz (z. B. c–e–gis) – schwebend, geheimnisvoll
Dreiklänge bilden die Grundlage der tonalen Harmonik. Ein Dreiklang kann in Grundstellung (Grundton unten), 1. Umkehrung / Sextakkord (Terz unten) oder 2. Umkehrung / Quartsextakkord (Quinte unten) erscheinen.
Die Funktionsharmonik wurde von Hugo Riemann (1893) entwickelt. Sie beschreibt Akkorde nach ihrer Funktion innerhalb einer Tonart. Drei Hauptfunktionen prägen die abendländische Harmonik:
• Tonika (T): Akkord auf der ersten Stufe, das harmonische Zentrum, Ruhepol
• Subdominante (S): Akkord auf der vierten Stufe, einleitend, „wegführend“
• Dominante (D): Akkord auf der fünften Stufe, spannungsgeladen, drängt zurück zur Tonika
In C-Dur sind das die Akkorde: T = C-Dur (c–e–g), S = F-Dur (f–a–c), D = G-Dur (g–h–d). Die Dominante wird oft zur Dominantseptakkord (D7) erweitert (g–h–d–f), wodurch ihr Drang zur Tonika verstärkt wird.
Neben den Hauptfunktionen gibt es Parallelen: zu jeder Hauptfunktion in Dur gibt es eine Mollparallele eine kleine Terz tiefer. In C-Dur: Tonikaparallele (Tp) = a-Moll, Subdominantparallele (Sp) = d-Moll, Dominantparallele (Dp) = e-Moll.
Die Stufentheorie bezeichnet die Akkorde einer Tonart mit römischen Ziffern. Sie wird besonders in der Jazz- und Popharmonielehre sowie in der amerikanischen Musiktheorie verwendet:
• I = Tonika (in C-Dur: C-Dur)
• II = Sekundakkord, in Dur Moll (d-Moll)
• III = Mediante, in Dur Moll (e-Moll)
• IV = Subdominante (F-Dur)
• V = Dominante (G-Dur)
• VI = Submediante, in Dur Moll (a-Moll)
• VII° = verminderter Septklang (h–d–f)
Die wichtigste Akkordfolge im Jazz und Pop ist die II–V–I-Verbindung: Sie führt über Sekund- und Dominantfunktion zur Tonika (in C-Dur: Dm7 – G7 – Cmaj7).
Eine Kadenz (von lat. cadere „fallen“) ist eine harmonische Schlusswendung. Sie gibt einer Phrase oder einem ganzen Stück Ruhe und Abschluss. Wichtige Kadenztypen:
• Authentische Kadenz: D – T (Dominante zu Tonika), die stärkste Schlusswirkung
• Plagale Kadenz: S – T (Subdominante zu Tonika), auch „Amen-Schluss“ genannt
• Vollständige Kadenz: T – S – D – T, das harmonische Grundgerüst der Tonalität
• Trugschluss: D – Tp (statt zur Tonika kehrt es zur Tonikaparallele um), überraschend
Die vollständige Kadenz T–S–D–T bildet das harmonische Gerüst fast aller Stücke der Wiener Klassik. Sie ist auch im Pop und Jazz bis heute der wichtigste Bezugspunkt.
Zusammenfassung:
• Tonleitern: Dur (1–1–½–1–1–1–½), Moll (natürlich, harmonisch, melodisch)
• Quintenzirkel: 12 Dur- und 12 Molltonarten, Vorzeichen-System
• Intervalle: Sekunde, Terz, Quarte, Quinte, Sexte, Septime, Oktave
• Dreiklänge: Dur, Moll, vermindert, übermäßig
• Funktionsharmonik: Tonika, Subdominante, Dominante (T–S–D)
• Stufentheorie: I, II, III, IV, V, VI, VII°
• Kadenzen: authentisch, plagal, vollständig, Trugschluss
Abitur-Tipp: Lerne die Tonarten des Quintenzirkels mit ihren Vorzeichen sicher auswendig – sie sind die Voraussetzung für jede Werkanalyse. Beherrsche die Funktionsbezeichnung T–S–D in Dur und Moll und übe die II–V–I-Verbindung sowohl in funktionaler als auch in stufentheoretischer Schreibweise. In der Klausur reicht oft eine kurze Funktionsanalyse, um die formale Gliederung eines Werkes nachvollziehbar zu belegen.