Eine musikalische Gattung ist eine Werkkategorie mit charakteristischen Merkmalen in Besetzung, Form, Aufbau und Funktion. Ähnlich wie literarische Gattungen (Roman, Drama, Lyrik) ordnen sie ein einzelnes Werk in eine Tradition ein. Manche Gattungen sind über Jahrhunderte stabil geblieben (Sinfonie, Sonate), andere haben sich stark gewandelt oder sind verschwunden.
Die Sinfonie ist die wichtigste Orchestergattung. Sie ist ein meist viersätziges Werk für großes Orchester. Der Standardaufbau seit Haydn lautet: 1. Satz Sonatensatz (schnell), 2. Satz langsam, 3. Satz Menuett oder Scherzo, 4. Satz Finale. Hauptvertreter: Joseph Haydn (104 Sinfonien), Mozart (Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550, 1788), Beethoven (9. Sinfonie d-Moll op. 125, 1824), Schubert, Brahms, Bruckner, Mahler.
Das Solokonzert stellt einen Solisten dem Orchester gegenüber. Es ist meist dreisätzig (schnell – langsam – schnell). Im 1. Satz ist die Doppelexposition charakteristisch: Erst stellt das Orchester die Themen vor, dann der Solist. Klassische Beispiele: Mozart Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll KV 466 (1785), Beethoven Violinkonzert D-Dur op. 61 (1806), Tschaikowski Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23 (1875).
Die Sonate ist ein mehrsätziges Werk für ein Soloinstrument oder ein Soloinstrument mit Klavier. Die Klaviersonaten der Wiener Klassik (Haydn, Mozart, Beethoven) folgen meist dem viersätzigen Aufbau wie die Sinfonie. Beethoven komponierte 32 Klaviersonaten, darunter die Mondscheinsonate op. 27 Nr. 2 (1801), die Pathétique op. 13 (1798) und die Hammerklaviersonate op. 106 (1818).
Das Streichquartett ist die Kerngattung der Kammermusik. Es besteht aus zwei Violinen, einer Bratsche und einem Violoncello. Der viersätzige Aufbau entspricht dem der Sinfonie. Haydn gilt mit seinen Streichquartetten op. 76 (1797) als der eigentliche „Vater des Streichquartetts“. Auch Mozart, Beethoven (16 Streichquartette) und Schubert schrieben Meilensteine der Gattung.
Das Kunstlied ist ein vertontes Gedicht für Singstimme und Klavier. Blüte im 19. Jahrhundert (Romantik). Franz Schubert (1797–1828) komponierte über 600 Lieder, darunter die Zyklen Die schöne Müllerin D 795 (1823) und Winterreise D 911 (1827). Weitere Hauptvertreter: Robert Schumann (Dichterliebe op. 48, 1840), Hugo Wolf, Gustav Mahler.
Die Oper ist ein großes szenisches Musikwerk für Solisten, Chor und Orchester mit Handlung, Bühnenbild und Kostümen. Beispiele: Mozart Le nozze di Figaro KV 492 (1786), Verdi La Traviata (1853), Wagner Tristan und Isolde (1865).
Das Oratorium ist ein großes geistliches Vokalwerk ohne szenische Darstellung. Bach Weihnachtsoratorium BWV 248 (1734), Händel Messiah HWV 56 (1741), Haydn Die Schöpfung Hob. XXI:2 (1798).
Die Kantate ist ein kleineres mehrsätziges Vokalwerk für Solisten, Chor und Instrumente, oft im Gottesdienst gesungen. Bach komponierte über 200 Kantaten für die Leipziger Thomaskirche.
Zusammenfassung:
• Sinfonie: großes Orchesterwerk, viersätzig (Haydn, Mozart, Beethoven)
• Solokonzert: Solist + Orchester, dreisätzig
• Sonate: Soloinstrument oder mit Klavier, mehrsätzig
• Streichquartett: 2 Violinen, Bratsche, Cello
• Lied: Singstimme + Klavier (Schubert)
• Oper: szenisches Vokalwerk; Oratorium: geistlich, ohne Szene; Kantate: kleines Vokalwerk
Abitur-Tipp: Merke dir zu jeder Gattung mindestens ein Schlüsselwerk mit Komponist, Werknummer und Jahr. In der Klausur kann eine Gattungsbestimmung verlangt werden – achte auf Besetzung, Satzanzahl und Aufbau.