Der Begriff Popmusik (von „popular music“) bezeichnet populäre, kommerziell verbreitete Musik, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem in den USA und in Großbritannien entstanden ist. Sie ist geprägt durch kurze, eingängige Songs, einfache Strukturen (Strophe–Refrain), elektrische Instrumente und massenmediale Verbreitung über Schallplatte, Radio, Fernsehen und heute Streaming.
Die Popmusik ist eine Jugendkultur und seit den 1950er Jahren immer auch Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche – von der Rebellion gegen das Establishment bis zur Globalisierung der Musikkultur.
Der Rock’n’Roll entsteht Mitte der 1950er Jahre in den USA aus der Verbindung von Rhythm and Blues (afroamerikanische Tradition) und Country (weiße Tradition). Charakteristisch sind das 12-Bar-Blues-Schema, der gerade Beat (statt swingender Achtel), die elektrische Gitarre und ein jugendlich-rebellisches Image.
Elvis Presley (1935–1977) wird mit Hits wie Heartbreak Hotel (1956) und Hound Dog (1956) zum „King of Rock’n’Roll“. Chuck Berry (1926–2017) prägt mit Johnny B. Goode (1958) das Bild des Gitarrensolos und des Rock-Songs schlechthin. Daneben wirken Little Richard, Jerry Lee Lewis und Buddy Holly.
In den 1960er Jahren verlagert sich das Zentrum der Popmusik nach Großbritannien. Die British Invasion beginnt 1964 mit den Beatles (John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr). Die Band aus Liverpool revolutioniert die Popmusik mit Alben wie Rubber Soul (1965), Revolver (1966) und Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967). Sie verbinden Pop, Folk, Klassik, indische Musik und Studio-Experimente.
Parallel entstehen die Rolling Stones mit Mick Jagger und Keith Richards. Sie verkörpern die rauere, bluesgeprägte Seite des Rock. Hits wie (I Can’t Get No) Satisfaction (1965) und Paint It Black (1966) machen sie zur ewigen Gegenfigur der Beatles. Auch Jimi Hendrix, The Who, Bob Dylan und The Doors prägen die zweite Hälfte der 1960er.
In den 1970er Jahren teilt sich die Popmusik in zwei gegensätzliche Lager. Auf der einen Seite die Disco: tanzbar, hedonistisch, mit gleichmäßigem Vier-Viertel-Bass-Beat („Four-on-the-Floor“) und Streichern. Wichtige Vertreter sind die Bee Gees (Saturday Night Fever, 1977), Donna Summer und Chic.
Auf der anderen Seite der Punk: laut, schnell, antikommerziell, oft politisch. Die Sex Pistols (London) veröffentlichen 1977 das Album Never Mind the Bollocks mit Hits wie Anarchy in the UK und God Save the Queen. Die Ramones (New York) liefern 1976 mit ihrem Debutalbum die musterhaften kurzen, schnellen, harten Punk-Songs. Daneben Clash, Buzzcocks, Patti Smith.
Im Bronx (New York) entwickelt sich Mitte der 1970er Jahre eine neue afroamerikanische Musikkultur: der HipHop. Er besteht aus vier Elementen: Rapping (rhythmisches Sprechen), DJing (Plattenauflegen, Scratchen), Breakdance und Graffiti. Grandmaster Flash (DJ und Pionier) veröffentlicht 1982 mit The Message einen der ersten gesellschaftskritischen HipHop-Songs.
In den späten 1980ern wird HipHop politisch aufgeladen: Public Enemy veröffentlichen It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back (1988). In den 1990ern entstehen Subgenres wie Gangsta-Rap (Dr. Dre, Tupac, Notorious B.I.G.) und Conscious Rap. Heute ist HipHop weltweit das meistgehörte Popgenre.
Anfang der 1990er Jahre kommt aus Seattle der Grunge: eine Mischung aus Punk und Heavy Metal mit melancholischen Texten. Die wichtigste Band ist Nirvana mit dem Album Nevermind (1991). Der Song Smells Like Teen Spirit wird zur Generationenhymne. Auch Pearl Jam, Soundgarden und Alice in Chains prägen den Stil.
In Großbritannien entsteht parallel der Britpop: melodischer, wieder stärker an der britischen Tradition (Beatles, Kinks) orientiert. Hauptvertreter sind Oasis (Definitely Maybe, 1994) und Blur (Parklife, 1994). Daneben Pulp, Suede und später Radiohead, das mit OK Computer (1997) den Britpop hinter sich lässt.
Seit den 2000er Jahren wird die Popmusik von elektronischer Tanzmusik (EDM) dominiert. DJs wie David Guetta, Calvin Harris, Avicii und Skrillex werden zu Stars, die Stadien füllen. Subgenres wie House, Techno, Dubstep und Trap prägen die Charts.
Mit dem Aufkommen von Streaming-Diensten wie Spotify (gegründet 2006) und Apple Music verändert sich die Musikindustrie radikal. Songs werden kürzer (oft unter 3 Minuten), beginnen sofort mit dem Refrain und sind auf Algorithmen optimiert. Soziale Medien wie TikTok machen Songs über Nacht zu Hits. Stars wie Billie Eilish, Taylor Swift, Drake und Bad Bunny dominieren die Charts der 2020er Jahre.
Zusammenfassung:
• Rock’n’Roll (ab 1955): Elvis, Chuck Berry
• 1960er: Beatles, Rolling Stones, British Invasion
• 1970er: Disco (Bee Gees) vs. Punk (Sex Pistols, Ramones)
• HipHop (ab 1979): Grandmaster Flash, Public Enemy
• 1990er: Grunge (Nirvana), Britpop (Oasis, Blur)
• 2000er und 2010er: EDM (Guetta, Avicii)
• Streaming-Ära: Spotify, TikTok, kürzere Songs
Abitur-Tipp: Lerne für jede Epoche mindestens einen Hauptvertreter mit einem charakteristischen Werk und Jahreszahl. Besonders wichtig sind Elvis (1956), Beatles (Sgt. Pepper 1967), Sex Pistols (1977), Public Enemy (1988), Nirvana (Nevermind 1991). In der Klausur kann es um den Zusammenhang von Musik und Gesellschaft gehen – Punk und HipHop sind dabei besonders ergiebig, weil sie deutlich politisch lesbar sind.