Die Messe ist die wichtigste liturgische Form der katholischen Kirche. Sie folgt dem festen Text des Ordinariums (das „Ordentliche“), das sich aus fünf Teilen zusammensetzt: Kyrie (Herr, erbarme dich), Gloria (Ehre sei Gott), Credo (Glaubensbekenntnis), Sanctus (Heilig) und Agnus Dei (Lamm Gottes). Daneben gibt es das wechselnde Proprium, das je nach Festtag andere Texte enthält.
Beispiele: Bachs h-Moll-Messe BWV 232 (1748/49) ist eine der größten Messvertonungen überhaupt. Mozarts Krönungsmesse KV 317 (1779) und Beethovens Missa solemnis op. 123 (1823) gehören ebenfalls zum Kanon.
Das Oratorium ist ein großes geistliches Vokalwerk für Solisten, Chor und Orchester – aber ohne szenische Darstellung. Es wird im Konzertsaal oder in der Kirche aufgeführt. Sein bekanntestes Beispiel ist Georg Friedrich Händels Oratorium Messiah HWV 56 (1741). Es enthält den berühmten Hallelujah-Chor, bei dem das Publikum traditionell aufsteht.
Auch Bachs Weihnachtsoratorium BWV 248 (1734) und seine Matthäuspassion BWV 244 (1727) sind oratorische Werke. Joseph Haydns Oratorium Die Schöpfung Hob. XXI:2 (1798) verbindet biblischen Schöpfungstext mit klangmalerischen Effekten (Sonnenaufgang).
Das Kunstlied ist die typische Vokalgattung der Romantik. Es vertont meist ein Gedicht eines bekannten Dichters für Singstimme und Klavier. Hauptvertreter ist Franz Schubert (1797–1828) mit über 600 Liedern. Seine Liederzyklen Die schöne Müllerin D 795 (1823) und Winterreise D 911 (1827, nach Wilhelm Müller) sind Höhepunkte der Gattung.
Weitere wichtige Liedkomponisten: Robert Schumann (Dichterliebe op. 48, 1840), Johannes Brahms, Hugo Wolf, Gustav Mahler. Charakteristisch ist die enge Verzahnung von Text und Musik – das Klavier ist nicht nur Begleitung, sondern interpretiert das Gedicht mit.
Die Oper ist die größte szenische Vokalgattung. Sie verbindet Musik, Text, Schauspiel und Bühnenbild zu einem Gesamtkunstwerk. Sie entstand um 1600 in Florenz mit Werken wie Monteverdis L’Orfeo (1607). Höhepunkte der Operngeschichte:
• Mozart: Le nozze di Figaro KV 492 (1786), Don Giovanni KV 527 (1787), Die Zauberflöte KV 620 (1791)
• Verdi: La Traviata (1853), Aïda (1871)
• Wagner: Tristan und Isolde (1865), Der Ring des Nibelungen (1876)
• Puccini: La Bohème (1896), Tosca (1900), Madama Butterfly (1904)
Die Operette (italienisch „kleine Oper“) ist eine leichtere, unterhaltsame Form der Oper mit gesprochenen Dialogen, Tanzeinlagen und einer häufig komischen Handlung. Sie blühte vor allem im 19. Jahrhundert in Wien und Paris. Hauptvertreter sind Jacques Offenbach (Orphée aux enfers, 1858), Johann Strauß (Sohn) (Die Fledermaus, 1874) und Franz Lehár (Die lustige Witwe, 1905).
Zusammenfassung:
• Messe: liturgisches Vokalwerk, Ordinariumstext (Bach h-Moll-Messe)
• Oratorium: geistlich, ohne Szene (Händel Messiah 1741)
• Kunstlied: Gedichtvertonung (Schubert Winterreise 1827)
• Oper: szenisches Gesamtkunstwerk (Mozart, Verdi, Wagner, Puccini)
• Operette: leichte Oper (Strauß, Offenbach, Lehár)
Abitur-Tipp: Lerne die fünf Teile des Ordinariums (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei) auswendig. Für das Lied ist Schuberts Winterreise das wichtigste Pflichtbeispiel.