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Konzertformen

Konzertsaal während einer Aufführung
Was ist ein Konzert?

Im musikalischen Sinn bezeichnet das Wort Konzert nicht nur die Veranstaltung im Konzertsaal, sondern eine bestimmte Werkgattung: Ein Werk, in dem ein kleines Solo-Ensemble oder ein einzelner Solist dem großen Orchester gegenübergestellt wird. Der italienische Begriff concertare bedeutet sowohl „wetteifern“ als auch „zusammenwirken“ – und genau darum geht es: Solist und Orchester treten in einen musikalischen Dialog.

Concerto grosso (Barock)

Das Concerto grosso ist die typische Konzertform des Barock. Hier wird eine kleine Solistengruppe (das Concertino, meist drei oder vier Instrumente) dem großen Orchester (dem Tutti oder Ripieno) gegenübergestellt. Die Form ist meist drei- oder viersätzig.

Begründer der Gattung war der italienische Komponist Arcangelo Corelli (1653–1713) mit seinen Concerti grossi op. 6 (postum 1714 veröffentlicht). Den Höhepunkt bilden die sechs Brandenburgischen Konzerte BWV 1046–1051 von Johann Sebastian Bach (1721). Sie zeigen sechs sehr unterschiedliche Besetzungen des Concertinos, vom Solo-Cembalo (Nr. 5) bis zur Streichergruppe (Nr. 3). Auch Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel trugen entscheidend zur Entwicklung der Gattung bei.

Das klassische Solokonzert

Mit der Wiener Klassik tritt das Solokonzert in den Vordergrund: Ein einziger Solist tritt dem ganzen Orchester gegenüber. Der typische Aufbau ist dreisätzig: 1. Satz schnell (Sonatensatz mit Doppelexposition), 2. Satz langsam (lyrisch), 3. Satz Finale (oft Rondo).

Charakteristisch für den ersten Satz ist die Doppelexposition: Erst stellt das Orchester die Themen vor, dann der Solist. Vor der Reprise gibt es oft eine Kadenz (eine improvisatorische Solo-Passage, in der der Solist seine Virtuosität zeigen kann). Im 19. Jahrhundert wurden Kadenzen meist auskomponiert.

Mozart und Beethoven als Konzertkomponisten

Wolfgang Amadeus Mozart komponierte 27 Klavierkonzerte. Besonders berühmt sind das Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll KV 466 (1785) und das Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467 (1785). Mozart schrieb die Klavierkonzerte meist für seine eigenen Konzertauftritte in Wien.

Ludwig van Beethoven komponierte fünf Klavierkonzerte und ein Violinkonzert. Sein Violinkonzert D-Dur op. 61 (1806) ist eines der berühmtesten Werke der Gattung überhaupt. Auch das 5. Klavierkonzert Es-Dur op. 73 (1809), genannt „Emperor“, gehört zum Standardrepertoire.

Im 19. Jahrhundert wird das Solokonzert immer virtuoser: Werke wie Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23 (1875) oder Brahms’ Violinkonzert D-Dur op. 77 (1878) verlangen vom Solisten außergewöhnliche technische Fähigkeiten.

Zusammenfassung:

• Concerto grosso: kleine Solistengruppe (Concertino) gegen Orchester (Tutti)
• Hauptvertreter: Corelli op. 6 (1714), Bach Brandenburgische Konzerte (1721)
• Solokonzert: ein Solist + Orchester, dreisätzig, mit Doppelexposition
• Mozart: 27 Klavierkonzerte (KV 466, KV 467 1785)
• Beethoven: Violinkonzert op. 61 (1806), 5. Klavierkonzert op. 73 (1809)

Abitur-Tipp: Bachs Brandenburgische Konzerte (1721) und Beethovens Violinkonzert op. 61 (1806) sind die zwei Pflichtbeispiele für diese Gattung. Übe das Erkennen der Doppelexposition im klassischen Solokonzert.