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Musik im religiösen Kontext

Geistliche Musik über die Jahrhunderte

Vom Gregorianischen Choral des Mittelalters bis zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts war die Kirche über Jahrhunderte der wichtigste Auftraggeber der Musik. Komponisten schufen liturgische Werke für den Gottesdienst (Messen, Motetten) und große konzertante Werke für besondere kirchliche Anlässe (Passionen, Oratorien, Requien). Religiöse Musik ist daher untrennbar mit der Geschichte der Kunstmusik verbunden.

Bachs Passionen

Johann Sebastian Bach (1685–1750) komponierte als Thomaskantor in Leipzig zwei monumentale Passionen, die zu den größten Werken der Musikgeschichte zählen. Eine Passion erzählt das Leiden und Sterben Jesu Christi nach einem der vier Evangelien.

Die Johannespassion BWV 245 (1724) ist die frühere, dramatischere Vertonung. Die Matthäuspassion BWV 244 (1727) ist gewaltiger angelegt: doppelchörig, mit zwei Orchestern, mehreren Solisten und Choral-Cantus-firmus-Sätzen. Sie wurde 1829 von Felix Mendelssohn wiederaufgeführt und löste die Bach-Renaissance aus.

Bachs h-Moll-Messe

Bachs h-Moll-Messe BWV 232 entstand in mehreren Etappen und wurde erst 1748/49 vollendet. Sie ist die katholische Vollform einer Messe (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei) – ungewöhnlich für einen lutherischen Komponisten. Bach verwendete für die Messe viel Material aus früheren Werken (Parodieverfahren). Sie gilt als sein musikalisches Vermächtnis und einer der absoluten Höhepunkte der geistlichen Musik überhaupt.

Mozarts Requiem

Das Requiem d-Moll KV 626 ist Mozarts letztes Werk. Es wurde 1791 von einem unbekannten Auftraggeber bestellt – später stellte sich heraus, dass es Graf Walsegg war, der es als sein eigenes Werk ausgeben wollte. Mozart starb am 5. Dezember 1791, bevor er das Requiem vollenden konnte. Sein Schüler Franz Xaver Süßmayr ergänzte das Werk nach Mozarts Skizzen.

Ein Requiem ist eine Totenmesse: eine Messe für die Seele eines Verstorbenen. Sie folgt einem festen Textablauf mit Teilen wie Requiem aeternam, Dies irae, Lacrimosa, Lux aeterna. Mozarts Requiem ist tief ergreifend und vereint klassische Klarheit mit barocker Strenge.

Verdis Requiem

Auch der italienische Opernkomponist Giuseppe Verdi (1813–1901) schuf 1874 ein großes Messa da Requiem – zum Gedenken an den Schriftsteller Alessandro Manzoni. Verdis Requiem ist von gewaltiger dramatischer Wucht. Der berühmte Dies irae-Satz mit donnernden Pauken und schreienden Bläsern wirkt fast opernhaft. Manche Kritiker spotteten zur Uraufführung, es sei mehr Oper als Kirchenmusik – doch genau diese theatralische Direktheit macht das Werk so eindringlich.

Zusammenfassung:

• Bach Johannespassion BWV 245 (1724), Matthäuspassion BWV 244 (1727)
• Bach h-Moll-Messe BWV 232 (1748/49)
• Mozart Requiem d-Moll KV 626 (1791, vollendet von Süßmayr)
• Verdi Messa da Requiem (1874)

Abitur-Tipp: Bachs Matthäuspassion (1727) und Mozarts Requiem KV 626 (1791) sind die zentralen Pflichtbeispiele. Lerne den Aufbau einer Messe (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei) und einer Totenmesse (Requiem äternam, Dies irä, Lacrimosa, Lux äterna) sicher auswendig.