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Die Römische Republik

SPQR-Standarte der Römischen Republik
Vom Königreich zur Republik

Die Römische Republik (lat. res publica – „öffentliche Sache“) bestand von etwa 509 v.Chr. bis 27 v.Chr., also fast 500 Jahre. Sie folgte der Königszeit, die der Überlieferung nach mit der Vertreibung des letzten Königs Tarquinius Superbus durch Lucius Iunius Brutus endete. Der Mythos berichtet, dass Brutus nach der Vergewaltigung der edlen Lucretia das Volk zum Aufstand gerufen habe. Seitdem schworen die Römer, niemals wieder einen König zu dulden.

An die Stelle des Königs traten zwei Konsuln, die jeweils nur ein Jahr im Amt waren und sich gegenseitig durch ein Vetorecht (intercessio) kontrollierten. Damit war ein Grundprinzip der römischen Verfassung etabliert: Annuität (jährlicher Wechsel) und Kollegialität (Doppelbesetzung).

Für das hessische Latein-Abitur 2026 ist die römische Verfassung wichtig, weil Cicero in De re publica, in den Reden gegen Catilina und in De officiis immer wieder von den Ämtern, vom Senat und von der Verfassung spricht. Wer die Strukturen der Republik kennt, versteht Ciceros politische Reden viel besser.

Senat

Das mächtigste Organ der Republik war der Senat (senatus, von senex „alter Mann“). Er bestand ursprünglich aus etwa 300 ehemaligen Beamten, später aus 600 (unter Sulla) bzw. 900 (unter Caesar). Mitglieder waren auf Lebenszeit ernannte ehemalige Magistrate. Der Senat hatte keine formalen Gesetzgebungsbefugnisse, war aber faktisch das wichtigste Gremium: Er beriet die Magistrate, lenkte die Aussenpolitik, verwaltete die Finanzen und kontrollierte die Provinzen. Seine Beschlüsse hiessen senatus consulta.

Cicero pries den Senat oft als „Rat des römischen Volkes“: „Senatus est populi Romani consilium.“ Er sah in ihm den Hort der Tradition (mos maiorum) und der staatlichen Stabilität.

Magistrate und cursus honorum

Die römischen Beamten (Magistrate) durchliefen eine festgelegte Ämterlaufbahn, den cursus honorum. Jedes Amt war zeitlich begrenzt und an ein bestimmtes Mindestalter gekoppelt. Die Reihenfolge war:

AmtAnzahlAufgabe
Quaestor20 (später 40)Finanzverwaltung
Aedilis4Bauwesen, Marktaufsicht, Spiele
Praetor8 (später 16)Rechtsprechung
Consul2Höchstes Amt, Oberbefehl, Senatsleitung
Censor2 (alle 5 Jahre)Volkszählung, Sittenüberwachung
Dictator1 (Notfall)Auf 6 Monate, alleiniger Befehlshaber

Wer alle Ämter durchlaufen hatte, war ein vir consularis. Der cursus honorum stand grundsätzlich allen Bürgern offen, war aber faktisch eine Domäne der adligen Familien (Nobilität).

Volkstribunen

Eine Besonderheit waren die Volkstribunen (tribuni plebis). Sie wurden von der plebeischen Bevölkerungsschicht zur Vertretung ihrer Interessen gewählt. Ihre Person war sakrosankt (unantastbar) – wer ihnen Gewalt antat, war dem Tod verfallen. Ihre wichtigste Befugnis war die intercessio, das Vetorecht: Sie konnten jeden Beschluss der Magistrate oder des Senats durch ein einziges Wort blockieren.

Die Tribunen waren das wichtigste Instrument der Plebs gegen die Patrizier und später ein wichtiges Werkzeug der Volksparteiführer. Tiberius und Gaius Gracchus, Saturninus, Clodius – viele bedeutende Politiker der Spätrepublik nutzten das Tribunat, um Reformen oder Konflikte voranzutreiben.

Volksversammlungen (Comitia)

Es gab in Rom mehrere Volksversammlungen, jede mit eigenen Aufgaben:

VersammlungMitgliederAufgabe
Comitia centuriatanach VermögensklassenWahl von Konsuln, Praetoren, Censoren; Krieg und Frieden
Comitia tributanach Tribus (Wohnbezirken)Wahl niederer Magistrate, Gesetzgebung
Concilium plebisnur PlebejerWahl der Tribunen, Plebiszite

Die Comitia centuriata waren stark patrizisch dominiert, weil die Stimmgewichtung den Reichen zugutekam. Die Comitia tributa und das Concilium plebis waren demokratischer. Trotzdem war Rom keine Demokratie im modernen Sinn: Die Mehrheit der Bürger lebte ausserhalb Roms und konnte praktisch nicht abstimmen.

SPQR und römische Identität

Das berühmte Kürzel SPQR stand auf den römischen Standarten: Senatus Populusque Romanus – „Senat und römisches Volk“. Es drückte das Selbstverständnis der Republik aus: Die Macht ruht beim Senat und beim Volk gemeinsam. Wenn Cicero von der res publica spricht, meint er nicht einfach „den Staat“, sondern diese gemeinschaftliche Sache aller Bürger.

Die römischen Werte (mos maiorum) bildeten das ungeschriebene Fundament der Verfassung: virtus, pietas, fides, gravitas, constantia, dignitas. Wer diese Tugenden verkörperte, war ein vir bonus.

Krise und Untergang der Republik

Die Republik geriet seit dem 2. Jh. v.Chr. in eine Dauerkrise. Die Eroberungen brachten enormen Reichtum, der in wenige Hände floss. Die Bauern verarmten und zogen in die Stadt. Die Heeresreform des Marius schuf Söldnerheere, die ihrem Feldherrn statt dem Staat treu waren. Bürgerkriege (Marius–Sulla, Caesar–Pompeius) zeigten, dass die alte Verfassung den neuen Realitäten nicht mehr gewachsen war.

Cicero versuchte die Republik mit dem Konzept der concordia ordinum (Eintracht der Stände) zu retten – vergeblich. Mit Caesars Diktatur (49–44 v.Chr.) und schließlich Augustus' Prinzipat (ab 27 v.Chr.) endete die Republik. Augustus liess die alten Ämter formal bestehen, vereinte aber alle Macht in seiner Person.

Tacitus später: „Posterior cuncta in se trahere coepit, quae senatus, magistratus, leges erant.“ – „Augustus zog später alles an sich, was Senat, Beamten und Gesetzen gehörte.“

Zusammenfassung:

• 509–27 v.Chr., entstanden mit Vertreibung der Könige
• Annuität und Kollegialität als Grundprinzipien
• Senat: 300–900 Mitglieder auf Lebenszeit, faktisch mächtigstes Organ
• cursus honorum: Quaestor – Aedilis – Praetor – Consul (– Censor)
• Volkstribunen: sakrosankt, mit Vetorecht (intercessio)
• Comitia centuriata, tributa, concilium plebis
• SPQR = Senatus Populusque Romanus
• Untergang durch Reichtumskrise, Söldnerheere, Bürgerkriege

Abitur-Tipp: Lerne den cursus honorum auswendig – ein Klassiker der Mündlichen. Wer das Vetorecht der Volkstribunen kennt und das ungeschriebene Wertfundament (mos maiorum) nennen kann, versteht Cicero richtig. Wenn du ein Cicero-Zitat interpretierst und das Wort „senatus consultum“ oder „intercessio“ auftaucht: erkläre es! Verknüpfe Ciceros „concordia ordinum“ mit der Krise der Republik – das wirkt sehr souverän.