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Grammatik-Grundlagen

Antike Vergil-Handschrift
Die Kasus

Latein ist eine Flexionssprache mit sechs Kasus: Nominativ (Subjekt), Genitiv (Zugehörigkeit), Dativ (Empfänger), Akkusativ (Objekt), Ablativ (Trennung, Mittel, Ort, Zeit), Vokativ (Anrede). Die Endung trägt die Funktion. Beispiel: amicus (Freund, Subj.), amici (des Freundes), amico (dem Freund), amicum (den Freund), amico (mit dem Freund), amice (Freund!).

Die fünf Deklinationen

Substantive werden in fünf Deklinationen eingeteilt, erkennbar am Genitiv Singular:

1. a-Deklination (Gen. -ae): puella, puellae (das Mädchen). Meist Femininum.
2. o-Deklination (Gen. -i): amicus, amici (m.) und verbum, verbi (n.).
3. konsonantische/i-Deklination (Gen. -is): rex, regis (König); gemischtgeschlechtlich, viele Sondertypen.
4. u-Deklination (Gen. -us): manus, manus (Hand).
5. e-Deklination (Gen. -ei): res, rei (Sache), dies, diei (Tag). — Daher Ciceros berühmtes res publica („öffentliche Sache“).

Die vier Konjugationen

Verben werden nach dem Stammvokal in vier Konjugationen eingeteilt:

a-Konjugation: amare, amo, amavi, amatum (lieben).
e-Konjugation: monere, moneo, monui, monitum (mahnen).
i-Konjugation: audire, audio, audivi, auditum (hören).
konsonantische Konjugation: regere, rego, rexi, rectum (lenken). Mischtypen wie capere, capio (i-Erweiterung) sind häufig.

Cicero verwendet diese Verben ständig: „Cogito, ergo sum“ (Descartes nach Cicero) zeigt die Präsenzformen. Caesars berühmtes „Veni, vidi, vici“ (Suet. Iul. 37) („Ich kam, sah, siegte“) zeigt drei Perfektformen in drei Wörtern.

Tempora und Modi

Latein kennt sechs Tempora (Präsens, Imperfekt, Futur I, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II) und drei Modi (Indikativ, Konjunktiv, Imperativ). Daneben gibt es das passive Genus und die Verbformen Infinitiv, Partizip, Gerundium und Supinum. Der Konjunktiv ist im Lateinischen viel häufiger als im Deutschen und kennt vier Tempora (Präsens, Imperfekt, Perfekt, Plusquamperfekt).

Wortstellung

Da die Endungen die Funktion tragen, ist die lateinische Wortstellung relativ frei. In der Regel gilt: Subjekt – Objekt – Prädikat. Das Prädikat steht oft am Satzende. Berühmt Caesars „Gallia est omnis divisa in partes tres.“ (Caes. BG I,1,1) („Ganz Gallien ist in drei Teile geteilt.“) Hier zeigt sich, wie das Hilfsverb est in der Mitte und das Partizip divisa nahe am Sinnschwerpunkt steht.

Zusammenfassung:

• 6 Kasus: Nom., Gen., Dat., Akk., Abl., Vok.
• 5 Deklinationen, erkennbar am Gen. Sg.
• 4 Konjugationen + Mischtyp (capio); 6 Tempora, 3 Modi
• Endungen tragen die Funktion; Wortstellung relativ frei
• Prädikat meist am Satzende

Abitur-Tipp: Übe Stammformen (z. B. fero, tuli, latum) im Block. Bei jeder Übersetzung lohnt sich ein Prüfblick auf die Endungen, bevor man rät. Die berühmten Beispiele veni, vidi, vici und Gallia omnis divisa sollten als Stammformen-Trainer dienen.