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Ovid: Amores und das Liebeswerk

Amores – Drei Bücher Liebeselegien

Die Amores sind das Erstlingswerk Ovids und erschienen um 16 v. Chr. zunächst in fünf, später in einer reduzierten Fassung von drei Büchern. Sie enthalten 49 Elegien im elegischen Distichon und kreisen um die Beziehung des Dichters zu Corinna, einer fiktiven Geliebten. Ovid spielt virtuos mit den Konventionen der römischen Liebeselegie (Tibull, Properz) und treibt sie ins Ironische.

Programmatisch das erste Gedicht Am. I,1: Ovid wollte ein Epos in Hexametern schreiben, doch Cupido entriss ihm einen Versfuß – und so wurde aus dem Hexameter das elegische Distichon: „Par erat inferior versus – risisse Cupido / dicitur atque unum surripuisse pedem.“ (Ov. Am. I,1,3–4) („Der untere Vers war gleich – da soll Cupido gelacht und einen Versfuß weggenommen haben.“) Hier wird Form ironisch begründet.

Ars amatoria – Lehrbuch der Liebe

Die Ars amatoria („Liebeskunst“, ca. 1 v. Chr.) in drei Büchern ist ein parodistisches Lehrgedicht im Hexameter. Buch I und II richten sich an Männer und lehren Verführung; Buch III an Frauen und gibt ihnen entsprechende Tipps. Ovid spielt mit der Form des Lehrgedichts (Hesiod, Vergils Georgica) und macht den magister amoris (Lehrer der Liebe) zur komischen Figur. Augustus war über die freizügige Schrift erbost – sie wurde später zum Mitgrund der Verbannung.

Heroides – Briefe der Heldinnen

Die Heroides sind 21 fiktive Briefe berühmter Heldinnen der griechischen Mythologie an ihre untreuen Geliebten: Penelope an Odysseus, Dido an Aeneas, Medea an Iason, Ariadne an Theseus. Ovid erfindet damit eine neue Gattung – den dichterischen Brief – und gibt den weiblichen Stimmen der Mythologie Gewicht. Die Briefe sind psychologisch fein gezeichnete Klagen verlassener Frauen.

Verbannung nach Tomis

8 n. Chr. wurde Ovid von Augustus nach Tomis am Schwarzen Meer (heute Constanta in Rumänien) verbannt. Die Gründe sind unklar; Ovid spricht von carmen et error („einem Gedicht und einem Fehler“) – das Gedicht ist die Ars amatoria, der Fehler möglicherweise eine Verstrickung in einen Skandal um Augustus' Enkelin Iulia.

In Tomis schrieb Ovid die Tristia („Klagelieder“) und die Epistulae ex Ponto („Briefe vom Schwarzen Meer“), beides Sammlungen melancholischer Distichen. Aus den Tristia stammt das berühmte Verbannungsdistichon: „Cum subit illius tristissima noctis imago, / qua mihi supremum tempus in urbe fuit.“ (Trist. I,3,1–2) („Wenn das höchst traurige Bild jener Nacht in mir aufsteigt, in der mir die letzte Zeit in Rom war.“)

Ovid starb 17 n. Chr. in der Verbannung, ohne nach Rom zurückkehren zu dürfen.

Bedeutung

Ovid ist der virtuoseste Distichendichter der lateinischen Literatur. Sein Werk umspannt das ganze Spektrum der Liebesdichtung – von verspielter Verführungslyrik bis zur tief traurigen Verbannungsklage. Er prägte die mittelalterliche und neuzeitliche europäische Lyrik wie kein anderer Römer.

Zusammenfassung:

Amores: 3 Bücher, 49 Elegien, Corinna
Ars amatoria: parodistisches Lehrgedicht der Liebe
Heroides: 21 fiktive Briefe weiblicher Heldinnen
• Verbannung 8 n. Chr. nach Tomis: Tristia, Epistulae ex Ponto
Carmen et error als Verbannungsgründe

Abitur-Tipp: Lerne das Verbannungs-Distichon (Trist. I,3,1–2) auswendig – es ist eines der berühmtesten Distichen überhaupt und kommt häufig als Versmasse-Aufgabe vor.