Die römische Götterwelt ist weitgehend mit der griechischen identifiziert worden. Die wichtigsten zwölf Götter (dii consentes):
Iuppiter (gr. Zeus) – Himmelsgott, höchster Gott; Iuno (Hera) – seine Gemahlin, Schützerin der Ehe; Minerva (Athene) – Göttin der Weisheit; Mars (Ares) – Kriegsgott und Vater des Romulus; Venus (Aphrodite) – Göttin der Liebe und Stammmutter der Iulier (Caesars Familie!); Apollo – Gott der Dichter und der Weissagung; Diana (Artemis) – Jägerin und Mondgöttin; Mercurius (Hermes) – Bote, Gott der Kaufleute; Vulcanus (Hephaistos) – Schmiedegott; Ceres (Demeter) – Erntegöttin; Neptunus (Poseidon) – Meergott; Vesta (Hestia) – Göttin des Herdes.
Die Gründungssage Roms erzählt von den Zwillingen Romulus und Remus, Söhnen der Vestalin Rhea Silvia und des Kriegsgottes Mars. Sie werden ausgesetzt, von einer Wölfin gesäugt und vom Hirten Faustulus aufgezogen. Später gründen sie an der Stelle ihrer Rettung eine Stadt. Beim Streit um die Stadtmauer erschlägt Romulus seinen Bruder Remus.
Livius berichtet nüchtern: „Inde cum altercatione congressi certamine irarum ad caedem vertuntur; ibi in turba ictus Remus cecidit.“ (Liv. I,7) („Aus dem Wortwechsel entstand ein Streit, der zum Mord führte; im Getümmel fiel Remus, von einem Schlag getroffen.“) Die berühmte Variante: Romulus erschlug Remus, weil dieser die noch unfertige Stadtmauer verspottend übersprang.
Vergil hat in seiner Aeneis die zweite große Gründungssage Roms gestaltet: Aeneas, Sohn der Venus und Held aus Troja, flieht nach dem Untergang seiner Heimatstadt mit seinem Vater Anchises und seinem Sohn Iulus über das Meer. Nach langen Irrfahrten kommt er nach Latium und gründet das Geschlecht, aus dem die römischen Könige und später (durch Iulus) die gens Iulia hervorgehen.
Vergils berühmtes Programmgedicht: „Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris / Italiam fato profugus Laviniaque venit / litora.“ (Verg. Aen. I,1–3) („Waffen und einen Mann besinge ich, der zuerst von den Gestaden Trojas, vom Schicksal verbannt, nach Italien und an die lavinischen Küsten kam.“)
Neben den großen Göttern kannte jede römische Familie ihre Lares (Schutzgeister des Hauses und der Felder) und Penaten (Schutzgötter der Vorratskammer). Sie erhielten tägliche Opfer am Häusaltar (lararium). Die Familienreligion war im römischen Alltag oft wichtiger als der Staatskult.
Aeneas rettet aus Troja seine Penaten – ein Symbol für die Kontinuität von Familie und Religion: „Sacra suosque tibi commendat Troia penates.“ (Verg. Aen. II,293) („Troja vertraut dir das Heilige und seine Penaten an.“)
Die römische Mythologie hat immer auch politische Funktion. Augustus stilisierte sich als Nachkomme des Aeneas (durch Iulus) und damit der Göttin Venus. Vergil schrieb die Aeneis im Auftrag des Augustus, um diesen Mythos zu festigen. Die Mythen sind also nicht nur Geschichten, sondern Begründung der römischen Identität und Herrschaft.
Zusammenfassung:
• 12 dii consentes, weitgehende Identifikation mit griechischen Göttern
• Romulus + Remus – Gründungssage; Wölfin, Brudermord
• Aeneas-Sage: trojanische Herkunft Roms (Vergil)
• Lares und Penaten – Hausgötter, Familienreligion
• Mythos legitimiert Augustus als Venusnachfahre
Abitur-Tipp: Lerne den Anfang der Aeneis (Arma virumque cano) und das Romulus-Zitat aus Livius. Beides eignet sich als Einleitung jeder Mythologie-Aufgabe.