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Römische Staatspräsentation

Augustus – Selbstinszenierung des Princeps

Mit Augustus (63 v. Chr. – 14 n. Chr.) beginnt eine systematische Politik der Selbstdarstellung des römischen Staates und seines Herrschers. Augustus präsentierte sich als Wiederhersteller (restitutor) der Republik, während er sie tatsächlich in eine monarchische Form (Prinzipat) umwandelte. Sein Genie lag darin, die alten republikanischen Institutionen formal beizubehalten und zugleich alle Macht in seiner Person zu bündeln.

Res Gestae Divi Augusti

Die Res Gestae Divi Augusti („Taten des göttlichen Augustus“) sind Augustus' eigener Tatenbericht, den er kurz vor seinem Tod 14 n. Chr. verfasste. Sie waren in zwei Bronzetafeln am Mausoleum in Rom angebracht und in lateinisch-griechischer Doppelfassung in mehreren Provinzen verbreitet. Erhalten sind sie auf einer Inschrift in Ankara (Monumentum Ancyranum).

Augustus listet seine politischen, militärischen und sozialen Leistungen auf. Programmatisch der Anfang: „Annos undeviginti natus exercitum privato consilio et privata impensa comparavi, per quem rem publicam dominatione factionis oppressam in libertatem vindicavi.“ (Res Gestae 1) („Mit neunzehn Jahren habe ich aus eigenem Entschluss und auf eigene Kosten ein Heer aufgestellt, durch das ich die von der Tyrannei einer Faktion unterdrückte Republik in die Freiheit zurückgeführt habe.“)

Schlüsselsatz für das augusteische Selbstverständnis: „Rem publicam ex mea potestate in senatus populique Romani arbitrium transtuli.“ (Res Gestae 34) („Den Staat habe ich aus meiner Gewalt in die Verfügung von Senat und römischem Volk übertragen.“)

Ara Pacis Augustae

Die Ara Pacis Augustae („Altar des augusteischen Friedens“), 9 v. Chr. eingeweiht, ist eines der wichtigsten Bauwerke der augusteischen Staatspräsentation. Sie steht in Rom und feiert die pax Augusta – den Frieden, den Augustus nach den Bürgerkriegen geschaffen habe. Ihre Reliefs zeigen Prozessionen der kaiserlichen Familie, allegorische Darstellungen (Tellus/Italia, Roma) und mythische Szenen (Aeneas, Romulus). Die Ara verbindet politische Botschaft (Friede), religiösen Anspruch (Opfer) und dynastische Repräsentation.

Forum Augustum und Tempel des Mars Ultor

Das Forum Augustum, 2 v. Chr. eingeweiht, war ein gewaltiges Bauprojekt. Im Zentrum stand der Tempel des Mars Ultor („Mars des Rächers“), den Augustus zur Erinnerung an seine Rache für Caesars Ermordung gestiftet hatte. Das Forum war mit Statuen aller großen römischen summi viri (höchsten Männer) geschmückt – eine ganze Galerie der römischen Geschichte, die in Augustus gipfelte.

Vergil und Horaz als Hofdichter

Augustus nutzte auch die Dichtung als Mittel der Staatspräsentation. Vergils Aeneis war im Grunde eine literarische Begründung des augusteischen Anspruchs auf göttliche Abstammung. Horaz schrieb das Carmen saeculare (17 v. Chr.) für die augusteischen Säkularspiele und besang in seinen Römeroden die alten Tugenden, die Augustus wiederherzustellen beanspruchte.

Vergil legt Iuppiter ein imperiales Vermächtnis in den Mund: „His ego nec metas rerum nec tempora pono: imperium sine fine dedi.“ (Verg. Aen. I,278–279) („Diesen setze ich keine Grenzen weder im Raum noch in der Zeit: ich habe ihnen ein Reich ohne Ende gegeben.“)

Zusammenfassung:

• Augustus als restitutor der Republik – tatsächlich Begründer des Prinzipats
Res Gestae Divi Augusti: eigener Tatenbericht, lat./griech.
• Ara Pacis: Friedensaltar mit dynastischen Reliefs
• Forum Augustum + Tempel des Mars Ultor
• Vergil und Horaz als Hofdichter; imperium sine fine

Abitur-Tipp: Lerne imperium sine fine dedi (Aen. I,279) und den Schlüsselsatz aus Res Gestae 34 (rem publicam transtuli). Beide sind Klassiker für die Q2.2-Klausur.