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Cicero: Cato Maior de senectute

Cicero, Büste
Werk und Sprecher

Der Dialog Cato Maior de senectute entstand 44 v. Chr. und ist wie De amicitia Atticus gewidmet. Cicero war damals 62 Jahre alt und betrachtete das Werk als persönliche Trostschrift gegen die eigene Lebensangst. Sprecher ist Marcus Porcius Cato Maior (Cato der Ältere, 234–149 v. Chr.), der greise Römer schlechthin, der hier mit seinen jungen Freunden Scipio Aemilianus und Laelius spricht.

Der Dialog ist ein Trostbuch über das Alter. Cato widerlegt vier gängige Vorwürfe gegen das Greisenalter und zeigt, dass es nicht zu fürchten, sondern zu schätzen ist.

Vier Vorwürfe und Antworten

Cato systematisiert vier Hauptklagen gegen das Alter und entkräftet sie:

1. Das Alter halte von politischer Tätigkeit ab. – Antwort: Im Gegenteil, der Geist und die Erfahrung wächst, während körperliche Schwäche durch Klugheit ausgeglichen wird. Cicero zitiert das Beispiel von Fabius Cunctator und Appius Claudius, die im Alter den Staat lenkten.

2. Das Alter mache den Körper schwach. – Antwort: Auch Schwache können Großes leisten; maßvolles Leben (moderatio) erhält die Körperkräfte; und im Übrigen darf man das verlangen, was angemessen ist, nicht mehr.

3. Das Alter beraube der Genüsse. – Antwort: Das ist sein größter Vorzug! Die Sinnlichkeit ist die größte Verführung zur Sünde; das Alter befreit von ihr und gibt Raum für geistige Freude.

4. Das Alter sei dem Tod nahe. – Antwort: Der Tod ist unausweichlich in jedem Alter. Wer das Leben gut geführt hat, kann ihn ruhig erwarten. Für den Weisen ist der Tod entweder Erlösung (wenn die Seele stirbt) oder Tor zur Ewigkeit (wenn sie unsterblich ist).

Der natürliche Lauf des Lebens

Cicero begründet seine Lehre vom Alter mit einem Naturargument. Jedes Alter hat seine eigene Bestimmung, und das Greisenalter ist die Vollendung:

„Cursus est certus aetatis et una via naturae eaque simplex, suaque cuique parti aetatis tempestivitas est data, ut et infirmitas puerorum, et ferocitas iuvenum, et gravitas iam constantis aetatis et senectutis maturitas naturale quiddam habeat, quod suo tempore percipi debeat.“ (Cic. De sen. 33)

(„Der Lauf des Lebens ist sicher, der Weg der Natur ist einer und einfach, und jedem Lebensabschnitt ist seine eigene Zeitgemäßheit gegeben – sodass die Schwäche der Kinder, der Ungestüm der jungen Männer, der Ernst des reifen Mannes und die Reife des Alters etwas Natürliches hat, das zu seiner Zeit ergriffen werden muss.“)

Das Bild der Reifung ist zentral: maturitas senectutis – das Alter ist Reife, nicht Verfall.

Geistige Tätigkeit als Lebenselixier

Cato selbst lernte im hohen Alter noch Griechisch und las philosophische Schriften. Cicero schlägt: „Discere quasi posses semper, vivere quasi cras moriturus.“ Der greise Römer empfiehlt geistige Tätigkeit als beste Medizin gegen den Verfall: Lektüre, Schreiben, Lehre, Gespräche. Wer den Geist übt, ältert nicht wirklich.

Auch das Landleben empfiehlt Cato – mit liebevollen Schilderungen seiner Gärten, Weinberge und Tiere. Das otium ruris ist sein Idealbild.

Bedeutung und Wirkung

De senectute ist eine der humansten antiken Schriften. Sie kombiniert philosophische Argumentation mit persönlicher Wärme und römischem exempla-Reichtum. Im Mittelalter und Humanismus war sie ein Bestseller; Petrarca trug sie immer bei sich. Für das Hessen-Abitur ist sie ein zentraler Text der praktischen Lebensphilosophie.

Zusammenfassung:

• Dialog 44 v. Chr., Sprecher Cato Maior, gewidmet Atticus
• Vier Vorwürfe gegen das Alter und Catos Widerlegung
• Naturargument: cursus est certus aetatis (De sen. 33)
Maturitas senectutis – Alter als Reife
• Geistige Tätigkeit als Lebenselixier; Lob des Landlebens

Abitur-Tipp: Merke dir den Schlüsselsatz cursus est certus aetatis et una via naturae. Er ist die naturphilosophische Begründung der ganzen Schrift und eignet sich als Aufhänger jeder Interpretation.