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Cinema italiano

Federico Fellini
Il cinema italiano – ein kulturelles Erbe

Il cinema italiano zählt zu den einflussreichsten Filmkulturen der Welt. Von den 1940er-Jahren bis heute haben italienische Regisseure die Sprache des Films revolutioniert. „Il cinema è la scrittura moderna il cui inchiostro è la luce.“ („Das Kino ist die moderne Schrift, deren Tinte das Licht ist.“) – so Federico Fellini.

Drei große Phasen prägen das italienische Kino: der Neorealismo (1945–1952), das cinema d'autore (1960er und 70er) und das nuovo cinema (seit den 1990ern). Insgesamt haben italienische Filme 14 Oscars für den besten internationalen Film gewonnen – mehr als jedes andere Land.

Il Neorealismo – Die Geburt des modernen Kinos

Der Neorealismo entstand in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Junge Regisseure wollten die Wirklichkeit zeigen: Armut, Hunger, Verlust. Sie drehten auf der Straße, oft mit Laiendarstellern, ohne Studios. „Pedinare la realtà.“ („Der Wirklichkeit auf den Fersen bleiben.“) – so das Motto Cesare Zavattinis.

Roberto Rossellini drehte Roma città aperta (1945, „Rom, offene Stadt“) noch während des Krieges über den Widerstand gegen die deutsche Besatzung. Vittorio De Sica schuf mit Ladri di biciclette (1948, „Fahrraddiebe“) den Inbegriff des Neorealismus: ein arbeitsloser Vater sucht mit seinem Sohn das gestohlene Fahrrad, von dem ihre Existenz abhängt.

Weitere Schlüsselwerke: Paisà (1946) und Germania anno zero (1948) von Rossellini, Sciuscià (1946) und Umberto D. (1952) von De Sica, La terra trema (1948) von Luchino Visconti.

Federico Fellini – Der Magier des Kinos

Federico Fellini (1920–1993) ist der wohl bekannteste italienische Regisseur. Er gewann vier Oscars für den besten fremdsprachigen Film. Sein Stil verbindet Realismus mit Traum, Karneval und Erinnerung.

La dolce vita (1960) zeigt das Römer Jetset-Leben um den Klatschreporter Marcello Rubini. Die Szene, in der Anita Ekberg im Trevi-Brunnen badet, ist eine Ikone des Weltkinos. Aus dem Filmcharakter Paparazzo entstand das Wort „Paparazzi“. „Marcello, come here. Hurry up!“ – der berühmteste Filmsatz der italienischen Kinogeschichte.

(1963, gesprochen otto e mezzo) ist ein Film über die Schöpferkrise eines Regisseurs – halb autobiografisch, halb traumartig. Marcello Mastroianni spielt den Regisseur Guido Anselmi. Der Film gewann zwei Oscars und gilt als Meilenstein der Filmgeschichte. Weitere Werke: La strada (1954) mit Giulietta Masina, Amarcord (1973) über seine Heimatstadt Rimini.

Sergio Leone – Spaghetti-Western

Sergio Leone (1929–1989) erfand das Genre des spaghetti-western. Mit Per un pugno di dollari (1964), Per qualche dollaro in più (1965) und Il buono, il brutto, il cattivo (1966, „Zwei glorreiche Halunken“) machte er Clint Eastwood zum Star. Die Musik schrieb sein Schulfreund Ennio Morricone.

„Quando un uomo con la pistola incontra un uomo con il fucile, l'uomo con la pistola è un uomo morto.“ („Wenn ein Mann mit der Pistole einen Mann mit dem Gewehr trifft, ist der Mann mit der Pistole ein toter Mann.“) Sein Spätwerk C'era una volta in America (1984) ist ein vierstündiges Epos über die jüdische Mafia in New York.

Vokabeln:
il regista / la regista – der Regisseur / die Regisseurin
il film – der Film
la pellicola – der Filmstreifen
l'attore / l'attrice – der Schauspieler / die Schauspielerin
la sceneggiatura – das Drehbuch
girare un film – einen Film drehen
il neorealismo – der Neorealismus
il premio Oscar – der Oscar
la colonna sonora – die Filmmusik
il cinema d'autore – das Autorenkino
la scena – die Szene
il personaggio – die Filmfigur

Roberto Benigni – Lachen und Tränen

Roberto Benigni (geb. 1952) gewann 1999 drei Oscars für La vita è bella (1997, „Das Leben ist schön“) – bester fremdsprachiger Film, bester Hauptdarsteller, beste Filmmusik. Der Film erzählt von einem jüdischen Vater, der in einem Konzentrationslager seinem kleinen Sohn vorspielt, das Lager sei ein Spiel, um ihn vor der Wahrheit zu schützen.

„Buongiorno, principessa!“ („Guten Morgen, Prinzessin!“) ist sein bekanntestes Filmzitat. Bei der Oscar-Verleihung sprang Benigni auf die Stuhllehnen – eine Szene, die um die Welt ging.

Paolo Sorrentino – Das neue Kino

Paolo Sorrentino (geb. 1970) gewann 2014 mit La grande bellezza (2013, „Die große Schönheit“) den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Der Film zeigt das morbide, dekadente Rom durch die Augen des alternden Schriftstellers Jep Gambardella. Eine Hommage an Fellinis La dolce vita, aber 50 Jahre später und mit melancholischem Blick.

„Roma ti fa perdere un sacco di tempo.“ („Rom lässt dich eine Menge Zeit verlieren.“) Weitere Werke: Il divo (2008) über Giulio Andreotti, È stata la mano di Dio (2021), seine autobiografische Erinnerung an Neapel und Maradona.

Zusammenfassung:

Neorealismo (1945–1952): Rossellini Roma città aperta, De Sica Ladri di biciclette
Fellini: La dolce vita (1960), (1963), 4 Oscars
Sergio Leone: Spaghetti-Western, Musik von Ennio Morricone
Benigni: La vita è bella (1997), 3 Oscars 1999
Sorrentino: La grande bellezza (2013), Oscar 2014
• Italien: 14 Oscars als bester internationaler Film – Weltrekord

Abitur-Tipp: Im mündlichen Abitur wird oft ein konkreter Film besprochen. Lerne Ladri di biciclette als Beispiel für Neorealismus und La vita è bella für die Verbindung Holocaust-Erinnerung und Komik. Die Paparazzi-Anekdote (Fellinis Filmcharakter Paparazzo wurde zum Begriff) ist ein perfekter Aufhänger für das Thema Medien und Gesellschaft.