Italien ist ein Land der Tradition. Die Feste markieren das Jahr und vermischen christliche, antike und regionale Wurzeln. „In Italia ogni festa è una scusa per stare insieme e mangiare bene.“ („In Italien ist jedes Fest ein Vorwand, zusammen zu sein und gut zu essen.“)
Das wichtigste Familienfest ist Natale (Weihnachten, 25. Dezember). Charakteristisch sind das presepe (die Krippe, eine Erfindung des Heiligen Franziskus 1223 in Greccio), der Weihnachtsbaum, das Mitternachtsfest messa di mezzanotte.
Traditionelle Weihnachtsspeisen: panettone (Süßbrot aus Mailand), pandoro (aus Verona), torrone (Nougat). „Natale con i tuoi, Pasqua con chi vuoi.“ („Weihnachten mit den Deinen, Ostern mit wem du willst.“)
Eine typisch italienische Tradition ist die Befana am Dreikönigstag (6. Januar, Epifania). Die Befana ist eine alte Hexe auf einem Besen, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar braven Kindern Geschenke und Süßigkeiten in die Strumpf bringt – und bösen Kindern Kohle (heute meist aus Zucker).
Der Reim sagt: „La Befana vien di notte, con le scarpe tutte rotte, col vestito alla romana, viva viva la Befana!“ („Die Befana kommt bei Nacht, mit ganz zerrissenen Schuhen, im römischen Kleid, hoch lebe die Befana!“)
Vokabeln:
la festa – das Fest
la tradizione – die Tradition
il Natale – Weihnachten
la Pasqua – Ostern
il Carnevale – Karneval
la Befana – die Befana (Dreikönigshexe)
il Ferragosto – der 15. August (Mariä Himmelfahrt)
il presepe – die Krippe
il panettone – das Weihnachtsbrot
la colomba – die Osterkuchen-Taube
il regalo – das Geschenk
Der Carnevale findet in den Wochen vor Aschermittwoch statt. Die berühmtesten Karnevale Italiens: Venezia (mit den eleganten Masken), Viareggio (mit den riesigen carri allegorici, allegorischen Wagen), Putignano in Apulien (einer der ältesten Europas, seit 1394).
Typische Karnevalsfiguren der Commedia dell'arte: Arlecchino (Harlekin) aus Bergamo, Pulcinella aus Neapel, Pantalone aus Venedig, Colombina. Karnevalsspeisen: chiacchiere (Gebäckstreifen), frappe, castagnole.
Pasqua (Ostern) ist nach Weihnachten das wichtigste religiöse Fest. Traditionell isst man agnello (Lamm), uova di Pasqua (Schokoladenostereier mit Überraschung) und die colomba pasquale (Osterkuchen in Taubenform).
Ferragosto ist der 15. August, Hochfest Mariä Himmelfahrt. Es ist gleichzeitig der Beginn der italienischen Sommerferien: Ganze Städte werden leer, alle fahren ans Meer oder in die Berge. Der Begriff stammt vom lateinischen Feriae Augusti – eingeführt im Jahr 18 v. Chr. von Kaiser Augustus.
Jede Region hat ihre eigenen Feste. Der Palio di Siena (Pferderennen auf der Piazza del Campo, 2. Juli und 16. August) geht auf das Mittelalter zurück. In Gubbio findet die Festa dei Ceri statt (15. Mai), in Neapel das Wunder des San Gennaro (19. September).
Zusammenfassung:
• Natale: Krippe (Franziskus 1223), Panettone, Pandoro
• Befana: 6. Januar, Hexe auf Besen
• Carnevale: Venezia, Viareggio, Maskenfiguren der Commedia dell'arte
• Pasqua: Lamm, Colomba pasquale
• Ferragosto: 15. August, seit Augustus 18 v. Chr.
• Palio di Siena: 2. Juli und 16. August
Abitur-Tipp: Verbinde Feste mit Familie (norme e valori, famiglia). Lerne mindestens drei Feste und ihre Spezialitäten.