Italien (l'Italia) ist eines der sechs Gründungsmitglieder der heutigen Europäischen Union. Bereits 1951 trat das Land der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (CECA – Comunità Europea del Carbone e dell'Acciaio) bei. Sechs Jahre später, am 25. März 1957, wurde in Rom auf dem Kapitolshügel der historische Vertrag von Rom (Trattato di Roma) unterzeichnet, der die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und EURATOM begründete.
Italienische Politiker spielten dabei eine zentrale Rolle. Der christdemokratische Premier Alcide De Gasperi (1881–1954) gilt zusammen mit Konrad Adenauer und Robert Schuman als einer der padri fondatori (Gründungsväter) Europas. Für Italien, das nach dem Faschismus und dem Zweiten Weltkrieg innen- wie außenpolitisch gedemütigt war, bedeutete der europäische Aufbruch eine politische Wiederauferstehung: «L'Europa è la nostra seconda patria» (Europa ist unsere zweite Heimat), so De Gasperi.
Das Manifest von Ventotene (Il Manifesto di Ventotene, 1941), verfasst von Altiero Spinelli und Ernesto Rossi während ihrer faschistischen Verbannung auf der gleichnamigen Insel, gilt als geistige Grundlage der europäischen Idee. Es forderte einen föderalen europäischen Bundesstaat als Garant für Frieden und Demokratie.
Der Vertrag von Rom (1957) schuf den gemeinsamen Markt (il mercato comune) mit freiem Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr. Italien profitierte enorm: Das Wirtschaftswunder (il boom economico) der späten 1950er und 1960er Jahre verwandelte das agrarische Land in eine moderne Industrienation. Fiat, Olivetti und die Modeindustrie eroberten europäische Märkte.
1992 unterzeichnete Italien den Vertrag von Maastricht (Trattato di Maastricht), mit dem die Europäische Union entstand. Am 1. Januar 2002 führte Italien den Euro (l'euro) als Bargeld ein und löste die Lira ab, die über 140 Jahre lang das Symbol italienischer Währungssouveränität gewesen war. Der Wechselkurs lag bei 1 Euro = 1936,27 Lire.
Der Euro brachte Stabilität, aber auch spürbare Preiserhöhungen. Viele Italiener klagten: «Con l'euro tutto costa il doppio» (Mit dem Euro kostet alles das Doppelte). Die Eurokrise 2010–2012 traf Italien hart: Die Staatsverschuldung lag bei über 120 % des BIP, die Spreads zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen explodierten. Premier Mario Monti (2011–2013) setzte harte Sparmaßnahmen durch.
Italien ist heute die drittgrösste Volkswirtschaft der Eurozone (nach Deutschland und Frankreich) und mit ca. 59 Millionen Einwohnern eines der bevölkerungsreichsten EU-Länder. In Brüssel und Straßburg stellt es 76 Abgeordnete im Europäischen Parlament. Italienische Politiker wie Romano Prodi (Kommissionspräsident 1999–2004), Mario Draghi (EZB-Präsident 2011–2019) und David Sassoli (EP-Präsident 2019–2022) haben das Geschick der EU mitgeprägt.
Im Rahmen des Wiederaufbauprogramms NextGenerationEU erhält Italien mit dem nationalen Plan PNRR (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza) bis 2026 fast 200 Milliarden Euro – mehr als jedes andere EU-Land. Damit sollen Digitalisierung, ökologischer Umbau und Infrastruktur modernisiert werden.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. Die rechtspopulistische Lega von Matteo Salvini und die postfaschistische Fratelli d'Italia von Giorgia Meloni (Premierministerin seit Oktober 2022) waren lange euroskeptisch. Slogans wie «Prima gli italiani» (Italiener zuerst) oder die Forderung nach mehr nationaler Souveränität prägen die politische Debatte. Trotzdem bleibt Italien fest in der EU verankert: Mehr als 60 % der Italiener sehen die EU laut Eurobarometer positiv.
Italien klagt über die ungleiche Lastenverteilung in der europäischen Migrationspolitik. Als Mittelmeeranrainer erreichen die Insel Lampedusa jährlich tausende Boote aus Nordafrika. Das Dublin-Abkommen weist die Verantwortung dem Ersteinreisestaat zu – eine Regelung, die Italien als ungerecht empfindet: «L'Europa ci lascia soli» (Europa lässt uns allein).
Auch die strengen Haushaltsregeln des Stabilitätspakts und die Empfehlungen der Europäischen Kommission stossen auf Unmut. Andererseits ist Italien Nettoempfänger von EU-Mitteln: Aus den Strukturfonds, dem Agrarfonds und PNRR fliesst weit mehr Geld nach Italien als das Land einzahlt. Die Bilanz der EU-Mitgliedschaft ist also ökonomisch und politisch überwiegend positiv – trotz aller Reibungen.
l'Unione Europea (UE) – die Europäische Union
il trattato – der Vertrag
il mercato comune – der gemeinsame Markt
l'euro – der Euro
la lira – die Lira
il debito pubblico – die Staatsschuld
la crisi – die Krise
l'austerità – die Sparpolitik
il fondatore – der Gründer
la sovranità – die Souveränität
il deputato – der Abgeordnete
il bilancio – der Haushalt
la migrazione – die Migration
l'integrazione – die Integration
Zusammenfassung:
• 1951: Italien Mitgründer der CECA (Montanunion)
• 25.3.1957: Vertrag von Rom – EWG entsteht in Rom
• Alcide De Gasperi als italienischer padre fondatore Europas
• 1.1.2002: Euro-Einführung (1 EUR = 1936,27 Lire)
• PNRR: 200 Mrd. Euro aus NextGenerationEU bis 2026
• Spannung zwischen Pro-Europäern und Souveränisten (Salvini, Meloni)
Abitur-Tipp: Beim Q-Thema «Italia in Europa» immer auf die Doppelrolle eingehen: Italien ist Mitgründer UND zugleich kritisches Mitglied. Verwende das De-Gasperi-Zitat «L'Europa è la nostra seconda patria» als positives Element und kontrastiere es mit dem populistischen «Prima gli italiani». Prüfer lieben Daten: 1957, 2002 und PNRR (200 Mrd.) immer parat haben.