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Le regioni italiane

Italien als Vielfalt der Regionen

L'Italia ist seit der Verfassung von 1948 in 20 Regionen (regioni) eingeteilt. Diese Regionen sind politisch und kulturell sehr unterschiedlich – man könnte sagen, Italien ist eher ein mosaico (Mosaik) als ein einheitlicher Staat. Das bekannte Wort des Schriftstellers Giuseppe Prezzolini lautet: «In Italia non si va da nord a sud, si attraversano cento Italie» (In Italien geht man nicht von Nord nach Süd, man durchquert hundert Italien).

Die 20 Regionen sind zugleich Verwaltungseinheiten mit eigenem Regionalparlament (Consiglio regionale) und einem Präsidenten (Presidente della Regione, oft «Gouverneur» genannt). Die jeweiligen Hauptstädte sind oft historisch bedeutsam: Mailand (Lombardei), Florenz (Toskana), Rom (Latium), Neapel (Kampanien), Palermo (Sizilien), Cagliari (Sardinien), Venedig (Venetien).

Italien teilt sich grob in drei Gross-Regionen: Norden (il Nord), Mitte (il Centro) und Süden mit Inseln (il Sud e le Isole, auch Mezzogiorno genannt). Zwischen diesen Gross-Räumen bestehen erhebliche wirtschaftliche und kulturelle Unterschiede.

15 Regionen mit gewöhnlichem Statut

15 der 20 Regionen sind regioni a statuto ordinario (Regionen mit ordentlichem Statut). Sie haben weniger Autonomie als die fünf Sonderregionen, aber dennoch eigenständige Kompetenzen in Bereichen wie Gesundheit, Verkehr, Bildung und Tourismus.

Piemonte (Hauptstadt Torino) – Heimat von Fiat, Slow Food, dem Barolo-Wein
Lombardia (Milano) – wirtschaftlich stärkste Region, 10 Millionen Einwohner
Veneto (Venezia) – Venedig, Verona, Prosecco
Liguria (Genova) – Küstenstreifen, Cinque Terre, Pesto
Emilia-Romagna (Bologna) – Parmaschinken, Parmigiano, Ferrari, Lamborghini
Toscana (Firenze) – Renaissance, Chianti, Pisa, Siena
Umbria (Perugia) – das «grüne Herz» Italiens, Assisi
Marche (Ancona) – Adriaküste, Leopardis Recanati
Lazio (Roma) – Hauptstadtregion mit Vatikan
Abruzzo (L'Aquila), Molise (Campobasso), Campania (Napoli)
Puglia (Bari) – Trulli von Alberobello, Ulivi
Basilicata (Potenza) – Matera mit den berühmten Sassi
Calabria (Catanzaro) – an der Stiefelspitze

5 Regionen mit Sonderstatut

Fünf Regionen sind regioni a statuto speciale (Regionen mit Sonderstatut). Sie geniessen besondere Autonomie wegen sprachlicher, geographischer oder historischer Eigenheiten:

Sicilia (Hauptstadt Palermo): Grösste Region, 5 Millionen Einwohner. Eigenes Regionalparlament seit 1946. Reiche Geschichte: Griechen, Araber, Normannen. Heute geprägt vom Kampf gegen die Mafia.

Sardegna (Cagliari): Zweitgrösste Mittelmeerinsel. Sardisch ist eigene romanische Sprache. Bekannt für die nuraghen, prähistorische Steintürme, und die langlebigen Bewohner der «blauen Zone».

Trentino-Alto Adige / Südtirol (Trento): Zweisprachige Region (Italienisch, Deutsch). Die Provinz Bozen-Südtirol hat besondere Autonomie wegen der deutschsprachigen Mehrheit. «Salve! Hallo!» – beide Sprachen sind überall präsent.

Friuli-Venezia Giulia (Trieste): Grenzregion zu Slowenien und Österreich. Drei Sprachen: Italienisch, Friulanisch, Slowenisch. Triest war bis 1918 zur k.u.k.-Monarchie gehörig.

Valle d'Aosta (Aosta): Kleinste Region Italiens. Zweisprachig Italienisch/Französisch. Liegt am Mont Blanc, Eingang zu den Alpen.

Nord, Centro, Sud – ein Land der Gegensätze

Die questione meridionale (Südfrage) bestimmt seit der Einigung 1861 die italienische Politik. Der industrielle Norden ist wirtschaftlich viel stärker als der landwirtschaftliche Süden. Das BIP pro Kopf in der Lombardei liegt bei etwa 40.000 Euro, in Kalabrien bei nur 17.000 Euro. Die Arbeitslosenquote ist im Mezzogiorno doppelt so hoch wie im Norden.

Ein bekanntes Sprichwort lautet: «L'Italia è un paese fatto a stivale, ma con due piedi diversi» (Italien ist ein Land in Stiefelform, aber mit zwei verschiedenen Füssen). Dennoch leben die regionalen Identitäten kraftvoll fort: Ein Sizilianer fühlt sich oft zuerst als Sizilianer, dann als Italiener – das gilt auch für Toskaner oder Venezianer. Die regionale Vielfalt ist Italiens grösster Reichtum: jede Region hat ihre eigene Küche, ihren eigenen Dialekt, ihre eigene Geschichte.

Vokabeltabelle

la regione – die Region
la provincia – die Provinz
il capoluogo – die Hauptstadt einer Region
il nord / il sud – der Norden / der Süden
l'isola – die Insel
il Mezzogiorno – der italienische Süden
l'autonomia – die Autonomie
la diversità – die Vielfalt
l'identità regionale – die regionale Identität
il dialetto – der Dialekt
il presidente di Regione – der Regionalpräsident
la questione meridionale – die Südfrage

Zusammenfassung:

• Italien hat 20 Regionen (seit 1948)
15 ordentliche + 5 mit Sonderstatut
• Sonderstatut: Sicilia, Sardegna, Trentino-Alto Adige, Friuli-Venezia Giulia, Valle d'Aosta
• Grösste Region: Sicilia (5 Mio. Einwohner)
• Kleinste Region: Valle d'Aosta
Questione meridionale: wirtschaftliches Gefälle Nord/Süd

Abitur-Tipp: Lerne unbedingt die 5 Sonderregionen auswendig – sie sind ein Klassiker der Klausurfrage. Erkläre den Sonderstatus immer mit der Begründung (sprachlich/historisch/geographisch). Verwende das Sprichwort «cento Italie», um die Vielfalt rhetorisch zu verdichten. Bezug zur questione meridionale bringt zusätzliche Punkte für das Q-Thema «Italia oggi».